Planetarium in Norwegen Raumkapsel

Umgeben von Fichten und fernab von Lichtverschmutzung plant Norwegen die größte astronomische Anlage des Landes. Wenn das Observatorium fertig ist, haben Besucher auch auf der Erde jede Menge zu gucken.

Snøhetta

Früher lauschten hier norwegische Militärs nach russischen Spionagesatelliten. Den Himmel beobachten wollen sie auch weiterhin in Harestua, 45 Kilometer nördlich von Oslo. Allerdings ist die Perspektive aus dem dichten Fichtenwald dann nicht mehr die aus dem Kalten Krieg. In Zukunft richtet sich der Blick nicht nach Osten, sondern nach oben. Das Planetarium soll den Blick öffnen auf unsere planetaren Nachbarn.

Wenn die Baupläne des norwegisch-US-amerikanischen Architekturbüros Snøhetta in Beton, Holz, Glas und Moos übersetzt worden sind, wird hier die größte astronomische Einrichtung des Landes stehen: In zwei Jahren soll die alte Sternwarte - aus der ab den Fünfzigern auch Satelliten nachgespürt wurde - um einen Neubau erweitert worden sein. 1500 Quadratmeter sind allein für das Planetarium mit der goldenen Kuppel vorgesehen.

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Planetarium in Harestua: Dem Sonnensystem nachempfunden

Das halb im Erdboden versenkte Gebäude ist inspiriert von einem der ersten Planetarien der Menschheit, erschaffen um 250 vor Christus von Archimedes. Mit seiner Sphäre konnte der griechische Mathematiker die Bewegungen der Sonne, des Mondes und der fünf damals bekannten Sterne zeigen. Dazu hatte er um einen Globus Metallarme gespannt.

Eingebettet werden soll der dreistöckige Snøhetta-Bau in einen mit Gras bewachsen Ring. Auch Heidekraut, Preisel- und Blaubeeren sollen darauf einmal sprießen. Kleine Körper auf einer Kreisbahn um einen großen Körper: Ihr Design haben sich die Architekten vom Bauplan unserer Galaxie abgeschaut.

Auf symbolischen Umlaufbahnen sind sieben Hütten angeordnet, sechs bis zehn Meter im Durchmesser, mit Platz für insgesamt 118 Besucher. Alle Unterkünfte sollen unterschiedlich aussehen. Manche werden aus Glas gebaut, andere komplett aus Holz. Gemeinsam haben sie nur die Aussichtsfenster in den Himmel.

"Die Menschen sollen unser Sonnensystem sehen, fühlen und verstehen können. Sie sollen sich nicht wie im Klassenzimmer vorkommen", schreibt Snøhetta in seiner Projektskizze. Die Besucherhütten seien aber keine Nachbildungen echter Planeten. Deshalb habe man den Unterkünften auch erfundene Namen gegeben.

Neben dem Sternentheater mit 100 Sitzplätzen soll es noch ein Besucherzentrum, eine Kinderbetreuungsstätte, ein Café und Ausstellungsräume geben. Über eine Rampe gelangen Hobbyastronomen und Forscher auf ein Zwischengeschoss und eine Dachterrasse. Hier können in Zukunft auch kleinere Teleskope aufgestellt werden.

Gute Aussichten für norwegische Himmelsgucker. Bis 2020 können sie allerdings nur die Bewegungen der Baumaschinen verfolgen. Denn so lange wird es mindestens dauern, bis das Planetarium eröffnet wird.

löw



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