Erschwingliche Designmöbel Schicker Wohnen fürs Volk

Gutes Design muss nicht teuer sein. Wer etwas Geduld hat und weiß, wonach er suchen muss, findet auch günstige Klassiker. Hier sind zehn Empfehlungen.

Pamono.de/ Design im Quadrat

Ein Stil-Klassiker von


Wer unbedingt einen Eames Chair haben möchte, ein Sideboard von Florence Knoll und ein Sofa von De Sede, der muss ernsthaft Geld in die Hand nehmen. Wer sich aber nicht nur für Markennamen, sondern auch für Schönheit interessiert und bereit ist, etwas Zeit in die Suche zu investieren, der kann mit alten Möbeln sogar Geld sparen - zumindest im Vergleich zur Neuanschaffung von Stücken vergleichbarer Qualität.

Wir haben für Sie zehn Designklassiker zusammengestellt, die es noch zum (relativ) kleinen Preis gibt.

Anrichte 602

Anrichte 602 von Franz Ehrlich
Deutsche Werkstätten Hellerau

Anrichte 602 von Franz Ehrlich

Noch vor zehn Jahren fand man die Möbel der VEB Deutsche Werkstätten Hellerau bisweilen auf dem Sperrmüll. Diese Zeiten sind längst vorbei. Die Möbelserie 602, deren Maße Franz Ehrlich 1956 auf die Neubauwohnungen der DDR zugeschnitten hatte, vereint die Formsprache des Bauhauses mit zarten Hinweisen auf das skandinavische Design der Zeit, sichtbar vor allem an den gebogenen Schichtholzgriffen. Die Ladenpreise für die Möbel von Franz Ehrlich ziehen an und liegen mittlerweile bei bis zu 800 Euro. Doch wer bei Ebay Kleinanzeigen sucht und keine Scheu hat, in ostdeutsche Kleinstädte zu reisen, zahlt nur ein Drittel davon.

Stapelstuhl "Swing"

Schwarzer Stapelstuhl "Swing" von Gerd Lange
Kinnarps

Schwarzer Stapelstuhl "Swing" von Gerd Lange

Die Siebziger waren bunt, Möbel häufig aus Fiberglas oder aus Kunststoff. Da die Produktionskosten niedrig waren und die Wirtschaft boomte, wurde in großen Mengen gefertigt. Deshalb sind die Preise für viele Möbel der Zeit noch heute niedrig. Der Stapelstuhl "Swing" wurde 1967 von Gerd Lange für Drabert gestaltet und ist in zahlreichen Farben und Varianten erhältlich. Besonders die weißen und schwarzen Modelle wirken auch heute aktuell. Die Preise liegen zwischen 30 Euro bei Ebay und 120 Euro im Laden.

Birch Series von Pastoe

Schminktisch aus der Birch Series
Pastoe

Schminktisch aus der Birch Series

Wenn man sich die Möbelstücke der Birch Series ansieht, hat man zunächst den Eindruck, sie würden schweben. Die dünnen Füße aus gebogenem Schichtholz verleihen ihnen den Eindruck von Schwerelosigkeit. Cees Braakman entwickelte die Serie in den frühen Fünfzigerjahren für den holländischen Möbelhersteller Pastoe. Die Einflüsse von Kollegen wie Alvar Aalto und Charles Eames sind unverkennbar. Leider sind die Preise bei Händlern oft so hoch, dass man erst einmal schlucken muss. Wer Geduld hat, wird jedoch belohnt: Bei Ebay findet man ein Regal mit etwas Glück für 150 Euro.

Klappstuhl "Plia"

Klappstuhl "Plia" von Giancarlo Piretti
Castelli

Klappstuhl "Plia" von Giancarlo Piretti

Als dieser Stuhl 1967 auf der Mailänder Möbelmesse vorgestellt wurde, war das Fachpublikum so begeistert, dass es zugriff, ohne zu bezahlen: Etliche Stühle sollen direkt am Messestand geklaut worden sein. Giancarlo Piretti gelang mit seinem Sitzmöbel nicht nur eine Innovation beim Klappmechanismus, sondern auch ein ästhetischer Paradigmenwechsel: Aus dem bis dahin unbeachteten Behelfsmöbel Klappstuhl machte er ein so innovatives wie attraktives Möbelstück. "Plia" wird noch immer hergestellt, neu kostet der Stuhl etwa 200 Euro. Bis heute wurden über vier Millionen Exemplare verkauft, sodass auch der Gebrauchtmarkt gut bestückt ist. Die Preise beginnen bei 60 Euro.

Geschirr "Rationell"

Mitropa-Geschirr aus Colditzer Porzellan
Günter Höhne, Industrieform-ddr.de/ VG Bild-Kunst Bonn

Mitropa-Geschirr aus Colditzer Porzellan

Der Name erinnert an Ikea. Das Gute: Die Preise tun es ebenfalls. Eine Kaffeetasse aus der Serie ist bei Ebay aktuell für drei Euro zu bekommen, ein Kännchen für sieben. Das sehr nüchtern gestaltete Stapelgeschirr aus Colditzer Porzellan wurde 1969 von Margarete Jahny und Erich Müller am Zentralinstitut für Gestaltung Berlin für die gastronomischen Betriebe der DDR entworfen - im Volksmund hieß es entsprechend Mitropa-Geschirr - und bis zur Wende hergestellt. Am bekanntesten sind wohl die gestreiften Modelle, es gibt aber auch eine Vielzahl anderer Dekors.

Wandregal Tomado

Wandregale aus der Pocket Series von Tomado
Pamono.de/ Cencity

Wandregale aus der Pocket Series von Tomado

Einfach schön: Die Tomado-Serie des Niederländers Adriaan Dekker. Die erstmals in den Fünfzigerjahren hergestellte Serie schmückt noch heute jede Wand. Verschiedene Farbkombinationen sorgen für Abwechslung: Die Regalblöden sind aus lackiertem Blech - und unter anderem in Orange, Rot, Grün und Hellblau erhältlich. Später stellte Tomado auch verschiedene Standregale her. Während diese heute sehr gefragt und entsprechend kostspielig sind, bekommt man die Wandregale bei Onlinehändlern schon ab 150 Euro.

Kaffeemaschine 20 Aromaster

Braun KF20 Aromaster
Braun Central Digital Archive

Braun KF20 Aromaster

Oft wird diese Kaffeemaschine Dieter Rams zugeschrieben - das ist ein Irrtum. Für ihre Gestaltung ist Florian Seiffert verantwortlich, der ab 1968 für Braun arbeitete. Die Formsprache ist der von Rams natürlich sehr ähnlich: Auch Seiffert entwirft schnörkellos, ruhige Farbflächen verbindet er mit wenigen schwarzen Akzenten. Am schönsten: Der Brühbehälter scheint über der Kanne zu schweben. Eine weiße Version der Maschine, die es auch in Grün, Rot und Orange gibt, wurde als Requisite im Film "Alien" verwendet. Sie passte hervorragend in das futuristische Setdesign des Science-Fiction-Films.

Beistelltisch "Luna"

Beistelltisch aus der "Luna"-Serie von Opal
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Beistelltisch aus der "Luna"-Serie von Opal

Wer die "Luna"-Serie für Opal-Möbelwerken entworfen hat, lässt sich heute leider nicht mehr nachvollziehen. Das Traditionsunternehmen stellte in den Fünfzigerjahren zunächst sehr ihrer Zeit verhaftete Kleinmöbel wie Barwagen und Beistelltische her. Interessanter sind die späteren Reihen: Ab den Sechzigerjahren fertigte Opal Möbel im Space-Age-Look: Tulpenfüße, keine Kanten, viel Rundungen. Die Tische und Schränkchen bestanden aus Kunststoff und lackiertem Sperrholz, bisweilen tragen sie schwere Rauchglasplatten. Ab 100 Euro ist man dabei.

Sessel "Siesta"

Sessel "Siesta" von Ingmar Relling
Spazio 900

Sessel "Siesta" von Ingmar Relling

Der "Siesta"-Sessel von Ingmar Relling aus dem Jahr 1965 ist eines der bedeutendsten Stücke norwegischen Möbeldesigns. Es war einer der größten Verkaufsschlager von Westnofa. Das Design ist simpel, aber schlüssig, die Verarbeitung so gut, dass auch über 50 Jahre alte Stücke höchstens neu bezogen werden müssen: Das Gestell ist kaum kaputt zu kriegen. Heute steht der "Siesta" unter anderem in der Neuen Sammlung in München, dem Victoria & Albert Museum in London oder der Designsammlung des Smithsonian Institute in New York. Ein echter Klassiker also. Wer ein wenig sucht, kommt mit etwa 150 Euro aus.

Stuhl SE 68

SE 68 Mehrzweckstuhl von Egon Eiermann
Wilde & Spieth Designmöbel

SE 68 Mehrzweckstuhl von Egon Eiermann

Wer streng ist, wird sagen: Billig ist der SE 68 schon lange nicht mehr. Und in der Tat: Die Zeiten, in denen man den Stuhl auf jedem besseren Flohmarkt fand, sind vorbei. Trotzdem stimmt bei dem 1951 entworfenen Stuhl das Verhältnis zwischen Preis und Leistung. Als erster deutscher Designer überhaupt formte Egon Eiermann Sitzschale und Rückenlehne so, dass sie den tatsächlichen Proportionen des menschlichen Körpers entsprachen. Die Gestaltung erinnert an Bauhausmöbel, aber auch die fünf Jahre zuvor entwickelten Schichtholz-Stühle aus dem Eames Office. Die Preise variieren stark und richten sich vor allem nach dem Zustand: Stühle mit starken Gebrauchsspuren sind bereits für 50 Euro zu haben. Wer ein restauriertes Stück beim Fachhändler kaufen möchte, zahlt mit knapp 200 Euro fast den Neupreis.



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