Chronologie: Fall Mirco
Am Abend wird der zehnjährige Mirco zuletzt an einer Bushaltestelle in der Nähe einer Skateranlage in Grefrath gesehen. Mit seinem Fahrrad wollte er sich auf den Weg nach Hause machen - kommt dort aber nicht an. Eine großangelegte Suchaktion mit mehreren Hundertschaften der Polizei beginnt.
Mittlerweile fahnden rund tausend Polizisten nach dem vermissten Jungen. Dabei durchsuchen sie ein rund 30 Quadratkilometer großes Gelände nördlich von Grefrath.
Die Stadt Grefrath gedenkt des vermissten Mirco mit einem Gottesdienst. Mehrere hundert Menschen kommen in die St.-Laurentius-Kirche, um für den Jungen zu beten.
Die Polizei gibt bekannt, dass die Hose von Mirco gefunden wurde. Eine Frau hatte sie bereits Tage zuvor auf einem Parkplatz zwischen Grefrath und Hinsbeck neben einem Mülleimer entdeckt und mitgenommen.
Die Staatsanwaltschaft Krefeld setzt 5000 Euro Belohnung für Hinweise aus, die zur Aufklärung der Tat und zur Ergreifung des Täters führen.
Die Fahnder erhalten Unterstützung von der Bundeswehr. Der Einsatz von zwei Tornados mit Wärmebildkameras bringt die Ermittler jedoch nicht weiter.
Die Polizei schaltet ganzseitige Anzeigen in Gratiszeitungen, die an rund 100.000 Haushalte in der Region verteilt werden. Zudem wird an dem Parkplatz, an dem Mircos Kleidung gefunden wurde, ein Schaukasten aufgehängt mit dem Aufruf an Zeugen, sich zu melden. Die 80-köpfige Sonderkommission ist weiter mit Zeugenvernehmungen und dem Abgleich von Aussagen beschäftigt.
Mircos Eltern wenden sich im Fernsehen an den Täter. Die Mutter sagt, sie mache sich Gedanken, ob Mirco friere, hungrig sei, Schmerzen habe und nach ihr rufe. "Gib uns bitte unser Kind zurück oder sage, wo wir Mirco finden können."
Die Soko "Mirco" verfolgt eine vielversprechende Spur. Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich beim Fahrzeug des Täters um einen VW Passat-Kombi handelt. Die bundesweite Überprüfung von solchen Autos aus den Baujahren 2005 bis 2010 beginnt. Allein im Umkreis von Grefrath sind dies mehr als 2500 gemeldete Fahrzeuge.
Mircos Handy wird gefunden. Mitarbeiter der Landesstraßenmeisterei entdecken das Mobiltelefon bei Mäharbeiten an einer Landstraße im Dickicht einer Straßenböschung.
Die Polizei durchsucht ergebnislos zwei Tage lang ein Waldstück in der Umgebung der Fundstelle des Handys, unweit der niederländischen Grenze. Insgesamt gingen bei den Ermittlern mittlerweile rund 6600 Hinweise zum Fall Mirco ein.
Die Polizei hat knapp 400 VW Passat Kombi der Baureihe B6 überprüft. Insgesamt wollen sie rund 15.000 Autos untersuchen.
In den frühen Morgenstunden nimmt die Polizei einen dringend Tatverdächtigen fest. Der 45-jährige Familienvater Olaf H. aus dem nahe gelegenen Schwalmtal ist geständig und führt die Ermittler zu Mircos Leiche. 145 Tage nach dem Verschwinden des Jungen ist damit klar, dass er tot ist.
Olaf H. wird dem Haftrichter vorgeführt. Dieser ordnet Untersuchungshaft für den Tatverdächtigen an.
Auf einer Pressekonferenz verkündet die Polizei nähere Informationen zu dem Fall. Olaf H. sei beruflichem Stress ausgesetzt gewesen und am Abend der Tat planlos herumgefahren, sagt Soko-Chef Ingo Thiel. Da er zufällig auf Mirco gestoßen sei, habe der Junge großes Pech gehabt und sei ein "absolutes Zufallsopfer" gewesen.
Genau fünf Monate nach dem Verschwinden von Mirco findet in der Grefrather St.-Laurentius-Kirche ein ökumenischer Trauergottesdienst für den ermordeten Jungen statt. Hunderte Menschen nehmen Abschied.
Im Familien- und Freundeskreis wird Mirco auf dem Friedhof in Grefrath beigesetzt. Rund 400 Trauergäste nehmen an der Trauerfeier teil.
Die Krefelder Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Olaf H. wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen und zur Verdeckung eines sexuellen Missbrauchs. Der Prozess beginnt am 12. Juli.