Neue Serie "Star-Snack" Grandmaster Fleisch

Was macht ein Promi, um sich vor der Vergänglichkeit des Showbusiness zu schützen? Ein Restaurant auf. Und was taugen die Promi-Theken? In Folge eins der neuen SPIEGEL-ONLINE-Serie "Star-Snack" geht es in den Fleischpalast von Samy Deluxe.

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Der Gastronom

Samy Deluxe, 37, eigentlich Samy Sorge, ist einer der wichtigsten Protagonisten der Hamburger HipHop-Szene. Ende der Neunzigerjahre lebte er im "Eimsbush Basement", einer zum Szenetreff mutierten Souterrain-Wohnung im Stadtteil Eimsbüttel. Damals ernährte er sich von Joints, Eistee und dem Pizzadienst, in der Küche stank es angeblich jahrelang nach gammligen Kartoffeln und Aftershave. Fünfzehn Jahre später hat der Rapper einen Edelgrill im Karoviertel eröffnet.

Hoffnungen versus Befürchtungen

Das Restaurant heißt Gefundenes Fressen - BBQ DLX. In der Hoffnung, dass man dem Laden seinen berühmten Besitzer ansieht, tippen wir auf einen Imbiss mit WG-Charme, an dessen Wänden Rap-Poster prangen. Vielleicht schwimmt Samy Deluxe aber auch mit der Gentrifizierungswelle der Gegend? Dann ertränke sein Laden in Mandelmilchschaum und im Bier, das man in Marmeladengläsern servierte.

Persönliche Note

An der Eingangstür bewirbt ein Poster das neue Album von Samy Deluxe und Afrob, das wirkt wie eine Art Botschaft des Wirts an seine Gäste: "Seht her, ich bin jetzt zwar Gastronom, hab es aber immer noch drauf!" Sonst erinnert auf den ersten Blick wenig an Herrn Sorges hauptberufliche Tätigkeit. Massive Holztische, zusammengewürfelte Stühle, dazu Blumen in Omavasen und Milchflaschen, Scheinwerfer im Retrostil und aufgestapelte Holzkisten. Stubenflair nennt es die Geschäftsführerin. Hipster-Gedöns sagen wahrscheinlich die alteingesessenen Bewohner des Viertels. Aber wer genau hinschaut, entdeckt dann doch ein paar persönliche Noten, die der Rapper seinem Restaurant verliehen hat: der Flickenteppich-Wandschmuck aus Albumcovern, die Tuba an der Decke - und die Speisekarte.

Essen & Trinken

Beim Dichten der Speisekarte hat Samy Deluxe es mit seinem Hang zu selbstgemachten Anglizismen ein wenig übertrieben: Er macht aus einer Hühnerbrust am Stiel den "Chick Poppa", aus dem Nachtisch wird "Aftermath" und den Wildkräutersalat serviert er im "Super Bowl". Tatsächlich außergewöhnlich sind die "Drive Bei-Lagen": Süßkartoffelstampf mit Bacon, Studentenfutterbulgur und hausgemachtes Maisbrot. Ein Clubsandwich kostet 11 Euro, den Hüftsteak-Spieß gibts für 15 Euro, Salat für 7 Euro.

Stolz des Hauses

"Für den großen Hunger: Alle Spieße auch als Speer."

Service

Ein Kellner in Shorts und Stoffsschuhen wählt neben einem breiten Lächeln das direkte Du und ist sehr aufmerksam. Gerne hält er seinen Gästen leidenschaftliche Kurzvorträge über die Bitternoten von Pale Ale.

Wie schmeckt's?

Eine mit Hack gefüllte und Bacon umhüllte Cherrytomate im Weckglas grüßt etwas überwürzt, aber freundlich aus der Küche. Der Remix-Spieß zum Hauptgang ist dann doch heftiger als angenommen: jeweils ein großes Stück Huhn, Schwein und Lamm zusammen an einem Stab, überhäuft mit in Öl ertränkten Paprika und Zuccini. Im "Eimsbush Basement" wäre die Portion sicher gut angekommen, für mittelgute Esser ist es wahrscheinlich ein bisschen zu viel von allem. Der glutenfreie Cheesecake passt nicht mehr rein. Allerdings: alles frisch und auf den Punkt zubereitet, heiß und sehr, sehr würzig.

Wer ist da?

Viele junge Männer, 30 und jünger, viele große Kappen, viele weiße Turnschuhe. Anders als im Rest des Viertels sind die Männerhosen hier nicht knalleng, sondern weit, wie damals in der neunten Klasse. Manchmal finden im Gefundenen Fressen Konzerte befreundeter Musiker statt, oder der Chef greift selbst zum Mikro. Dann sieht es im Laden ein bisschen so aus, wie es im Jugendzentrum Eimsbüttel um die Jahrtausendwende gewesen sein muss. Nur mit Smartphones.

Chancen für Autogrammjäger

Ein Mann in weißen Hosen, mit weißer Schirmmütze und Bauchtasche betritt den Laden, schreitet zur Theke und ruft: "Wo ist Samy?" Samy ist heute nicht da. Er geht wieder. Wer den Chef persönlich antreffen will, muss morgens durch die Marktstraße schlendern. Dann sitzt er manchmal da, auf einer zur Bank umgebauten Europalette und trinkt einen Hottie von seiner Speisekarte.

tl;dr

Das "Gefundene Fressen" ist trotz diverser Hipster-Auswüchse durchaus ein Ort für Leute, die sonst nicht oft in Restaurants essen gehen, weil sie lieber Pizza mögen oder Döner. Anglizismus-Allergiker bekommen hier wahrscheinlich einen anaphylaktischen Schock, Gentrifizierungsgegner ein schlechtes Gewissen. Alle anderen eine ordentliche Portion deftiges Essen.

Bewertung

7 von 10 Punkten



"Gefundenes Fressen", Marktstraße 130, 20357 Hamburg
Montag 18-22 Uhr, Dienstag-Freitag 11.30-15 Uhr, 18-22 Uhr, Samstag 13-22 Uhr.

Zur Autorin
  • Fabienne Hurst, Jahrgang 1987, ist freie Journalistin in Hamburg.



insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
schweinehaxxxen 21.07.2015
1. Das Restaurant interessiert mich nicht...
...aber es freut mich, dass der Samy was aus sich gemacht hat und wünsche ihm gutes Gelingen. Ist ein Held meiner frühen Jugend, sein 2001er Album kann ich immer noch auswendig mitrappen so oft hab ich das damals gehört. Grüße nach Hamburg!
twinhotplate 22.07.2015
2. Vom Fach ?
Ich finde nicht , dass es seriös ist , wenn man ohne gastronomische Ausbildung ( welche en detail durchaus komplex ist) Restaurant Kritiken schreibt.
toxic 22.07.2015
3.
---Zitat von SPON--- Viele junge Männer, 30 und jünger, viele große Kappen, viele weiße Turnschuhe. ---Zitatende--- Nichts wie weg...
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