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151 Jahre alte Weinflasche entkorkt: Schwefelig im Abgang

Trübe, graue Flüssigkeit: Sommeliers probierten tatsächlich Zur Großansicht
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Trübe, graue Flüssigkeit: Sommeliers probierten tatsächlich

Bis Sommeliers nach Worten ringen, muss einiges geschehen: Doch für den Inhalt einer edlen Flasche, die nach 151 Jahren in einem Schiffswrack auf einer Weinmesse dekantiert wurde, zogen die gängigen Vokabeln nicht.

Charleston - Blumig? Lebendig? Rauchig im Abgang? Für den Geschmack eines guten Tropfens Wein findet der Sommelier viele Vokabeln. Für die jüngst geöffnete Flasche bei einer Degustation beim "From Deep Below" fielen die Worte leicht verständlich aus: ein berauschendes Schwefel-Bukett mit einer klaren Note von Salzwasser und Benzin. Lecker.

Kaum zu glauben, dass überhaupt ein Feinschmecker einen Schluck von der gräulich-trüben Flüssigkeit zu sich nahm. Doch die Neugier muss überwogen haben: Schließlich stammte der Wein aus einer Flasche, die vor vier Jahren in einem Schiffswrack gefunden wurde. Ein Wrack, dass 1864 zu Zeiten des Bürgerkriegs vor der Bermuda-Küste gesunken war.

Bei dem Wein- und Lebensmittelfestival in Charleston, South Carolina, wurde das alte Schätzchen nun also entkorkt. Einer der Weinkenner ordnete der trüben Suppe nach dem Geschmackstest auch eine Nuance Krabbenwasser und Essig zu, mit Hinweisen auf Zitrone und Alkohol. Besser wird es dadurch nicht.

"Ich habe bereits Weine aus Schiffswracks gekostet", sagte Chef-Sommelier Paul Roberts. "Sie können großartig sein."

Nicht sachgemäß gelagert

Tatsächlich können so manche Weine noch viele Jahre später genießbar sein. "Bei Wein gibt es kein Mindesthaltbarkeitsdatum", sagte Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut kürzlich. Der Zucker und der Alkohol dienten der Konservierung. Die Flaschen sollten aber kühl und dunkel gelagert werden, weiß der Profi.

Meeresarchäologen hatten die Flaschen an Bord der "Mary-Celestia" entdeckt Zur Großansicht
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Meeresarchäologen hatten die Flaschen an Bord der "Mary-Celestia" entdeckt

Nun, die Lagerung am Meeresgrund erfüllte die Kriterien "kühl" und "dunkel" zwar, aber das allein reicht wohl nicht. Immerhin: Auch nach 151 Jahren im Salzwasser wies das Gemisch noch Alkohol auf, analysierte Wein-Chemiker Pierre Louis Teissedre von der Universität in Bordeaux.

Meeresarchäologen hatten die Flaschen an Bord des Dampfers "Mary-Celestia" entdeckt, der unter mysteriösen Umständen während des Bürgerkriegs in den USA gesunken war. Das Schiff sei mit Vorräten für die Konföderierten Staaten beladen gewesen, hatte aber auch Parfüm, Frauenschuhe und Haarbürsten an Bord. Dann sei es auf ein Riff gelaufen und innerhalb von sechs Minuten gesunken, sagte der Kulturanthropologe Philippe Tourja.

vek/Reuters

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insgesamt 43 Beiträge
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1. Degustation? Degoutant!
broukweedat 07.03.2015
Wer die Brühe probiert, ist doch nur auf den formalen Extremwert aus, ein Genuss ist da nicht zu erwarten. Da kann man auch Dinosaurier-Sch*** essen.
2. Billardkugel
opi73 07.03.2015
Ich las einmal eine witzige Beschreibung für einen prämierten Whisky: Er hatte das Runde und die Festigkeit einer Billardkugel. Ich persönlich halte es einfacher mit 3 Wertungen: 1. Bäh 2. Nett, für Zwischendurch 3. Dieses Getränk biete ich Freunden an Wertung 4 ist geheim (hmmm, trinke ich allein).
3.
gympanse 07.03.2015
Hauptsache es knallt
4.
the great sparky 07.03.2015
Zitat von broukweedatWer die Brühe probiert, ist doch nur auf den formalen Extremwert aus, ein Genuss ist da nicht zu erwarten. Da kann man auch Dinosaurier-Sch*** essen.
an der wird man sich wohl die zähne ausbeißen
5. Fußpflege ?
El pato clavado 07.03.2015
soweit ich weiss,wurden vor 151 Jahren die Trauben ausgepresst indem man mit nackten Füssen in den Bottichen herumstampfte. Nun ja ,Schweissfüsse eben
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