Das Volk der Kurden umfasst Schätzungen zufolge bis zu 45 Millionen Menschen, von denen rund 20 Millionen in der Türkei leben. Zudem haben sich auf dem Gebiet der Staaten Iran, Irak und Syrien Kurden niedergelassen. Im Irak ist ihr ölreiches Gebiet im Norden des Landes weitgehend autonom
(siehe Karte...). Einen eigenen politischen Staat Kurdistan hatten sie nie.
Vor allem die Türkei unterdrückte die Kurden auf ihrem Staatsgebiet: Mehrere Aufstände wurden niedergeschlagen, Sprache, Musik, Literatur und sogar die kurdische Nationalkleidung wurden verboten. Aber auch Iran, Irak und Syrien versuchten, den Kurden ihre kulturelle Identität zu nehmen.
Die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) gründete sich in den siebziger Jahren im kurdischen Teil der Türkei. Ihr Ziel war es, mit Waffengewalt einen eigenen kurdischen Staat zu schaffen. Vor allem in den achtziger und neunziger Jahren eskalierte die Gewalt - und wurde von der Organisation auch ins Ausland getragen.
Die PKK ist in der Türkei verboten, ebenso in Deutschland. Die EU und die USA betrachten die PKK als terroristische Organisation. Seit dem Beginn des Konflikts zwischen der PKK und dem türkischen Staat im Jahr 1984 wurden rund 45.000 Menschen getötet. Die Organisation soll auf dem Höhepunkt ihrer Macht weit mehr als 10000 Kämpfer und hunderttausende aktive Sympathisanten umfasst haben.
1998 wurde PKK-Führer Abdullah Öcalan (Foto) festgenommen und später zu lebenslanger Haft verurteilt. 1999 hatte er den bewaffneten Kampf der Gruppe für beendet erklärt. Zwar rief die PKK danach mehrmals einen Waffenstillstand aus, dieser wurde aber nie vollständig eingehalten. 2010 hat sie ihre Angriffe in der Türkei wieder merklich verstärkt.
Die nordirakische Kurdenregion ist seit Anfang der 90er Jahre weitgehend autonom. Nach dem Golfkrieg 1991 schufen die Alliierten dort eine von den USA und Großbritannien geschützte Flugverbotszone, was noch unter Diktator Saddam Hussein zur Autonomie führte. Für Spannungen sorgt der Status des ölreichen Gebiets Kirkuk. Die gleichnamige Stadt liegt zwar knapp außerhalb der autonomen Region, wird aber von den Kurden als historische Hauptstadt beansprucht. In ihr leben jedoch auch Araber und Turkmenen.
Die türkische Regierung schätzt, dass sich im Nordirak rund 2000 PKK-Rebellen verschanzt haben. 2008 führten türkische Truppen eine Woche lang eine Bodenoffensive gegen Kämpfer durch. Im Juni 2010 waren türkische Soldaten im Kampf gegen die PKK ebenfalls in den Nordirak vorgestoßen.