Seltene Rebsorten Geheimtipps aus Südeuropa

Es gibt Rebsorten und Weine, die einem nie angeboten werden. Einfach, weil es sie nicht an jeder Ecke gibt. Es lohnt aber, nach ihnen zu suchen. Drei Vorschläge für neue Weinerlebnisse.

Rotweintrinker
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Rotweintrinker

Von Gerald Franz


Bei Weinen aus dem eigenen Land bewegt sich der Deutsche gerne im System der Rebsorten: Einen Weißburgunder auf der Terrasse, einen Grauburgunder zum Essen, einen Dornfelder vor dem Fernseher. Möglichst alles sortenrein. Das Wort Verschnitt löst bei vielen Unbehagen aus, als sei das Verschneiden von Rebsorten Weinpanscherei übelster Sorte.

Bei ausländischen Weinen spielen die Rebsorten seltsamerweise dann plötzlich keine Rolle mehr. Vielmehr orientiert man sich an den Namen bekannter Ursprungsgebiete. Doch woraus wird der Lugana, der momentan in Mode ist, eigentlich gekeltert? Oder der Soave, der vorher mal in aller Munde war? Es muss einen natürlich nicht interessieren, dass der Soave aus der Rebsorte Garganega gekeltert und gern auch mit Trebbiano di Soave verschnitten wird, der wiederum die Grundlage für den Lugana bildet. Allerdings entgehen einem so fantastisch schmeckende Rebsorten.

Elegante Weißweine aus dem tiefen Süden

Der Greco ist so eine Rebsorte. Dieser Weißwein gedeiht nicht im gemäßigteren Norden des italienischen Stiefels, sondern den heißen Regionen Basilikata, Kalabrien und Kampanien im Mezzogiorno. Faszinierend ist, wie diese Traube sich trotz der hohen Temperaturen ihre Frische bewahrt. Die Weine gehen nicht in die Breite, sondern punkten mit sehr unterschiedlichen Aromen. Der hohe Phenolgehalt in den Traubenschalen, der die Beeren vor intensiver UV-Strahlung schützt, verleiht dem Wein außerdem eine leicht cremige Textur.

Besonders empfehlenswert sind die Grecos von den etwas höher gelegenen vulkanischen Böden am Vesuv. Dort trägt die kleine Ursprungsbezeichnung Greco di Tufo die antike und wahrscheinlich aus Griechenland stammende Rebsorte sogar im Namen. Der Einstiegs-Greco vom Weingut Feudi di San Gregorio gefällt mit praller Sternfrucht, Apfelsine, junger Ananas, aber auch Kräuternoten - und kommt dabei fast ohne Restzucker aus. Villa Raiano keltert einen Einstiegs-Greco mit sehr viel Frucht, floralen Noten und etwas Würze sowie den aufwändiger gemachten Contrada Marotta, einen herberen Weißwein mit erdiger Nase, kühler Stilistik und tiefer Aromatik.

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Auch in Portugal gibt es seriöse und hierzulande nahezu unbekannte Weißweine. Die Rebsorte Encruzado aus dem Anbaugebiet Dão spielt hierbei eine besondere Rolle. Nördlich des einsamen Gebirges Serra da Estrela gelegen, stand die Gegend lange im Schatten des nahe gelegenen Douro-Gebiets, aus dem etwa die Trauben für den Portwein stammen. Mittlerweile baut aber auch ein Douro-Vorzeigewinzer wie Dirk van der Niepoort Reben im Dão an.

Der Trend zu mehr Frische im Wein macht Anbaugebiete mit dem entsprechenden Klima wieder attraktiver, was neben den Roten natürlich erst recht für Weißweine gilt. Der Encruzado genießt im Dão sehr warme Sommer, doch recht früh werden die Tage auch wieder kühler. Perfekt, damit die Traube feinere Aromen ausbildet und die frische Säure nicht verliert.

Quinta do Mondego keltert mit dem Munda einen Encruzado, der Würze, Schmelz und herbe Apfelnoten aufweist und sich wunderbar als Essensbegleiter eignet. Für ein paar Euro mehr gibt es von Quinta dos Roques einen Encruzado, der am Gaumen mit Aromen heller gelber Früchte und einer ebenfalls herb-mineralischen Seite punktet, gleichzeitig aber über guten Trinkfluss verfügt. Diese Weine zeigen ein anderes Gesicht des Weinlands Portugal, da sie sehr ausgewogen und elegant daherkommen und nicht durch ausgeprägte Spritzigkeit oder Opulenz auffallen.

Unbekannte spanische Rebsorte

Wer einmal eine rote Rebsorte aus Spanien probieren möchte, die selbst vielen Kennern unbekannt ist, sollte Prieto Picudo kosten. Wie beim Encruzado steht auch bei dieser Traube die überschaubare Anbaufläche einer groß angelegten Vermarktung entgegen. Dementsprechend unbekannt ist sie dann auch hierzulande, bei Wikipedia gibt es nicht einmal einen eigenen Eintrag. Zu Unrecht.

Das Weingut Pardevalles im Anbaugebiet Tierra de León hat drei gute Rote aus Prieto Picudo im Programm. Der kleinste davon ist bereits überzeugend: Saftige Frucht, vor allem Sauerkirsche, strukturierendes, aber nicht zu hervortretendes Tannin zeichnen den Wein aus. Außerdem eine angenehme Frische, die man bei spanischen Rotweinen häufig vermisst. Die beiden größeren Brüder tendieren mehr zu harzigen, teilweise fleischigen Aromen, was unter anderem von dem längeren Holzfassausbau herrührt. Obwohl als Landwein klassifiziert, ist der Prieto Picudo Tridente vom Weingut Tritón teurer als die Weine von Pardevalles. Er punktet mit Pfeffer- und Wacholderwürze sowie balsamischen Aromen, verfügt aber auch über Kirsch- und Beerennoten.

Allen gemein ist, dass Weinliebhaber sie unbedingt einmal probieren sollten.



Wein ist immer verflochten mit Menschen und ihren Geschichten. Einige davon zu erzählen, hat sich der Autor zur Aufgabe gemacht. Nachzulesen auf seinem Blog "Weinsprech".

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insgesamt 22 Beiträge
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ambulans 11.08.2018
1. aha,
der autor war wohl also auf einer von diesen, von mehreren weingütern/-regionen gesponsorten - remember: gesponsorten(!) wein-touren. denn: sonst würde er z.b. nicht über einige wenige rebsorten - und, vor allem cuvees ( er möchte es hier, zweifellos verächtlich, als "verschnitt" brandmarken - s. etwa "soave") herziehen. und, wenn er dann auch noch "wüsste", dass es z.b. auch noch rebsorten wie etwa den "grecchetto" gibt (na - wo, woher??) gibt - nun, dann müsste er eigentlich nach dem motto "si tacuisses ..." ziemlich laut ... schweigen ...
tomymind 12.08.2018
2.
Wow, Geheimtipps aus Italien, Spanien und Portugal. Haha. Wie wäre es denn mal mit dem Großvater des Zinfandel?
Mähtnix 12.08.2018
3.
Das einzig Sinnige hat der Autor schon am Anfang verbraten: Dass viele "Weinkenner" den Cuvée meiden. Sollen sie tun. Ich trinke den Wein, der mir schmeckt. Und wenn es ein Cuvée ist: Sehr gerne. Was genau soll falsch sein, Trauben so zu mixen, dass ein großartiger Wein daraus wird? Oder anders herum: Was habe ich davon, dass der Wein sortenrein ist?
Papazaca 13.08.2018
4. Schlicht und einfach: Ich werde die Weine probieren
Nicht einfach, bei SPON über Wein zu schreiben. Da kann einem Promotion, Banalität oder was auch immer vorgeworfen werden. Na gut, ist Teil vom Spiel. Für mich ist die Sache einfach: Ich freue mich über die Anregungen und werde mal versuchen, diese Weine zu probieren. Die Fragen, die sich stellen: Finde ich die Weine, wie teuer und wie schmecken sie? Danach weiß ich mehr.
Papazaca 13.08.2018
5. Interessante Empfehlungen und die Wirklichkeit
Ich habe also versucht, die Weine zu kaufen. Auch bei meinem Weinhändler. Der hat ein sehr große Auswahl. NIX. Und im Internet kann ich nicht jeweils eine Flasche bestellen. Und eine ganze Kiste bestelle ich nicht, wenn ich den Wein nicht kenne. Statt dessen habe ich etwas anderes von Dirk van Nieport gekauft, einen einfachen Tinto und vom Vesuv einen Vendemmia 2010. Immerhin ein Vulkanwein, was immer das heißt. Und da die Ausbeute bescheiden war auch ein Riesling von Philipp Kuhn. Und als Empfehlung einen Roten von Meyer-Näkel von der Nahe, soll einer der besten Rotweine sein, "US DE LA MENG". Und so wurde aus einer Weinempfehlung der Zufallsgenerator. Vielleicht ist das ja der Weg zum wahren Glück!
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