In eigener Sache
Wie ist der SPIEGEL vorgegangen?
Mit einem Team von 50 Redakteuren und Dokumentaren haben SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE das überbordende Material gesichtet, analysiert und überprüft. Fast immer hat das Magazin darauf verzichtet, die Informanten der Amerikaner kenntlich zu machen, es sei denn, allein die Person des Zuträgers stellt eine politische Nachricht an sich dar.
In einigen Fällen trug die US-Regierung Bedenken vor, manche Einwände hat der SPIEGEL akzeptiert, andere nicht. In jedem Fall galt es, das Interesse der Öffentlichkeit abzuwägen gegenüber berechtigten Geheimhaltungs- und Sicherheitsinteressen der Staaten. Das hat der SPIEGEL getan.
Anhand der Depeschen ist es nun möglich, politische Entwicklungen rund um die Welt in den Worten der beteiligten Akteure zu dokumentieren und dadurch die Welt besser zu verstehen. Das ist Grund genug, in manchen Fällen staatliche Geheimhaltungsvorschriften zugunsten größerer Transparenz hintanzustellen.
Redaktion und Recherche: Dieter Bednarz, Ulrike Demmer, Rüdiger Falksohn, Erich Follath, Friederike Freiburg, Jan Friedmann, John Goetz, Clemens Hoeges, Frank Hornig, Hans Hoyng, Uwe Klußmann, Horand Knaup, Susanne Koelbl, Andreas Lorenz, Cordula Meyer, Juliane von Mittelstaedt, Yassin Musharbash, Ralf Neukirch, Stefan Plöchinger, Maximilian Popp, Mathieu von Rohr, Marcel Rosenbach, Gregor Peter Schmitz, Holger Stark, Gerald Traufetter, Andreas Ulrich, Bernhard Zand
Dokumentation: Jörg-Hinrich Ahrens, Viola Broecker, Almut Cieschinger, Johannes Eltzschig, Cordelia Freiwald, Anne-Sophie Fröhlich, Silke Geister, Bertolt Hunger, Ralf Krause, Walter Lehmann-Wiesner, Rainer Lübbert, Tobias Mulot, Malte Nohrn, Thorsten Oltmer, Claudia Stodte, Stefan Storz, Rainer Szimm, Eckart Teichert, Nina Ulrich, Karl-Henning Windelbandt
Grafische Umsetzung: Frank Kalinowski, Christopher Kurt, Michael Niestedt, Hanz Sayami
Videos: Jens Radü, Yasemin Yüksel
Das sagt die US-Regierung
SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Stellungnahme der US-Regierung in Washington zur Veröffentlichung geheimer Diplomaten-Depeschen im Wortlaut - klicken Sie auf die Überschrift!
Wir erwarten die Veröffentlichung von angeblich mehreren hunderttausend geheimen Depeschen des Außenministeriums am Sonntagabend, in denen detailliert vertrauliche diplomatische Unterredungen mit anderen Regierungen thematisiert werden.
Es liegt in der Natur der Sache, dass Lageberichte für Washington sehr offen formuliert sind und oft unvollständige Informationen enthalten. Die Berichte repräsentieren weder die US-Politik als solche, noch haben sie zwangsläufig Einfluss auf politische Entscheidungen. Dennoch könnten diese Depeschen vertrauliche Verhandlungen mit anderen Regierungen und Oppositionsführern beeinträchtigen. Und wenn der Inhalt solcher vertraulicher Unterredungen auf den Titelseiten der Zeitungen auf der ganzen Welt erscheint, könnte das nicht nur Interessen der US-Außenpolitik schwer beschädigen, sondern auch diejenigen unserer Verbündeten und Freunde.
Um es ganz klar zu sagen: Solche Enthüllungen gefährden unsere Diplomaten, Geheimdienstmitarbeiter und Menschen auf der ganzen Welt, die sich hilfesuchend an die USA wenden mit ihrem Anliegen, Demokratie und transparente Politik zu erreichen. Diese Dokumente könnten auch die Namen von Personen enthalten, die oftmals in Ländern leben und arbeiten, in denen Unterdrückungsregime an der Macht sind, und die versuchen, offene und freie Gesellschaften zu schaffen. Präsident Obama unterstützt verantwortliches, verlässliches und offenes Regierungshandeln daheim und überall auf der Welt, aber diese unverantwortliche und gefährliche Aktion läuft dem zuwider.
Mit der Veröffentlichung gestohlener und geheimer Dokumente hat WikiLeaks nicht nur die Sache der Menschenrechte in Gefahr gebracht, sondern auch das Leben und die Arbeit derer, die sich ihr verschrieben haben. Wir verurteilen die Enthüllung der geheimen Dokumente und sensibler Informationen der nationalen Sicherheit aufs Schärfste.