Yves-Saint-Laurent-Museum in Marokko Hommage an die Farbe

In Marrakesch hat Yves Saint Laurent Farbe und Licht entdeckt. Nirgends war er kreativer als hier. Wie stark die "rote Stadt" den Designer prägte, zeigt nun ein Museum, das dem Modeschöpfer gewidmet ist.

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Von 1966 bis zu seinem Tod 2008 war Marrakesch eine Ersatzheimat für Yves Saint Laurent. Die "rote Stadt" im Südwesten Marokkos war für ihn der ideale Rückzugsort vom hektischen Modegeschäft. In seinen Marrakesch-Tagebüchern, ein Konvolut aus 360 Blättern voller Notizen und Aktzeichnungen, beschrieb der Modemacher seine Zeit dort als überaus glücklich. "Schwebend zwischen Himmel und Erde treiben wir zum Klang von Debussy auf einem Pianola", notierte er 1970.

In einem Interview mit "Paris Match" sagte er über Land und Leute, die ihn so sehr an seine Kindheit in der algerischen Stadt Oran erinnerten: "Auch wenn ich an die Farben und das Licht Nordafrikas gewöhnt war, habe ich erst später, als ich Marokko kennenlernte, erkannt, dass meine Farbigkeit die der Dschellaba und des Kaftans ist. Den Wagemut, den ich seitdem an den Tag lege, verdanke ich der Schamlosigkeit der Mischungen und dem Feuer der Erfindungskraft dieses Landes." Nirgends war Yves Saint Laurent kreativer als hier.

Das neue Yves-Saint-Laurent-Museum in Marrakesch ist deshalb nicht nur dem Werk des 2008 verstorbenen Modeschöpfers gewidmet, sondern auch Marokko und der islamischen Kunst. Die kleinen grünen Kacheln im Eingang erinnern an die Fliesen in den viereckigen Minaretten der Stadt. Ein Teil der Mauern schimmert rosa, wie die Granitberge des Ourika-Tals, die rund eine Stunde von Marrakesch entfernt liegen.

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Der 15-Millionen-Euro-Bau liegt in der Straße, die den Namen des Designers trägt, und neben dem Jardin Majorelle. Den Garten hatte Saint Laurent gemeinsam mit seinem Lebensgefährten und Geschäftspartner Pierre Bergé 1980 gekauft und vor dem Verfall gerettet. Hier feierten sie mit dem internationalen Jet Set. Der Designer erlebte hier aber auch schwere Abstürze, trank zeitweise täglich zwei Flaschen Whisky und nahm jede Droge. Nach dem Tod des Modeschöpfers ließ Bergé dessen Asche in einem privaten Teil des Gartens verstreuen.

Heute zieht dieser Ort jährlich bis zu 800.000 Besucher an. Ein Spaziergang durch den Garten führt vorbei an rund 300 Pflanzengattungen in allen Grün-Blau-Kontrasten. "Ich träume oft von diesen Farben", sagte Yves Saint Laurent einst über seine kreative Oase.

Das Werk Yves Saint Laurents verdanke Marokko viel, schrieb Pierre Bergé im Vorwort des Museumsführers. Deshalb sei es ganz normal, dass in Marrakesch ein solches Museum entstehe. Das Museum und eines in Paris, gingen auf seine Initiative zurück.

Der Geschäftsmann, der zusammen mit Yves Saint Laurent 1961 das berühmte gleichnamige Modehaus gründete, konnte die Eröffnung des Musée Yves Saint Laurent Marrakech, kurz "mYSLm", selbst nicht mehr miterleben. Bergé starb am 8. September im Alter von 86 Jahren.

Marrakesch brachte neue Farben in das Werk des Designers

Mit dem 4000 Quadratmeter großen Bau hatte die Fondation Pierre Bergé-Yves Saint Laurent das "Studio Ko" der Architekten Olivier Marty und Karl Fournier beauftragt. Sie arbeiten regelmäßig in Marokko - und sind derselben Leidenschaft verfallen wie einst Yves Saint Laurent. Denn auch ihre Architektur spielt mit Farbe und Licht.

Je nach Tageszeit erleuchtet die Fassade aus Granit und Ziegelstein in Rosa und Rot, in Blau und Gelb erstrahlt der Eingangsbereich, in dem streifenartige Lichtbrunnen die Sonnenstrahlen einfangen. Sie sorgen für herrliche Effekte - ähnlich wie die bunten Stickereien auf den Traumkreationen von Yves Saint Laurent, deren Vorbilder er in Marrakesch "an jeder Straßenecke" sah: "Männer und Frauen in rosa, blauen, grünen und violetten Kaftanen".

In der Dauerausstellung werden rund 100 Kreationen gezeigt. Unter anderem die schwarzen Ensembles, die Saint Laurent in den ersten Jahren seiner Karriere entworfen hat, darunter sein Damen-Smoking, mit dem er die Konventionen auf den Kopf stellte.

Vor allem aber werden Kleider präsentiert, die zeigen sollen, wie das Leben in der marokkanischen Millionenstadt den Designer inspirierte: Goldlamé-Blusen, Haremshosen, Djellabas mit Goldborte. Roben in Gelb, Rot, Blau, Pink, Fuchsia, Orange - alle nach Yves Saint Laurents erstem Aufenthalt 1966 in Marrakesch entstanden. Das Farben-Defilee wird mit seinem berühmten Seiden-Cape eröffnet, auf dem lilafarbene Bougainvillea-Blüten ranken, so wie im benachbarten Jardin Majorelle - wo viele der Exponate ihren Ursprung haben.

löw / dpa



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