Melania Trumps Garderobe in Afrika Jenseits von angemessen

Melania Trump reist durch Kenia, sie trägt dabei auch einen weißen Tropenhelm. Auch wenn Kritik an ihren Outfits häufig nicht gerechtfertigt ist - hier ist sie es.

Eine Stilkritik von und (Video)


Im Juni besuchte Melania Trump Flüchtlingskinder an der mexikanischen Grenze. Sie trug dabei eine Jacke mit dem Schriftzug "Es ist mir wirklich egal - und euch?" - und kassierte eine Menge Kritik. Ihre Sprecherin sagte damals, die Öffentlichkeit würde zu viel in die ästhetischen Entscheidungen der First Lady hineinlesen: "Es ist nur eine Jacke. Es gibt keine versteckte Nachricht."

Sie liegt falsch. Denn man kann sich nicht nicht kleiden. Mit jedem Griff in den Kleiderschrank positionieren sich Menschen - Männer, Frauen, Reiche, Arme, Schwarze, Weiße, - in der Realität. Sie konstruieren ein Bild von sich selbst und werden gleichzeitig von anderen - entlang Rollenerwartungen und kulturellen Codes, die ästhetisch assoziiert werden - wahrgenommen. Mode ist nicht oberflächlich. Sie zeigt das gesellschaftliche Spannungsfeld aus Selbst- und Fremdbestimmung direkt an der Oberfläche.

Am Freitag trug Trump bei ihrer Afrikareise während einer Tour durch den Nationalpark von Kenias Hauptstadt Nairobi eine beigefarbene Hose, Stiefel mit hohem Schaft, eine weiße Bluse - und einen weißen Tropenhelm. Eine Kopfbedeckung, die Europäer während der letzten Jahrhunderte in Afrika und Asien häufig anzogen, um sich vor Sonne und Regen zu schützen; sie gehört zum Stereotyp des weißen Kolonialherren.

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Melania Trump in Afrika: Mode ist politisch

Schon häufig wurde Melania Trumps Outfits kritisiert. Manchmal zu Recht, häufig aber auch so erbarmungslos, dass ziemlich klar war: Hier ging es eher darum, ihr - und am Ende damit immer ihrem Mann - den nächsten Fehltritt nachzuweisen. Als Trump sich 2017 in Stilettos und Bomberjacke nach Texas aufmachte, um Opfer der Flutkatastrophe zu besuchen, wurde sie massiv für mangelndes Feingefühl kritisiert, kollidierten also gewissermaßen Selbst- und Fremdbestimmung: Für die Beobachter sah sie zu sehr nach Laufsteg aus. Und zu wenig nach Hemdsärmeligkeit und Funktionskleidung, die von Politikern in solchen Situationen erwartet werden - nicht nur aus Respekt vor Menschen, die in der Flut alles verloren haben, sondern auch als öffentlichkeitswirksame Etikette, unabhängig davon, ob man selbst mit anpackt bei den Aufräumarbeiten oder nicht.

Freundlich und interessiert

Gleichzeitig war es aber auch ein Outfit, das sich nicht anpasste, weil es die Öffentlichkeit in bestimmten Kontexten so verlangt. Ihre Kleidung kommunizierte klar die Lebenswelt eines ehemaligen Models, dessen Stil bei öffentlichen Auftritten immer von Eleganz und teurer High Fashion geprägt ist - diese Verortung in der Gesellschaft überspielte sie nicht durch Gummistiefel, sondern kommunizierte sie klar.

Im Fall des Tropenhelms ist eine Fehlleistung eindeutiger; hier berührt ihre eigene modische Selbstbestimmung eine lange Geschichte, die für viele andere Menschen schmerzhaft sein kann: Eine weiße Frau zitiert ein historisches Machtverhältnis, das sie früher privilegiert hätte, heute aber zu Recht als barbarisch eingeordnet wird: Der Tropenhelm steht symbolisch für eine Zeit, in der unter anderem Briten, Belgier, Niederländer, Franzosen und Deutsche ganze Länder wirtschaftlich ausbeuteten, Menschen versklavten und Genozide verübten - und für eine Zeit, die in der westlichen Geschichtsschreibung noch immer häufig ignoriert wird.

Was sie selbst mit dem Kolonialhut über sich erzählen wollte? Auf der Reise, die sie in insgesamt vier afrikanische Länder führt, gab es zwar kleinere Proteste gegen die Politik und Äußerungen ihres Manns, sie selbst wurde bislang aber als freundlich interessierter Gast beschrieben. Sie sagte zudem, dass sie den umstrittenen Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh für "hochqualifiziert" halte und dass sie nicht immer mit den Tweets ihres Mannes übereinstimme.

Gefragt nach ihren umstrittenen Mode-Entscheidungen sagte sie laut US-Medien: "Ich wünschte, die Menschen würden sich auf das konzentrieren, was ich tue, nicht darauf, was ich trage." Das klingt nach phrasiger Ausflucht. Vielleicht trug sie den Helm aus Ahnungslosigkeit, so wie auch heute noch Möbelhersteller uninformiert romantisierend mit "Kolonialchic" werben. Vielleicht trug sie ihn trotz besseren Wissens. Im ersten Fall wäre es wichtig, sie aufzuklären.

Mit Material von dpa und Reuters



insgesamt 137 Beiträge
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Seite 1
claus7447 06.10.2018
1. Jungs - cool bleiben
Warum soll Melinda Trump Berater haben die Kenntnis und Feingefühl haben. Es ist wie bei ihrem angetrauten POTUS. Selbst hat sie als Model wohl nie Stilfragen für sich geklärt - da gab es Designer die Entschieden haben. Vermutlich war der blöde Helm eben richtig teuer und von einem Edel-Macher. Das war wichtig für sie. Und glaubt ihr, die hat den Alten wegen seiner Potenz oder seiner unglaublichen Schönheit, und dem größten Hirn dieser Welt geheiratet? Pekuna non olet....
oranier 06.10.2018
2. Tropenhelm
Trug auch Albert Schweitzer
j-man 06.10.2018
3. Eine Frage der Bildung
Ich glaube, dass sie -wie auch Ihr Ehemann- nicht gebildet ist. Ihr Allgemeinwissen ist auf einem sehr niedrigen Niveau, sonst würde so etwas nicht passieren.
luciusvoldemort 06.10.2018
4. Die Trumps sind saubere Leute!
Selbst wenn sie (SIE) in shithole Länder unterwegs sind, treten sie nicht nur in ein Fettnäpfchen sondern sie baden darin. Warum hat sie nicht noch einen Schlagstock und eine Trillerpfeife dabei gehabt? Lucius
Eskarina 06.10.2018
5. Albert Schweitzer...
Zitat von oranierTrug auch Albert Schweitzer
Dieser "whataboutism"-Virus, der zur Zeit grassiert, führt zu grotesken Symptomen.
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