Bibliothek in Tianjin Das Lese-Raumschiff

Wenn diese Bibliothek die Lust am Lesen nicht weckt, was dann? 1,2 Millionen Bücher sind in dem Neubau im chinesischen Tianjin untergebracht - aber wie! Die Bilder.

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Das niederländische Architekturbüro MVRDV hat im Nordosten Chinas eine futuristische Bibliothek fertiggestellt. Das fünfstöckige Gebäude mit dem charakteristischen "Auge" steht in Binhai, ein Industrievorort der wichtigen Hafenstadt Tianjin. Neben den Architekten aus Rotterdam waren noch Stadtplaner der Regierung an dem Projekt beteiligt. Rund um die Bibliothek entsteht derzeit ein Areal mit verschiedenen Kultureinrichtungen.

Das Gebäude der Tianjin Binhai Bibliothek kann an der Vorder- und an der Rückseite betreten werden. Denn die Bildungsstätte soll auch die Schnittstelle zwischen einem Park und einem angrenzenden Stadtviertel sein. Durch die Eingänge in der Glasfassade mit der ellipsenförmigen Aussparung gelangen die Besucher direkt ins Atrium, in dessen Zentrum eine Kugel liegt. Ihre reflektierende Oberfläche vergrößert den Raum optisch und markiert zugleich das Auditorium, das sich im Innern der Kugel befindet.

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Bibliothek in Tianjin: Architektonische Perle für literarische Perlen

Der Designkörper im Zentrum bestimmt auch die Konturen der Bücherstellplätze. Sie schmiegen sich terrassenartig an die Wände. Die Enden der Regale durchbrechen die Glasfassade und bilden auf der Außenseite einen Sichtschutz. Im Lese- und Büchersaal dienen die tieferliegenden Regalböden gleichzeitig als Sitzflächen. Ab der Hälfte kragen die Bücherwände aus und wachsen schließlich stufenartig zur Decke zusammen. Oberhalb der Kugel öffnet sich das Gebäude zu einem Lichtschacht.

Die Nutzfläche des Gebäudes beträgt insgesamt 33.700 Quadratmeter. Die Bibliothek hat Platz für 1,2 Millionen Bücher. Über der eigentlichen Bibliothek liegen zusätzliche Leseräume und Arbeitsplätze. Unter dem Dach wurden Konferenzräume, Computerlabore und ein Audiobereich untergebracht. Die Baukosten wurden nicht veröffentlicht.

MVRDV ist bekannt für experimentelle Formgebung und gestapelte Architektur. Das von Winy Maas, Jacob van Rijs und Nathalie de Vries gegründete Unternehmen gehört zu den erfolgreichsten niederländischen Architekturbüros. In Tianjin hat es bereits eine Wohn- und Geschäftsanlage gebaut. Die drei Partner kennen sich seit Studienzeiten und haben 2000 gemeinsam den Pavillon der Niederlande für die Expo in Hannover entworfen.

löw

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Papazaca 09.11.2017
1. Warum denke ich an den Frankfurter Flughafen?
Diese Bibliothek ist von innen ein Weltwunder. Von außen ist es solide, moderne Architektur. Aber warum denke ich an den Frankfurter Flughafen? Da hätte Deutschland - wie mit der Elb-Philarmonie - zeigen können, das wir auch sehr gut bauen können. Für die Passagiere wäre dann der Abflug von Frankfurt ein Erlebnis. Stattdessen erinnert die Architektur vom Frankfurter Flughafen an eine Verwaltungsakademie 2. Klasse. Warum können die Chinesensehr gute hollänndische Architekten beauftragen und wir nicht? Warum ist eines der wichtigsten Gebäude Deutschlands so langweilig, das seine Einfallslosigkeit noch nichtmal thematisiert wird. Diese wunderbare Bibliothek - besonders von innen - sollte unsere Auftraggeber und Architekten inspirieren. Die Elf-Philo ist ein Beispiel. OK, ich hab vergessen, das sie mit 70 Mio. veranschlagt wurde und dann über 700 Mio. kostete.
Gottloser 09.11.2017
2.
Zitat von PapazacaDiese Bibliothek ist von innen ein Weltwunder. Von außen ist es solide, moderne Architektur. Aber warum denke ich an den Frankfurter Flughafen? Da hätte Deutschland - wie mit der Elb-Philarmonie - zeigen können, das wir auch sehr gut bauen können. Für die Passagiere wäre dann der Abflug von Frankfurt ein Erlebnis. Stattdessen erinnert die Architektur vom Frankfurter Flughafen an eine Verwaltungsakademie 2. Klasse. Warum können die Chinesensehr gute hollänndische Architekten beauftragen und wir nicht? Warum ist eines der wichtigsten Gebäude Deutschlands so langweilig, das seine Einfallslosigkeit noch nichtmal thematisiert wird. Diese wunderbare Bibliothek - besonders von innen - sollte unsere Auftraggeber und Architekten inspirieren. Die Elf-Philo ist ein Beispiel. OK, ich hab vergessen, das sie mit 70 Mio. veranschlagt wurde und dann über 700 Mio. kostete.
Wir beauftragen sehr gute südkoreanische Architekten, um gute Bibliotheken zu bauen. Guckst Du hier: https://www.google.de/search?q=stadtbibliothek+stuttgart&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwjzl8ay1bHXAhXQFewKHYjNBCkQ7AkIWg&biw=1423&bih=910
vetris_molaud 09.11.2017
3.
Das wichtigste an einer Bücherei sind die Bücher. Es geht um Aktualität, breites Themenspektrum, Vielfalt und zügiges Abfertigen an der Ausleihtheke. Solange es nicht in die Bibliothek regnet, man im Sommer nicht gebraten wird und man im Winter nicht frieren muss, sind architektonische Fragen gegenstandslos.
Papazaca 09.11.2017
4. Sie blinzeln aber nach Tianjin
Zitat von vetris_molaudDas wichtigste an einer Bücherei sind die Bücher. Es geht um Aktualität, breites Themenspektrum, Vielfalt und zügiges Abfertigen an der Ausleihtheke. Solange es nicht in die Bibliothek regnet, man im Sommer nicht gebraten wird und man im Winter nicht frieren muss, sind architektonische Fragen gegenstandslos.
Wenn Sie so konsequent sachlich sind - erinnert mich das an das berühmte Zimmer mit Bett, Stil, Schrank, Tisch - warum lesen Sie dann einen Artikel über das absolute Gegenteil ihrer Vorstellungen? Und gehen dann noch ins Forum? Mal ein Problem mit einem Architekten gehabt? War nur Spass. Aber Ihnen ist trotzdem klar, das viele Menschen lieber in eine Bibliothek wie der in Tianjin gehen als in einen sachlichen Allerweltsbau. Wenn Menschen was Außergewöhnliches sehen, haben sie eher das Gefühl, das auch ihr Leben außergewöhnlich ist. Aber ich bin bei Ihnen. Ich würde auch am liebsten in einer Tonne leben, habe aber leider noch nicht die richtige gefunden.
imo27 09.11.2017
5. Respekt
Respekt. Die Chinesen können nicht nur große Flughäfen pünktlich bauen, sondern auch beeindruckende Bibliotheken. Pisa 2016 hat gezeigt, dass die Asiaten die Europäer in der Bildung deutlich abgehängt haben. Dazu passt dieser Bau als Symbol.
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