Stilikone Theresa May Ziemlich wild für eine Konservative

Die künftige britische Premierministerin Theresa May ist bekannt für ihre Eleganz. Besonders ihre extravaganten Schuhe haben es der Boulevardpresse angetan - und könnten zu ihrem Markenzeichen werden.

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Kniehohe Lackstiefel, nietenbesetzte Slipper, bunte Ballerinas, Pumps mit Zebramuster: Theresa May liebt Schuhe. Soweit so normal. Doch weil die 59-Jährige seit sechs Jahren britische Innenministerin ist und nun Premierministerin wird, ist ihr Erscheinungsbild häufig Thema in der britischen Öffentlichkeit.

Zu ihren Modestatements gehören Kleider und Kostüme in, zumindest für Politiker, grellen Farben. Auch greift sie gerne zu großflächigen Mustern. Mays Geschmack ist so extravagant, dass ihr Äußeres bei Twitter und in der britischen Boulevardpresse gern diskutiert wird. Zuletzt war es ein rotes Kleid, das vielen Beobachtern zu freizügig war.

"It's not just the economy plunging into the red! Theresa May makes the most of it too, stealing the 2016 budget show with a dress which divides Twitter", schrieb die "Daily Mail". Der "Mirror" jauchzte in einem Video gar: "Ooh sugar!"

Man kennt das aus Deutschland, wo viele Kommentatoren erstaunt waren, dass Angela Merkel ein Dekolleté hat. Oder von den Franzosen, die während der Ära Sarkozy diskutierten, ob die UMP-Politikerin Rachida Dati zu sexy für das Justizministerium sei. Eine sinnlose Frage, die interessanterweise in dieser Form noch nie über einen männlichen Politiker gestellt wurde.

Die "Sun" druckte nach der Ankündigung, dass May Premierministerin wird, eine umstrittene Titelseite. "Heel, Boys", lautete die Schlagzeile über einem Paar hochhackige Schuhe mit Leopardenmuster, darunter eine Reihe führender Tory-Politiker. Das Wort "heel" bedeutet sowohl Absatz als auch "bei Fuß". Es war eine Anspielung auf Margaret Thatcher: So wie die Handtasche den Ruf der Eisernen Lady begründete, könnten bei May die hochhackigen Schuhe zum Machtsymbol werden.

Kleidung kann natürlich ein politisches Statement sein: Die Entscheidung, statt eines Rocks lieber eine Hose oder Turnschuhe zur Amtseinführung zu tragen, fällt nie im luftleeren Raum. Die Menschen, die so entscheiden, transportieren damit in der Regel eine Botschaft.

May bestreitet zwar, dass sie ihre Kleidung strategisch wählt. "Ich bin eine Frau, und ich liebe Kleidung und Schuhe", antwortete sie einmal, als sie bei der Konferenz "Women in the World" auf ein Kleid angesprochen wurde, das die Zeitungen zum "Power-Dress" stilisiert hatten.

Doch auch May überlegt sich genau, was sie wann trägt: Zu ihrer Amtseinführung 1997 erschien sie noch als Abziehbild Margaret Thatchers: blauer Rock, blaues Kostüm, weiße Bluse. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass Mays Rock über dem Knie endete. Undenkbar bei der Eisernen Lady. Erst später, als sie sich längst etabliert hatte, entfernte May sich modisch von ihrem großem Vorbild.

Durch ihre Kleidung bekommt Theresa May mediale Aufmerksamkeit. Etwas, das für Politiker überlebenswichtig ist. Ob May sich immer über diese Schlagzeilen freut, darf bezweifelt werden. Sie tragen garantiert nicht dazu bei, dass sie und ihre Arbeit ernster genommen werden.

Zumindest als hilfreichen Nebeneffekt ihres Modegeschmacks dürfte sie die Publicity aber in Kauf nehmen. Immerhin kann sie sich auf diesem Weg als cooler inszenieren als der Rest der Conservative Party. Eine Botschaft, die offensichtlich verfängt:

Im Rennen um das Amt des Premierministers hat May nun gesiegt. Am Mittwoch soll sie in die Fußstapfen David Camerons treten. Man darf gespannt sein, welche Schuhe sie wählt.



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