Chipsvielfalt am Silvesterabend Das kann man ratzfatz wegknabbern

Fondue, Karpfen oder Raclette? Am Silvesterabend geht Geselligkeit stets vor Kulinarik. So gesehen, könnte man auch einfach ein paar Knabbereien im Stehen knuspern. Lasst uns deshalb zum Jahreswechsel ein wenig mehr Chipsvielfalt wagen.

Peter Wagner/ Foodbild

Von Hobbykoch


Auch wenn wir uns für das nächste Jahr vorgenommen haben, häufiger als Erstes das Gute, Schöne und Wahre in den Dingen des Lebens sehen zu wollen, müssen wir heute gleich mal mit dem Haken an der Sache beginnen: So lecker, knusprig und das Küchen-Zeitbudget nur milde belastend unser aktueller Jahresend-Verköstigungsvorschlag auch sein mag - einen stets gefüllten Geldbeutel in 2019 garantiert er nicht.

Das nämlich klappt nur, wenn man vom Silvesterkarpfen eine Schuppe abzupft und sie ganzjährig im Münzfach aufhebt. Das sorgt - wenn man nur fest genug daran glaubt - für permanente Top-Bonität. Mit Linsensuppe soll das übrigens genauso gut funktionieren. Aber wer will ausgerechnet am letzten Tag das essen, wovor man sich die anderen 364 erfolgreich drücken konnte?

Dann schon lieber die Silvesterkochtipps der vergangenen Jahre aus unserer Hobbyküche noch mal durchforsten und für Familie oder den feierwütigen Freundeskreis ein halbes Dutzend Fingerfood-Variationen von miniaturisierten Lieblingsspeisen wie Roastbeef mit Bratkartoffeln, Spaghetti Carbonara, oder Fish & Chips auf die Degustationslöffel legen. Zu nah am Unterschichten-TV-Wettkochen "The Taste"? Gut, dann eben einen riesigen Haufen pikanter Party-Plätzchen backen, feinste Langostini in Noilly Prat Espuma stecken oder Miniwaffeln mit Lachs-, Caprese- und Flammkuchen-Konzentraten füllen.

Oder ganz einfach nur selbst gemachten Knabberkram anbieten? Dann hat man wenigstens neben dem Blubberwasserglas-Arm immer die zweite Hand frei. Langweile muss hierbei nicht aufkommen, dafür ist die bunte Knabernussmischung zu raffiniert gewürzt, und auch die hauchdünnen Chips mit Kräuterfüllung zu schön anzusehen.

Doch dieses Jahr wollen wir das Prinzip "Simplify your Hobbyküchen-Life" noch ein bisschen ernster nehmen und frittieren einfach nur noch Kartoffeln - die vor dem Fettbad freilich in für dieses Sujet eher ungewöhnliche Formen zugeschnitten werden. Auch bei der Würzung soll zur Abwechslung weniger mehr sein - nur ein bisschen pudrig gemörsertes Salz, allenfalls mit Aromaten wie Knoblauch-, Zwiebel- oder Paprikapulver gemischt.

Das kann man ratzfatz wegknabbern. Oder in die eine oder andere leckere Tunke tauchen. Und hierfür wollen wir nicht Lebensmittelchemie-Pampen aus Plastikflaschen quetschen, sondern die Dips einfach selbst machen. Das reicht in unserer Hobbyküche zum Beispiel vom simplen Basis-Ketchup über asiatisch angeschärfte Wasabi-Sake-Mayonnaise bis hin zur fast schon waffenscheinpflichtig pikanten Sriracha-Mayo.

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Fotostrecke: Ratzfatz wegknabbern

Nicht nur für Veganer interessant sind die weitgehend tierproduktfreien Tunken auf der Basis von Veggie-Mayonnaise (wahlweise mit Kuh- oder veganer Hafermilch realisierbar): mit Knoblauch und Olivenöl zur Aioli mediterranisiert, mit Früchten und Gewürzpulver als Mangocurry, mit Trockentomaten, Tabasco und Rohrzucker als Dried-Tomato-Dip, mit Avocado und Zitrone zur Guacamole - oder als klassische Honigsenfdillsauce, die mit ihrer Mischung aus Dijonsenf und körnigem Moutarde de Meaux gleich noch eine spannende Textur auf unsere Chips bringt.

Jenseits der Ernährungsdoktrinen werden einige Allesfresser aber feststellen, dass Mayo-Dips mit Eigelb als Emulgator oft besser schmecken als die veganen oder vegetarischen Alternativen. Rezeptiert zum wirklich nicht sonderlich komplizierten Selbermachen hatten wir dies in der Hobbyküche zum Beispiel, als wir Saucen zur Begleitung von Fleischfondue anrührten - ein an Silvesterabenden ebenfalls hochbeliebtes Verkostungsprinzip: Neben Grund-Mayonnaise und einer mithilfe von griechischem Joghurt etwas bekömmlicher gemachten Aioli finden sich hier eine für unsere heutigen Riesenchips besonders gut geeignete Remoulade, aber auch eine Apfel-Meerrettichsauce, ein Ingwer-Ziegenkäse-Dip, Saucen mit Mango, Kokos, Zitronengras und Curry oder mit schwarzen Bohnen und Pflaumen.

Ein guter Rutsch braucht schließlich die passende Schmiere.

88 Vorbereitungszeit: 15 Minuten (plus 30 Minuten Marinierzeit)
Zubereitungszeit: 20 Minuten
Schwierigkeitsgrad: sehr einfach

Zutaten

6 sehr große Kartoffeln, festkochend
2 Liter Pflanzenöl zum Frittieren
Feines Meersalz nach Belieben

Zubereitung

Chips
Kartoffeln schälen. Einen Teil davon mit Spiralschneider und/oder Julienneschneider in lange, dünne Streifen schneiden. Den Rest mit einem scharfen Sparschäler in möglichst lange Bänder. Getrennt voneinander in große Schüsseln mit stark gesalzenem Wasser 30 Min. einlegen. Abseihen und mit Küchenkrepp trocknen. Backofen auf 90 °C Umluft vorheizen und ein Backblech mit mehreren Lagen Krepp auslegen.

Öl in großem, breitem Topf (besser: Wok) auf 180 °C erhitzen. Temperatur z.B. mit Fleischthermometer prüfen. Kartoffeln portionsweise (nicht zu viel auf einmal) goldgelb frittieren und auf Krepp entfetten. Im Backofen aufbewahren.

Meersalz entweder pudrig mörsern oder im Blitzhacker pulverisieren. In Streuer mit Feinsiebauslass füllen (alternativ: in ein Feinsieb füllen).

Anrichten

Chips noch ofenwarm mit dem pudrigen Salz würzen und in Knabberschalen zum Selbernehmen anbieten. Nach Belieben zusammen mit diversen Dips servieren.

Getränketipp

Für die Silvesterparty haben wir uns tapfer durch eine mittelgroße Vorauswahl höchst unterschiedlicher Blubberwässer getrunken und können nun vier Schaumweine empfehlen, die selbst eingefleischten Champagnerpuristen eine Augenbraue nach oben ziehen lassen: In dem nicht gerade für edle Versektung bekannten Süditalien - in diesem Fall Brindisi - erzeugt das Weingut Tenute Rubino aus der autochthonen Rebsorte Susumaniello den hocheleganten Sumaré Rosé mit Noten von Granatäpfeln und roten Beerenfrüchten. Vergleichbar frisch, aber deutlich preiswerter ist der aus den Rebsorten Macabeo, Pansa Blanca und Parellada vinifizierte spanische Bio-Cava Parxet Cuvée 21 2014, während der altehrwürdige Ferrari Perlé Bianco Riserva 2006 aus dem norditalienischen Trentino in Sachen Perlage, Eleganz und raffinierter Weichheit (aber natürlich auch Flaschenpreis) mit jedem französischen Vintage-Champagner locker mithalten kann. Wenn es dann aber doch echter Schampus sein muss: Ohne gleich arm zu werden oder sich mit Discounter-Blubberern den Magen zu versäuern, bekommt man für weniger als 25 Euro die Flasche mit dem Drappier Carte D'or brut nicht nur ein amtliches Partygetränk, das mit seinem relativ hohen Pinot-Noir-Anteil die legendäre wundersame Gemütsbelebung schon zur Hälfte des ersten Glases ins Hirn zaubert. Drappier ist darüber hinaus der einzige Champagner, den Charles André Joseph Marie de Gaulle privat seinen Gästen ausschenkte. Bonne année, mon Général!



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dasfred 29.12.2018
1. Jetzt hat Wagner mich kalt erwischt
Nachdem mir gerade alles Süße zum Hals raushängt, hat das Foto von den Chips soeben den Jieper auf herzhaftes ausgelöst. Bevor es gleich in die Küche geht, schon mal überlegen, was ich noch schnell zu Dip verrühren kann. Auf jeden Fall zu Chips was tomatiges und zu Stroh Kartoffel was auf Joghurt Basis. Beides fettarm. So, ich hab jetzt zu tun.
RASCH 29.12.2018
2. Unfassbar
Was dieser hobbykoch einem zumutet, gehört unter Strafe gestellt...
hanuman1eins11!!! 30.12.2018
3. ...daneben...
„Unterschichten TV Wettkochen“ spricht Bände.
FrieFie 30.12.2018
4.
Das ist eine Frittieranleitung, kein Rezept. Als Start ins neue Jahr werden also nochmal alte Dip-Rezepte aufgewärmt, um dann teils als kulinarisch auch nicht das Gelbe vom Ei eingeordnet zu werden... nicht sehr inspirierend. Und überhaupt: Chips als Party-Snack? Kein Gast möchte sich einen Abend lang daran satt essen müssen. Scheinbar gibt es für Wagner als Alternative aber nur elend aufwändige Häppchen. Immer wieder finde ich schade, wie hier der Raum einer Kolumne zu einem wichtigen Alltagsthema in einem der meistgelesenen Online-Magazine an einen Autor vergeudet wird, dem offensichtlich nicht mehr viel neues einfällt (und wenn, dann zu oft Schnickschnack), anstatt verschiedene Köche zu Wort kommen zu lassen. Mir fehlt bei Wagner immer das Konzept: Mal müssen es die Spezialzutaten sein, die nur aus dem Internet zu bekommen sind, mal wird regionales und saisonales propagiert, mal Fleisch mit ein bisschen Tralllala, dann Vegan (und da oft einfallslos auf Ersatzprodukte fokussiert wie bei der veganen Majo, anstatt echte kulinarische Alternativen anzubieten), ... aber die hippe Vielfalt verliert sich in Halbherzigkeit und Widersprüchen. Warum wird diesmal Fondue als zu wenig "kulinarisch" schon in der Überschrift abgetan, das doch auch nichts anderes als frittieren (oder kurz in Brühe garen) ist, nur viel abwechslungsreicher als Chips - wenn man nicht nur hinstellt, was schon bei den Großeltern immer dazu serviert wurde. Mehrere Dips herstellen muss man für das eine wie für das andere, und frittierte Kartoffeln sind sicher nicht weniger fettig als frittiertes aus dem Fondue (wenn man den Gästen eine Extra-Serviette für das abtropfen lassen gönnt). Und von wegen langweilig: Dieses mal gibt es bei uns nicht nur Huhn, Rind und Schwein (unterschiedlich mariniert), sondern auch Lamm und Garnelen, verschiedene Gemüse, Kartoffel-, Fleisch- und Fischklößchen, Wantans, einen Topf mit Fett und einen mit Brühe, einen großen Salat mit vielen Kräutern, verschiedene Dips, ... und was den Gästen sonst einfällt mitzubringen. Heute Abend wird das meiste vorbereitet, so artet es auch mit 9 Personen um den Tisch nicht in Stress aus. Ich wünsche Herrn Wagner und allen Lesern eine fröhliche Sylvesternacht mit mindestens ebenso gutem Essen und viele Inspirationen im nächsten Jahr!
Papazaca 31.12.2018
5. Jetzt jeden Respekt verloren
Zitat von dasfredNachdem mir gerade alles Süße zum Hals raushängt, hat das Foto von den Chips soeben den Jieper auf herzhaftes ausgelöst. Bevor es gleich in die Küche geht, schon mal überlegen, was ich noch schnell zu Dip verrühren kann. Auf jeden Fall zu Chips was tomatiges und zu Stroh Kartoffel was auf Joghurt Basis. Beides fettarm. So, ich hab jetzt zu tun.
Nach dieser Ode an die Chips streich ich Dich aus meiner Liste. Chips, also ehrlich. (Beim Schreiben hätte ich echt Lust, welche zu kaufen, aber alles ist ja schon zu) . Dir und den ganzen Koch-Gladiatoren einen gute Rutsch. Ich werde mal etwas fasten, es gibt gute Gründe (lach), ich habe Helene Fischers Six-Pack gesehen.und Werde jetzt wie Sie nur noch Wasser essen und vom guten Essen träumen ....
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