Outfits aus recyceltem Müll Kunststoff

Hauben aus Luftpolsterfolie, Röcke aus Schaumgummi: Die Fotografien von Suzanne Jongmans erinnern an Werke alter Meister. Alt sind auch ihre Materialien - die Kostüme sind aus Recyclingmaterial.

Suzanne Jongmans/ Courtesy Galerie Wilms

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In Gedanken versunken blickt eine junge Frau in die Ferne, sie strahlt eine große Ruhe aus. Das Bild erinnert an jahrhundertealte Porträts von Künstlern wie dem flämischen Maler Rogier van der Weyden. Doch schaut man genau hin, erkennt man: Das Motiv ist fotografiert, nicht gemalt. Und noch etwas ist anders. Der große Ring am Finger der Porträtierten zum Beispiel. Er besteht nicht aus Gold, sondern dem Deckel einer Blechdose, die Haube ist aus Verpackungsmaterial.

Die niederländische Bildhauerin, Kostümbildnerin und Fotografin Suzanne Jongmans interessiert das, was andere übersehen oder sogar wegwerfen: Aus Recyclingstoffen wie Luftpolsterfolien, Styropor, Filz, Schaumgummi stellt sie aufwendige Outfits her. "Ich mag, dass das verwendete Material bereits eine Geschichte erzählt und ich ihm eine neue Bedeutung geben kann", sagt sie.

Jongmans entwirft und näht alle Kleider, Hauben und Halsbänder selbst. Manchmal dauert es mehrere Wochen oder sogar Monate, um ein Stück herzustellen.

Nicht nur die Kleidung, auch die Posen, Gesichtsausdrücke und die Beleuchtung imitieren den Stil der Porträts aus der Renaissance oder des Barock. Diese Bezüge stellt Jongmans bewusst her, doch ein konkretes Kunstwerk kopiert sie selten.

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12  Bilder
Styropor, Plastik und Alu: Aus Müll wird Kleidung

Eine Ausnahme bildet Diego Velázquez' Gemälde "Las Meninas". Die darauf abgebildete Prinzessin Margarita diente als Vorlage für das Mädchen von Jongmans' Foto - doch auch hier veränderte die Künstlerin einige Komponenten. Sie gab dem Kind einen Apfel in die rechte Hand, mit der Linken hält die Porträtierte ihren Rock, im Gemälde legt sie diese ab; im Gegensatz zum Originalbild hat das Kleid des Mädchens keine bunte Verzierung auf der Brust.

Schon viele Jahre bewundert Jongmans das handwerkliche Geschick der alten Meister, schaut sich ihre Gemälde in Ausstellungen oder Bildbänden an. "Ich liebe es, wie das Licht auf dem Samt, der Seide und anderen Materialien reflektiert wird", sagt die Künstlerin.

Aber auch die Ruhe, die alte Gemälde verströmen, fasziniert sie. Diese Atmosphäre möchte sie auch in ihren Fotos herstellen. Dazu schießt sie beispielsweise Hunderte von Fotos von ihren Modellen. So viele, bis sie vergessen haben, dass sie nicht allein sind und einen in sich gekehrten Ausdruck annehmen.

Vor allem geht es Jongmans allerdings darum, den alten Materialien ein neues Leben einzuhauchen. "Die Verwendung des Restmaterials ist eine Reaktion auf unseren Massenkonsum." Die Kurzlebigkeit mancher Stoffe und Kleider stehen für sie im krassen Gegensatz zu einer Zeit, in der die Kleidung viel länger getragen wurde als nur eine einzige Saison.

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