Uhrenmesse Baselworld 2015 Zeitreise mit Zeiteisen 

Zurück in die Zukunft: Auf der weltweit größten Uhrenmesse Baselworld stoßen in diesem Jahr Vintage- und Retro-Uhren auf ein besonderes Interesse - vor allem Klassiker mit einer ganz eigenen Geschichte.

Theodossios Theodoridis

Die Anfänge liegen fast hundert Jahre zurück: Seit 1917 hat die Messe mehrmals ihren Namen geändert und sich zunehmend international ausgerichtet. Im Jahr 2013 gab die Baselworld ihre erste Pressekonferenz in chinesischer Sprache - für 500 Journalisten. Das allein zeigt, wohin sich die Branche bewegt: Der asiatische Raum hat enorm an Bedeutung gewonnen.

Eine weitere Veränderung: Ähnlich wie in der Modewelt sind es vor allem Blogger, denen es heute gelingt, dem Normalbürger ein Luxusprodukt wie die mechanische Uhr wieder näherzubringen. Fach- und Wirtschaftsjournalisten haben junge Konkurrenz bekommen. Das haben Schweizer Uhrenhersteller ebenso verstanden wie internationale Modekonzerne, die Mode-Blogger zu Events einladen.

Und so wurde eine der ersten großen Baselworld-Neuheiten aus dem Hause Rolex, noch vor Messebeginn, auf englischsprachigen Uhren-Blogs und in sozialen Netzwerken angekündigt. Und die Rolex-Tochtermarke Tudor hat nicht nur neue Modelle auf einem Event vorgestellt, sondern diese erstmals mit einem hauseigenen Uhrwerk ausgestattet. Die Aufregung bei Uhrenfanatikern ist groß, schließlich hat Platzhirsch Rolex bislang ausschließlich seine Hauptmarke mit Manufakturwerken ausstattet. Die Tochter Tudor bekam bisher nur eingekaufte Standardwerke.

Die erste Uhr auf dem Mond

Kurzum: Bei Tudor bekommt man seit diesem Jahr zwei Modelle namens North Flag und Pelagos mit einem Chronometer-Werk in Rolex-Qualität. Und das für vergleichsweise wenig Geld - ab circa 3000 und 4000 Euro. Rolex-Einstiegspreise für vergleichbare Modelle liegen sehr viel höher.

Ein cleverer Schachzug, denn so gelingt es Rolex nicht nur, die vermeintlich günstig gehaltene Nebenmarke erfolgreich weiterzuführen, sondern die Firma erfreut vor allem das wachsende Publikum der Fans von Vintage- und Retro-Uhren.

Ein weiterer Platzhirsch in Basel ist die zur Swatch-Group gehörende Marke Omega. Dem Unternehmen gelingt es wie kaum einem anderen, vergangene Uhrenmodelle auf der Baselworld zu vermarkten. Omega hat unzählige Geschichten zu erzählen. Die Marke profitiert von Product Placements in James-Bond-Filmen und Werbeträgern wie George Clooney. Vor allem aber von der Moonwatch, der von der Nasa ausgewählten Omega Speedmaster, die 1969 am Arm von Buzz Aldrin als erste Uhr auf dem Mond war.

Zwar hatte Neil Armstrong ebenfalls eine von der Nasa erhalten, ließ sie jedoch aus Sicherheitsgründen in der Mondkapsel zurück, weil die Borduhr ausgefallen war. Omega lässt es sich nicht nehmen, diesen Klassiker nahezu jedes Jahr auf der Baselworld in neuen Varianten zu präsentieren. Zum Beispiel in Form eines Re-Designs der ersten Speedmaster. Das gab es bereits im Jahr 2013, dieses Jahr hat sie dennoch ein weiteres Facelift in Richtung Vergangenheit erhalten. Die Neuauflage der Ur-Speedmaster soll um die 7000 Euro kosten.

Die Story zur Uhr

Houston, wir haben Snoopy. Der berühmte Satz lautet natürlich anders. Aber auf jene dramatische Situation der Apollo-13-Mission bezieht sich das limitierte Jubiläumsmodell Speedmaster Moonwatch Silver Snoopy Award. Der Snoopy-Award ist tatsächlich eine Auszeichnung der NASA, die Personen und Unternehmen für außergewöhnliche Leistungen erhalten.

Die Story zur Uhr: Eine Omega Speedmaster war an Bord der Apollo 13 der einzige noch funktionierende Zeitmesser und ermöglichte den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Laut Hersteller war das Jubiläumsmodell bereits während der Messe ausverkauft. Die Auflage liegt in Erinnerung an das Jahr 1970 bei 1970 Stück, der Preis bei ungefähr 5700 Euro.

Neben großen Uhrenherstellern wie Rolex, Omega, Patek Philippe und Tag Heuer gibt es noch eine Parallelwelt auf der Baselworld. Wer sich Zeit nimmt, findet hier interessante Uhren und Geschichten. Es sind jene Uhrenmarken, die man auf kleinen Ständen und auf den drei Etagen der Halle 2 findet.

Noch mehr Underground: Einige Uhrenhersteller verzichten aus Kostengründen ganz auf einen Messestand, sind aber dennoch in Basel anzutreffen. Sie mieten Räume in naheliegenden Hotels und empfangen dort Geschäftspartner, Journalisten und Blogger.

Stowa, Sinn und Squale

Nennenswerte Uhrenmarken aus Halle 2 sind deutsche Unternehmen wie Stowa, Sinn Spezialuhren, Meistersinger, aber auch die italienische Traditionsmarke für Taucheruhren Squale. Uhrenblogs und Foren schenkten Squale Aufmerksamkeit und hauchten der Marke wieder Leben ein. Bis in die Achtzigerjahre standen der Name und das Haifisch-Logo für professionelle Taucheruhren, die selbst namhafte Uhrenhersteller zu schätzen wussten. Sie verwendeten die Gehäuse oder ließen sich komplette Uhren von Squale liefern - prägten jedoch ihr eigenes Logo auf das Zifferblatt.

Dann verschwand die Marke und tauchte erst 2010 wieder auf. Uhrenfans hatten entdeckt, dass der ehemalige Vertrieb Uhren aus Altbeständen verkaufte. Ein gefundenes Fressen für Vintage-Liebhaber, die Squale-Uhren bis dahin nur gebraucht auf Ebay und auf Uhrenbörsen finden konnten. Sie kauften die vergleichsweise günstigen "New Old Stock"-Uhren und präsentierten sie stolz in Foren.

Seitdem steigen die Verkaufszahlen, das Unternehmen ist wieder in der Schweiz angesiedelt. Entsprechend findet sich bei den aktuellen Modellen der Schriftzug "Swiss Made" auf dem Zifferblatt wieder. Und dass Squale noch immer ein Underdog ist, erkennt man an den Preisen: Sie beginnen bei rund 750 Euro.

Das sind Einstiegspreise, die man auf der Baselworld bei kaum einem Uhrenhersteller mit ähnlicher Tradition in Halle 1 findet. Aber das ist ja auch ein anderes Revier - das der Platzhirsche und schönen Töchter.

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