Zu Hause bei Designerin Sarah Böttger Drinnen oder draußen? Beides!

Auf der Couch sitzen und sich doch ein bisschen wie unter freiem Himmel fühlen? Das geht - zumindest bei Designerin Sarah Böttger. Wir haben sie in ihrer Wohnung in Wiesbaden besucht.

STUDIO OINK / Korzeczek & Hiller

Von und Matthias Hiller (Fotos)


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SPIEGEL ONLINE: Wie würden Sie Ihren Wohnstil beschreiben?

Sarah Böttger: Eine gute Mischung aus Altem und Neuem. Ich kann mir nicht vorstellen, in einer Wohnung zu leben, durch die sich ganz konsequent nur ein bestimmter Einrichtungsstil zieht. Ich mag Kontraste. Außerdem zeichnet sich meine Wohnung dadurch aus, dass man im Grunde immer ins Grüne guckt. Ich lebe gleichzeitig drinnen und draußen. Das Sofa ist extra zum Garten hin ausgerichtet. Was vor dem Fenster passiert, ist mir genauso wichtig wie das, was sich drinnen abspielt.

Zur Person
  • STUDIO OINK / Korzeczek & Hiller
    Sarah Böttger, Jahrgang 1980, machte eine Ausbildung zur Tischlerin, bevor sie Industriedesign an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main und der University of Art and Design in Helsinki studierte. 2011 gründete sie ihr eigenes Studio in Wiesbaden. Ein Jahr später wurde sie für den German Design Award in der Kategorie Newcomer nominiert, 2014 für den Förderpreis vom Museum für Kunst und Gewerbe.

SPIEGEL ONLINE: Welches ist Ihr liebstes Einrichtungsstück?

Böttger: Das wechselt immer mal. Im Moment ist es meine blaue Gartengarnitur. Die habe ich mit einer Farbe gestrichen, die ich auf einer kleinen Insel in Frankreich gefunden habe . Ich mag auch die Mayday-Leuchte von Konstantin Grcic, davon habe ich einige Exemplare, die ich täglich benutze , außerdem liebe ich das neue Bild meines Bruders, das im Flur über dem Fahrrad hängt.

SPIEGEL ONLINE: Wie viele Ihrer eigenen Stücke stehen in der Wohnung?

Böttger: Ich hole meine Produkte irgendwann aus dem Studio zu mir - um zu sehen, wie sie im Alltag funktionieren. Momentan habe ich einige Entwürfe von mir hier, zum Beispiel die Haken in der Küche, die runden Aufbewahrungsboxen neben dem Plattenspieler und seit neustem den Teppich im Wohnzimmer . Über den freue ich mich gerade ganz besonders.

SPIEGEL ONLINE: Mit welchem Produkt kam der Durchbruch?

Böttger: Generell glaube ich nicht, dass es dieses eine Durchbruchsprodukt gibt. Um sich zu etablieren, muss man kontinuierlich gute Arbeit abliefern. Was für mich einen Anfang bedeutet hat, war die Glasserie Juuri . Zu der Zeit war alles neu, und daher war das ein besonders spannendes Projekt für mich.

SPIEGEL ONLINE: Erinnerungsstücke horten - dafür oder dagegen?

Böttger: Es gibt ein paar Dinge, die begleiten mich schon fast mein ganzes Leben, wie zum Beispiel die Gitarre meines Vaters im Wohnzimmer. Von diesen besonderen Stücken brauche ich aber nicht viele um mich herum. Mir ist es wichtig, dass die Wohnung auch Raum für Neues lässt.

SPIEGEL ONLINE: Was gefällt Ihnen gar nicht in Ihrer Wohnung - und warum steht es trotzdem noch da?

Böttger: Einige Teile in der Küche gefallen mir gar nicht mehr. Deshalb schmeiße ich aber nicht plötzlich alles weg, was ich nicht unbedingt aufheben will. Das soll eher in einem längeren Prozess ablaufen.

SPIEGEL ONLINE: Woran darf man auf einem Flohmarkt auf keinen Fall vorbeilaufen?

Böttger: Es kommt darauf an, was man gerade sucht, man findet dort alles und nichts. Stühle kann man beispielsweise auf Flohmärkten unheimlich gut bekommen, wenn man bereit ist, auch ein bisschen an ihnen zu arbeiten.

SPIEGEL ONLINE: Welche Tricks gibt es sonst noch für schmale Budgets?

Böttger: Man sollte immer wieder schöne Dinge von Reisen mitbringen. Das ist dann gleich etwas Besonderes, weil man Erinnerungen damit verbindet. Außerdem gibt es in anderen Ländern und Kulturen Stücke, die man hier nicht finden kann. Spannend ist es auch, im Ausland auf den Flohmarkt oder Basare zu gehen.

SPIEGEL ONLINE: Ikea - ja oder nein?

Böttger: Klar haben wir alle irgendwas von Ikea. Ich mag es aber nicht, wenn die Wohnung nur aus Ikea-Einrichtung besteht und nichts Persönliches mehr da ist.

SPIEGEL ONLINE: Und was geht gar nicht?

Böttger: Eine Wohnung, die so voll mit Dingen ist, dass das Auge gar nicht weiß, wohin es zuerst gucken soll - das wäre nichts für mich. Das ist aber auch eine persönliche Sache.




insgesamt 16 Beiträge
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kobmicha 21.10.2014
1. Muß man die kennen?
Ich habe noch nie von dieser Frau auch das geringste gesehen oder gehört! Interessiere mich aber für Architektur. Kann es sein das hier für eine Freundin oä, eines Reporters, geworben wird. Ist ja immerhin ein Eintrag in der VITA der Dame das sie im SPIEGEL schon mal erwähnt wurde.
bbär 21.10.2014
2. Ich weiß, ich bin eine Design-Null
Abgesehen von der hübschen Aufteilung der Wohnung sehe ich jetzt nichts, was irgendwie anders ist als bei anderen, die ein Händchen für gutes Einrichten haben. erscheint mir ein wenig wie Ikea mit ein paar älteren Möbeln gepaart.
rosenvater 21.10.2014
3. Schon richtig
Zitat von bbärAbgesehen von der hübschen Aufteilung der Wohnung sehe ich jetzt nichts, was irgendwie anders ist als bei anderen, die ein Händchen für gutes Einrichten haben. erscheint mir ein wenig wie Ikea mit ein paar älteren Möbeln gepaart.
Das ist schon richtig, aber über uns wird im Spiegel seit Jahren kein Wort verloren....
Moonshine42 21.10.2014
4. toll...
Unser Sofa ist auch zum Garten hin ausgerichtet, außerdem haben wir sogar einen Wintergarten, da kann man drinnen sitzen und den Himmel sehen... werde ich jetzt auch interviewt? ;)
praesidente 21.10.2014
5. Realistisch
Ich hätte gerne ein paar ehrliche Bilder aus dem Lebensalltag gesehen, damit man beruhigt sein kann, dass auch andere mit dem Choas kämpfen. Vor allen Dingen, wenn man Kinder hat, ist es vorbei mit Katalogästhetik :-) Das Haus mit der Terasse finde ich gut. Jedoch ist die Einrichtung eher gewöhnlich und ansprechend.
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