Münchner Mode Fesch uniformiert

München ist eine labelgläubige Bling-Bling-Stadt. Auf den Festen in der bayerischen Metropole funkelt es mehr als anderswo, wie unsere Bilderstrecke zeigt.

Mary Goldau

München wird ja gerne vorgeworfen, eine Bling-Bling-Stadt zu sein. Völlig zu Recht. Sie ist aber auch - und das ist ein unbekannter Fakt - eine Funktionsjacken-Stadt. Denn während es einerseits in der bayerischen Metropole auf den Festen und den Einkaufsstraßen mehr funkelt als anderswo, ist andererseits keine deutsche Metropole so naturverbunden.

Es gehört zum guten Ton, am Wochenende rauszufahren, und dazu wird nun mal die Funktionskleidung angezogen: im Winter zum Skifahren, im Sommer zum Radeln oder Wandern. Diese Outdoor-Aktivität führt nicht nur zu einer Outdoor-Gesichtsfarbe, sondern sie spiegelt sich auch in der Garderobe wider.

Die sportlichen Münchner tragen in den Bergen Hightech-Sportkleidung, moderne Wanderschuhe etwa sind eine Selbstverständlichkeit. Und wenn sie abends zurückkehren und auf ein Glas Wein ins Schumann’s wollen, ist das problemlos ohne Kleidungswechsel möglich. Dann mischen sich Oakley-Brillen-Träger unter die Gesellschaftsdamen in Dior und Celine, die gerade bei Cocktails die Eröffnung eines neuen Shops oder die Verleihung eines Kulturpreises gefeiert haben, und unter die leicht schnöseligen Möchtegern-Italiener im Doppelreiher und mit nackten Füßen in Loafers.

Ignoriert man einmal die souveränen Jungs aus der Musik- und Boxszene, ist München das wohl labelgläubigste Dorf Deutschlands. Nur selten begegnet man hier einem total coolen Mädchen, das sich ein altes Vintagekleid als Turban um den Kopf schlingt, so wie etwa in Berlin oder Paris. Im Süden Deutschlands ist individuelles Styling kein Zeichen für Style, das bestätigt auch Store-Besitzerin und Stillegende Marion Heinrich: "Die Münchner sind generell sehr konservativ. Viele wirken dadurch wie uniformiert."

Aus dem S-Magazin

Allerdings: Extremtrends wie breite Schultern oder Polka-Dots sieht man hier öfter als anderswo, weil, so Heinrich, bei den jungen Kunden "Branding" hoch im Kurs stehe –und deshalb trendsetzende Labels wie Balenciaga häufiger im Straßenbild auftauchen. Man kann es sich ja auch leisten. Auch großer Schmuck wirkt nicht peinlich, und die traditionsbewussten bayerischen Damen und Herren in Lodenmänteln komplettieren das Gesamtbild, das nur eine Maxime kennt: leben und leben lassen.



insgesamt 7 Beiträge
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catcargerry 12.11.2018
1. Nepp- und Abzocker-Metropole
Wenn "Mode und Stil den Weg in eine offenere Gesellschaft weisen" sollen, ist schon klar, dass das Pferd vom Schwanz her aufgezäumt werden soll und man die Leute über den Tisch zu sich holen will. So kennt man die Schicki-Mickis. In keiner Großstadt Deutschlands ist das Preis-Leistungs-Verhältnis so schräg wie in München. Und die Gesichter auf den Fotos unterhalten mit der passenden Schnöseligkeit. Ich bin sehr gern in Bayern und unter Bayern, aber München ist, was Wien für die bodenständigen Österreicher ist, nur nicht so authentisch.
hegoat 12.11.2018
2.
Ich erkenne bei den Klamotten jetzt keinen Unterschied, ob sie von "Marken-Labels" kommen oder von C&A. Und 99% der Deutschen würde es genauso gehen, wenn nicht in fetten Buchstaben irgendwo Gucci, Armani oder sonstwas prangen würde.
pek 12.11.2018
3. Ich hab mal ...
eine Fleece-Jacke bei Patagonia gekauft, vor vielen, vielen Jahren. Als ich dann zufällig in deren Laden in München war sah ich das sie einen Wettbewerb laufen hatten: Wer hat das älteste Teil von Patagonia? Da kam mir meine alte, blaue Fleece-Jacke in den Sinn. Ich brachte sie hin und hab leider nur den zweiten Preis gemacht, denn da gab es wirklich jemaden der ein älteres Teil abgegeben hatte. Das ist Jahre her. Ich hab die Jacke immer noch!
MatthiasPetersbach 13.11.2018
4.
ist es nicht völlig egal, was jemand anhat?
MatthiasPetersbach 13.11.2018
5.
Zitat von hegoatIch erkenne bei den Klamotten jetzt keinen Unterschied, ob sie von "Marken-Labels" kommen oder von C&A. Und 99% der Deutschen würde es genauso gehen, wenn nicht in fetten Buchstaben irgendwo Gucci, Armani oder sonstwas prangen würde.
ich komme ja auch ein wenig "casual" daher - aber kostenlose Reklame für Überschätzte würde ich doch nicht an meinem Kittel dulden. Ein bisschen Stolz hat man dann doch noch.
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