Stardesigner Olivier Rousteing Heimat ist nirgendwo und überall

Olivier Rousteing ist der erste Schwarze an der Spitze eines französischen Luxuslabels. Als er ein Jahr alt war, wurde er aus einem asiatischen Waisenhaus adoptiert. In "S" spricht er über seine Vorstellung von "Heimat".

  Olivier Rousteing, 32:  Mit 18 zog er von zu Hause aus und bewarb sich bei Roberto Cavalli. 2009 wechselte er zu Balmain. Zweieinhalb Jahre später wurde Rousteing zum Chefdesigner befördert - der jüngste seit Yves Saint Laurent
Balmain

Olivier Rousteing, 32: Mit 18 zog er von zu Hause aus und bewarb sich bei Roberto Cavalli. 2009 wechselte er zu Balmain. Zweieinhalb Jahre später wurde Rousteing zum Chefdesigner befördert - der jüngste seit Yves Saint Laurent

Aufgezeichnet von Bianca Lang, Andreas Möller und Mariam Schaghaghi


Heimat ist für mich nirgendwo und überall zugleich. Nicht der Ort, an dem ich geboren wurde und auch nicht der, an dem ich wohne - sondern dort, wo ich mich wohlfühle. Insofern gibt es mehr als einen Ort, den ich Heimat nenne. In Los Angeles und New York zum Beispiel leben viele Menschen, die mir sehr viel bedeuten. Dann natürlich Paris und der Süden Frankreichs, wo meine Familie wohnt. Mein Schicksal zeigt, dass Hautfarbe und Herkunft egal sind und dass jemand deine Mutter sein kann, auch wenn sie dich gar nicht zur Welt gebracht hat. Entscheidend ist, wer dich von Tag eins an mit Liebe nährt und dir alle Werte vermittelt.

Ich wurde mit einem Jahr aus einem Waisenhaus in Asien adoptiert. Es war ein Segen, unter Hunderten Kindern von den Menschen ausgewählt worden zu sein, die mich geliebt und zu dem gemacht haben, der ich heute bin. Nicht zu wissen, wo ich herkomme, ist die Basis für meine Karriere. Ich bin weniger verwundbar, wenn Kritiker meine Ideen negativ beurteilen. Denn ich habe schon alles verloren, meine leibliche Mutter, und hatte dann das große Glück, gefunden zu werden. Das macht mich angstfrei und mag auch ein Grund dafür sein, dass ich Menschen gegenüber offen und bereit bin, sie zu mögen.

Aus dem S-Magazin

Außerdem schätze ich Diversität. Meine Geschichte bringt mich dazu, die ganze Welt zu lieben. Daher bin ich auch so neugierig: Ich halte die Augen auf, ich will wissen, woher ich stamme und wer ich bin. Ich glaube, dass die Globalisierung unsere Vorstellungen von Zuhause und Heimat auflöst. Das haben auch die Wahlen in Frankreich gezeigt. Wer zu Frankreich gehört und wer nicht, war eine der zentralen Fragen. Emmanuel Macrons Sieg hat bewiesen, dass Frankreich sich als freies Land versteht, das Menschen aus aller Welt willkommen heißt und ihnen die Möglichkeit geben will, Teil unserer Kultur, unserer Heimat zu werden.

Zugleich bietet es die Chance, uns an ihrer Kultur teilhaben zu lassen. Ich bestreite nicht, dass es Leute gibt, die anders denken. Ihre Definition von Heimat - gleiche Herkunft, Sprache und Religion - grenzt aber aus. Die inkludierende Heimat, wie Macron sie vertritt, umfasst dagegen unterschiedliche Kulturen, Religionen, sexuelle Orientierungen, die sich harmonisch begegnen und offen austauschen. Das ist für mich Heimat. Das nenne ich "patrie".

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Bling Bling für Glamazonen: Mode von Olivier Rousteing

Und noch etwas hat sich zu einer Art Heimat entwickelt: Social Media. Für mich ist Instagram ein Abbild unserer gegenwärtigen Welt. Nicht alles ist schön, was man dort zu sehen bekommt, und doch kann Instagram auch eine politische Plattform sein und dafür sorgen, dass Grenzen und Vorurteile zunehmend hinterfragt werden. Mir hat Instagram zum Beispiel die Möglichkeit gegeben, eine virtuelle Gemeinschaft um mich herum zu versammeln, die "Balmain Army". Die Models Kendall Jenner, Binx Walton und Jourdan Dunn gehören dazu und die Sängerin Rihanna. Instagram ist ein wilder Mix von Selfies, Business und Ideen. Ich mag das sehr.



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Ge-spiegelt 03.10.2017
1. Kreative können sich fast überall eine Heimat schaffen
Vorausgesetzt die Heimat ist sicher und 'liebenswert'. In Anarchie oder auf der Müllhalde will keiner leben. Rituale oder Bekanntes sind auch Teil der Heimat. Eine fremde oder ständig wechselnde Umgebung erfordert zu viel Energie. Neues erkunden ist etwas Anderes, hat meist nichts mit Heimatsuche zu tun.
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