Stromerzeugende Designermöbel So schön kann die Energiewende sein

Marjan van Aubel macht aus Solarzellen Möbel und Gebrauchsgegenstände. Im Interview erzählt die preisgekrönte Designerin, wie sie Solartechnologie in unsere Wohnungen bringen will.

Mark Cocksedge

Zur Person
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    Marjan van Aubel, 33, ist eine Industriedesignerin aus den Niederlanden, die sich auf Solartechnik spezialisiert hat. Ihre preisgekrönten Arbeiten sind unter anderem Teil der festen Kollektion des MoMa in New York und des Vitra Design Museums. 2017 erhielt van Aubel den Designer of the Future Award des österreichischen Kristallherstellers Swarovski, für den sie als jüngste Kollaborationspartnerin der Firmengeschichte eine futuristische Solar-Kristall-Lampe entworfen hat. Im September wird sie die Niederlande bei der London Design Biennale vertreten.

SPIEGEL ONLINE: Frau van Aubel, als Designerin integrieren Sie Solartechnologie in Alltagsgegenstände wie Tische und Tassen. Warum machen Sie das?

van Aubel: In einer Stunde erreicht die Erde so viel Sonnenlicht, dass damit unser Energiebedarf für ein komplettes Jahr abgedeckt sein könnte. Und wir denken bei Solar immer noch an diese blauen Dinger auf dem Hausdach. Was läuft da schief? Ich entwerfe Solar-Gegenstände, weil es sie einfach noch nicht gab. Wir müssen uns unabhängig von großen Unternehmen machen, die Solarzellen nur auf eine Art produzieren.

SPIEGEL ONLINE: Wie sollten sie denn produziert werden?

van Aubel: Kleiner zum Beispiel, es hat ja nicht jeder ein Hausdach, auf das eine große Solaranlage installiert werden kann. Außerdem kosten diese Anlagen viel Geld. Solarenergie sollte aber für alle Menschen zugänglich sein. Ich strebe die Solar-Demokratie an.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben zuletzt für Swarovski einige Kristall-Solarlampen entworfen. Die wurden unter anderem auf der Mailänder Designwoche gezeigt. Ein Preiszettel hing nicht dran. Stellen Sie sich so ein Produkt für die Massen vor?

van Aubel: Natürlich nicht. Es braucht aber viele Ressourcen, um irgendwann viele Menschen zu erreichen. Da komme ich über einen weltweit bekannten Partner eher hin. Einen solchen Kristallkronleuchter zu produzieren, wäre mir sonst nicht möglich gewesen. Ich hätte mir weder das Material noch ein Team von Ingenieuren leisten können.

SPIEGEL ONLINE: Was ist das Besondere an dieser Lampe?

van Aubel: Es sind drei Ringe aus Opalkristallen. Das ist ein neuartiger Kristall, der extra entwickelt wurde und nicht wie andere das Licht bricht. Er hebt es eher in seinem Inneren auf, leuchtet in sanften Blau- und Rottönen. Sie müssen sich das so vorstellen, als hätten Sie eine Glasschüssel voll Wasser und würden etwas Milch hinzugeben. Es ist dann nicht mehr komplett durchsichtig, sondern etwas diffus mit Lichtstreifen.

SPIEGEL ONLINE: Das klingt wie ein Wissenschaftsexperiment.

van Aubel: Stimmt! Es gibt so eins für Kinder, bei dem man mit Wasser in einem Glas erklärt, warum der Himmel blau ist. Je nachdem, ob man ein Licht von oben, der Seite oder untendrunter hält, sieht man, wie die Farbe sich von blau zu orange wandelt. Ich war fasziniert davon, dass dieser Kristall einen ähnlichen Effekt hat. Und dann dachte ich: Vielleicht kann ich den Himmel in die Wohnung bringen - und über Solarzellen speisen.

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Solarobjekte: Was fürs Auge und für die Umwelt

SPIEGEL ONLINE: Wann haben Sie zum ersten Mal mit Solarzellen gearbeitet?

van Aubel: Das ist schon eine Weil her. Als ich meinen Bachelor an der Gerrit Rietveld Academie in Amsterdam gemacht habe, habe ich ein Vogelhaus entworfen, das von einer kleinen Solaranlage gespeist wurde.

SPIEGEL ONLINE: Hatten die Vögel dann innen Licht?

van Aubel: Nein, aber mit der Energie wurde eine winzige Kamera im Innenraum betrieben und mit der konnte ich zusehen, wie die Vögel leben. Die Solarzellen waren in das Holz integriert und nahezu unsichtbar. Mein Master-Abschlussprojekt war dann schon ein Tisch, auf dem jede Tasse und jeder Teller ein Solarspeicher ist.

SPIEGEL ONLINE: Kann jedes Objekt ein Sonnenkollektor sein?

van Aubel: Im Prinzip ja. Die Frage ist natürlich, wie viel kann eine kleine Tasse laden und wozu soll das gut sein? Nach und nach wurden meine Objekte doch etwas größer. Ich habe auch bunte Solarfenster entwickelt, und aktuell arbeite ich an Gewächshäusern, in denen das Glas selbst eine durchsichtige Solaranlage ist.

SPIEGEL ONLINE: Was fasziniert sie an Solarenergie?

van Aubel: Diese Technologie ist doch der Wahnsinn. Sie verwandelt Sonnenlicht in Energie! Du musst überhaupt nichts machen! Das mag ich sehr.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie es schwer, andere von Ihren Ideen zu überzeugen?

van Aubel: Es war manchmal für mich selbst schwer, an mich und meinen Weg zu glauben. Vielleicht hört sich das komisch an, aber ich konnte ja niemandem folgen. Ich musste alles selbst erfinden. Und ich bin längst nicht da, wo ich gern wäre.

SPIEGEL ONLINE: Wo wären Sie denn gern?

van Aubel: Ich wünsche mir, dass jeder meine Produkte kaufen kann. Es dauert nur leider alles furchtbar lang. Ich habe eine kleine Firma gegründet und arbeite nun zum Beispiel mit größeren Möbelherstellern zusammen, um meinen Solartisch zu produzieren. Ich würde auch gern eine Firma finden, die meine Solargläser herstellen will. Da war ich zumindest in den Niederlanden leider noch nicht erfolgreich.

SPIEGEL ONLINE: Und wo würden Sie die Solartechnologie am liebsten sehen?

van Aubel: Es wäre toll, wenn in der Zukunft alle Oberflächen Energie für uns ernten würden. Noch ist Solartechnologie für uns vor allem gut für die Umwelt, aber sicher nicht zum schöner Wohnen. Wir kaufen sie eher aus Schuld als aus Freude. Solarzellen müssen so schön sein, dass wir sie wirklich haben wollen. Schöne Solarprodukte würden wir für uns kaufen und aus purem Wollen das Richtige tun.



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karlnapf10 28.08.2018
1. Die Opal-Lampen sehen super aus...
aber Solarzellen in Innenräumen sind Quatsch. Viel zu geringe Lichtstärke.
Jo-achten-van-Haag 28.08.2018
2. Toll
aber alles ein wenig kurz geraten. Wie bringe ich die Energie von der Untertasse in den Akku? Ich habe 2010 auf Wunsch unseres Kunden ein Solarmodul auf Dünnschichtbasis so gelasert das es zu 60% durchscheinend erschien. Also z. B. 1mm breite Zellen neben 1.2mm breiten dursichtigen Streifen. Auf einem Modul 1m x1.3m. Das Ganze produzierte noch 60% der ursprünglichen Energieausbeute, so ca. 80-90 W. Sah aus der Distanz aus wie eine bronze getönte Scheibe. Erst wenn man direkt davor stand konnte man die Zellen sehen. Eignete sich hervorragend als Fassadenverkleidung. Als Anschaungsobjekt hatte man das ganze Verwaltungsgebäude damit verkleidet. Nur, es ließ sich fast garnicht verkaufen. Den "blinden" Architekten sei es gedankt.
hbb258 28.08.2018
3. Designer halt
Das mag ja schön aussehen, aber das ist aus technischer und wirtschaftlicher Perspektive natürlich Quatsch. Sie haben viel zu wenig Lichteinfall in der Wohnung als dass sich das in irgendeiner Weise lohnen würde. Eine Solarzelle auf dem Dach holt die Energie die gebraucht wurde um sie herzustellen wieder rein. Und erst ab diesem Zeitpunkt lohnt es sich umwelttechnisch. Der Tisch hingegen holt die verbrauchte Energie nie wieder rein, zumal sie ja nichts einspeisen sondern nur eine Batterie laden - die irgendwann voll ist und auch keinen optimalen Wirkungsgrad hat. Eine typische Designer-Idee eben.
Andalusier 28.08.2018
4. fragwürdiger Designansatz
Gutes Design macht für mich unter anderm auch aus, dass der designte Gegenstand seinen Zweck erfüllt. Wenn die gute Frau einfach nur Möbelstücke entwerfen wollte, die etwas anders als andere Möbelstücke aussehen und sich dadurch zu erheblich überhöhten Preise an eine "schicke-Micki-Kundschaft" verkaufen lassen sollen, ist der Ansatz einer von vielen möglichen. Wenn sie allerdings den Zweck verfolgt Strom zu produzieren hat der Ansatz von vorne herein die Schulnote 6 verdient. Maximal ein paar Stunden im Internet recherchieren und maximal eine Stunde die Grundrechenarten einsetzen hätten ihr zeigen können was für einen ökologischer Unsinn sie da entwirft. Die von ihr eingesetzten Solarzellen werden nie auch nur ein Zehntel der zur Herstellung benötigten Energie produzieren. Der so produzierte Strom wird je nach Standort des Möbelstückes zwischen dem 10 und eventuell sogar über weit über 1000-fachen dessen kosten, was die Herstellung von Strom in einer Windkraftanlage oder einer im freien aufgestellten Solarzelle kostet. Meine Empfehlung: Um den Unsinn vollends komplett zu machen, könnte sie noch eine herkömmlich Glühbirne über den Tisch hängen, damit die Solarzelle ein paar Prozent mehr Strom abgibt.
karl-felix 28.08.2018
5. Na,ja
Zitat von karlnapf10aber Solarzellen in Innenräumen sind Quatsch. Viel zu geringe Lichtstärke.
aber als Fensterrollos oder Dachschindeln oder Autokarosserien kann ich mit die schon vorstellen . Wir stecken erst in den Kinderschuhen des Solarzeitalters, neulich las ich , dass es Strom erzeugende Wandfarben gibt . Ich bin mal gespannt , was die Forscher noch so alles finden und was zur industriellen Reife gelangt. Mein Nachbar hat jetzt eine Luft-Wärmepumpe installiert, der heizt sein Haus im Winter mit der Aussenluft . Das funktioniert , mein Schager mit Erdwärme - funktioniert . Fernseher, Kühlschrank ,Computer geben Wärme ab , kann man zur Raumheizung nutzen . Ich denke, die Zeit des Öls und der Kohle geht nun rascher zu Ende, als wir uns träumen lassen .
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