Yoga-Fotogramme Blaue Gespenster im Nichts

Die Künstler Rob und Nick Carter haben mithilfe einer alten Technik Menschen in Yogapositionen abgelichtet - ohne Kamera. Die Ergebnisse sind so faszinierend wie unheimlich.

Rob and Nick Carter

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Blaue Gestalten scheinen im Raum zu schweben, Arme und Beine schieben sich in verschiedene Richtungen, blass- bis nachtblaue Farbe fließt über das Papier: In ihrem Buch "Yoga Photograms" zeigt das Künstlerpaar Rob und Nick Carter Bilder von Menschen in 55 verschiedenen Yogahaltungen. Entstanden sind die Werke durch die Fotogramm-Technik.

Bereits im 19. Jahrhundert kam dieses Verfahren zum Einsatz und wird heute immer noch angewendet. Objekte werden auf Fotopapier gelegt und dieses ohne Kamera direkt belichtet. Dort wo das Licht einfallen kann, wird das Papier dunkler, an den anderen Stellen bleibt es hell.

Das Künstlerpaar nutzte ein spezielles Positiv-Material, bei dem ein gegenteiliger Effekt entsteht: Die Stellen, die dem Licht ausgesetzt sind, verfärben sich hier weiß, die anderen bleiben blau. Je nach Abstand zu dem Papier erscheinen die Farbtöne dunkler, heller oder komplett weiß.

Die Modelle der Künstler mussten daher die oft anspruchsvollen Yogapositionen - vom Pfau, der Eidechse bis hin zum Rad - in vollkommener Dunkelheit einnehmen. Ein kurzer Lichtblitz folgte, der das Fotopapier belichtete. Das Ergebnis war jedes Mal eine Überraschung.

Fotostrecke

17  Bilder
Hund, Pfau und Schildkröte: Fotogramme von Yogapositionen

Die entstandenen Bilder haben eine fast schon ätherische Qualität: Die Posen wirken nicht geerdet, die Modelle scheinen durch den leeren Raum zu gleiten. An manchen Stellen, an denen die Körper direkten Kontakt mit dem Untergrund hatten, ist die Farbe dunkel, an anderen ist sie durchscheinend hell, fast geisterhaft.

Die blaue Farbe sei nicht zufällig gewählt, so die Künstler: "In der Yogatradition haben unsere Körper Energiezentren, Chakren genannt. Blau ist die Farbe des Halses und steht für Selbstdarstellung, Wahrheit, kreativen Ausdruck, Kommunikation, perfekte Form und Muster."

Warum sie diese alte Technik gewählt haben? "Wir haben uns schon immer für die Methoden der Vorläufer der Fotografie interessiert", sagt das Künstlerduo. "Der Kern unserer Arbeit liegt darin, in die Vergangenheit zurückzukehren, alte Referenzen zu verwenden und sie für uns heute bedeutungsvoll zu machen." Dies könne sich in verschiedenen Medien ausdrücken: in Skulpturen, der Malerei, Animationen oder wie in diesem Fall dem Fotogramm.


Ausstellung: Yoga Photograms, RN at 5A, London, bis 29. November 2017



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