Der Fall Semenya
Unmittelbar vor dem WM-Finale über 800 Meter wird bekannt, dass der Leichtathletik-Weltverband IAAF ein Geschlechtstest für Caster Semenya angeordnet hat. Wegen ihrer männlichen Erscheinung waren Zweifel an ihrem Geschlecht aufgetreten. Die damals 18-jährige Südafrikanerin gewinnt den WM-Titel in 1:55,45 Minuten.
Die IAAF teilt mit, dass das Ergebnis des Geschlechts-Tests nicht schnell vorliegen wird. Zugleich betont die IAAF, dass mit der Anordnung des Tests der Athletin kein bewusstes Fehlverhalten vorgeworfen wird. In Afrika protestieren Parteien und Politiker gegen das Vorgehen der IAAF.
Südafrikas Frauenministerin Noluthando Mayende-Sibiya versichert bei der Rückkehr Semenyas in die Heimat die Solidarität des ganzen Landes. "Caster, wir stehen hinter Dir! Nieder mit der IAAF!"
Laut einem Bericht der australischen Zeitung "Daily Telegraph" ist Semenya ein Zwitter. Die IAAF bestätigt dies nicht. Südafrikas Sportminister Makhenkesi Stofile reagiert empört auf den Bericht. Jeder Versuch, Semenya von Wettkämpfen auszuschließen, würde zum "dritten Weltkrieg" führen, droht er.
Im Fall Semenya gerät auch der nationale Leichtathletik-Verband (Asa) in die Kritik. Wie die Zeitung "The Times"» berichtet, soll die Asa bei ihr schon am 7. August in Pretoria einen Geschlechtstest veranlasst haben. Dabei soll die Athletin nicht über den Zweck der Untersuchung aufgeklärt worden sein.
Die Asa bestätigt, bereits vor der WM einen Geschlechtstest bei Semenya vorgenommen zu haben. Außerdem räumt der Verband ein, Empfehlungen seiner eigenen Mediziner ignoriert zu haben, die spätere 800-Meter-Weltmeisterin in Berlin nicht starten zu lassen. Asa-Präsident Leonard Chuene entschuldigt sich dafür, den Test öffentlich bis dato dementiert zu haben.
Asa-Präsident Chuene wird wegen seiner umstrittenen Rolle im Fall Semenya suspendiert.
Das südafrikanische Sportministerium teilt mit, Semenya dürfe sowohl den WM-Titel als auch die Prämie von 60.000 Dollar behalten. Die IAAF bestätigt das nicht.
Semenya-Trainer Michael Seme behauptet, die 800-Meter-Weltmeisterin kann wieder bei internationalen Leichtathletik-Wettkämpfen starten. Die Sportlerin sei nie von der IAAF suspendiert worden.
Südafrikas Nationales Olympisches Komitee (SASCOC) erteilt Semenya ein sofortiges Startverbot für alle Wettkämpfe. Sie darf so lange nicht im In- oder Ausland laufen, bis die IAAF ihre Untersuchung über die Geschlechtszugehörigkeit der Athletin abgeschlossen hat.
Semenya kündigt ihr Comeback für den 24. Juni beim internationalen Meeting im spanischen Saragossa an. Damit akzeptiert sie auch, das Ergebnis des Geschlechtstests abzuwarten.
IAAF-Präsident Lamine Diack kündigte am Rande des Diamond-Legue-Meetings in Doha an, dass der Fall Semenya bis Ende Juni gelöst werden soll.
Die IAAF teilt mit, dass Semenya ab sofort wieder uneingeschränkt an internationalen Wettkämpfen teilnehmen darf.
Semenya gibt ihr Comeback im finnischen Lappeenranta. Über 800 Meter läuft sie nach 2:04,22 Minuten als Erste ins Ziel. Für die 19-Jährige war es der erste Wettkampf seit elf Monaten.
Quelle: dpa