1848: Im Hamburger Stadtteil St. Pauli entdeckt der Fischhändler Gottfried Clas Carl Hagenbeck, dass er nicht nur mit toten Fischen, sondern auch mit lebendigen Seehunden Geld machen kann. Fischer hatten bei ihm sechs Seehunde als Beifang abgeliefert, Hagenbeck stellte sie auf dem Spielbudenplatz aus.
1863: Hagenbeck eröffnet eine "Handelsmenagerie". Nach einigen erfolgreichen Käufen von exotischen Tieren ist aus dem Fisch- ein Tierhändler geworden.
1874: Sohn Carl Hagenbeck eröffnet am Neuen Pferdemarkt "Hagenbeck's Thierpark". Im Zentrum des Geschäfts steht nach wie vor der Tierhandel. Eine neue Attraktion werden jedoch auch die Völkerschauen, mit denen Hagenbeck auch auf Tournee geht.
1887: Hagenbeck eröffnet seinen ersten Zirkus.
1892: Bei Hagenbeck ist zum ersten mal eine "zahm dressierte" Raubtiergruppe zu sehen.
1896: Carl Hagenbeck lässt sich seine neue Art der Zootierhaltung patentieren: gitterlose Freianlagen.
7. Mai 1907: In Stellingen wird Hagenbecks Tierpark nach jahrelanger Bauzeit eröffnet.
1911: Eröffnung des Zoos in Rom, für den Carl Hagenbeck und sein Sohn Heinrich die Pläne entworfen haben.
14. April 1913: Carl Hagenbeck stirbt.
1919: Fritz Lang dreht im Tierpark "Harakiri" und "Die Spinnen".
1920 bis 1924: Der Tierpark bleibt wegen der Wirtschaftslage geschlossen.
1943: Der Tierpark wird im Bombenhagel fast vollständig zerstört. Neun Mitarbeiter und zahlreiche Tiere sterben.
1947: Die britische Besatzungsmacht lässt zahlreiche Tiere als Zwangsleihgabe für den Londoner Zoo verschiffen.
1964: Zum ersten Mal gelingt die Aufzucht eines Orang-Utans im Tierpark. Außerdem kommt zum ersten Mal in Deutschland ein Panzernashorn zur Welt.
1971: Eröffnung des Delphinariums
1992: Zum ersten Mal kommt bei Hagenbeck ein Elefantenbaby zur Welt.
1995: Das Delphinarium wird geschlossen und ein Jahr später abgerissen.
2003: Walross Antje stirbt im Alter von 27 Jahren. Zum ersten Mal kommt in einem deutschen Tierpark ein Elefant innerhalb der Herde zur Welt - Kandy.
Tierpark Hagenbeck ist der einzige Familienbetrieb unter den großen deutschen Zoos. In sechster Generation leiten der Kaufmann Joachim Weinlig-Hagenbeck und der Biologe Stephan Hering-Hagenbeck den Tierpark. Doch nicht immer reichen die Eintrittsgelder der durchschnittlich eine Million Besucher im Jahr, um die Kosten zu tragen. In den vergangenen Jahren geriet der Tierpark deshalb auch in finanzielle Bedrängnis.
Erstmals nahm man daher die Hilfe der Stadt Hamburg in Anspruch. Bei Großprojekten wie dem Bau einer neuen Orang-Utang-Anlage oder dem neuen Tropenaquarium beteiligte sich nun auch die Hansestadt. Seit 1998 gibt es darüber hinaus eine Stiftung und einen Verein, die sich das Sammeln von Spenden zur Aufgabe gemacht haben. Immer öfter profitiert der Tierpark seither auch als testamentarisch eingesetzter Erbe verstorbener Hagenback-Fans.
Die größte Konkurrenz für den Tierpark sieht Direktor Joachim Weinlig-Hagenbeck im Überangebot an Freizeitmöglichkeiten. Besonders in Hamburg sei nun mal sehr viel geboten. Neidisch blickt der Tierparkchef daher zum renommierten Zoo in Hannover: "Die haben es leicht. Hannover ist ja weiß Gott nicht attraktiv."
Die Haltung von Wildtieren in Zoologischen Gärten ist nach wie vor umstritten. Während Fundamentalisten sie ganz ablehnen, finden etliche Tierschützer, dass zumindest einige Tierarten im Tierpark nichts verloren hätten. Der Wirbel um das Berliner Eisbärenbaby Knut hat die Diskussion neu angefacht. Hanno Würbel, Professor für Tierschutz und Ethologie an der Universität Gießen, forderte etwa erst jüngst in der "Zeit" die Zoos dazu auf, auf die Haltung von Eisbären und Elefanten zu verzichten.
Befürworter der Zootierhaltung verweisen dagegen auf den aufklärerischen Zweck der Tierparks: Wer Elefanten, Eisbären oder Gorillas einmal live begegnet ist, wird sich viel eher bewusst sein, wie wichtig es ist, diese Tiere auch in der Wildnis zu schützen. Außerdem leisteten Zoos in Zeiten, in denen die natürlichen Lebensräume vieler Tiere immer mehr bedroht werden, auch direkt einen Beitrag zum Erhalt mancher Tierarten.
Schon 1901 gelang es etwa, 25 Tiere der nahezu ausgestorbenen Przewalski-Wildpferde aus der Mongolei in den Tierpark Hagenbeck zu bringen. Dort überlebten die Tiere und wurden später wieder ausgewildert. Auf ähnliche Art und Weise wurden Wisente und Kalifornische Kondore in anderen Zoos gerettet. Auch die Onager, deren Zucht man seit langem erfolgreich betreibe, könne man jederzeit auswildern, berichtet Zoodirektor Joachim Weinlig-Hagenbeck. Insgesamt, so Hagenbeck, hätten bereits 360 Arten in Gefangenschaft überlebt, die andernfalls ausgestorben wären. Versuche, die angeschlagene Population von Spitzmaulnashörnern in Afrika mit Hilfe von Zootieren zu stärken, laufen. Hier spielt der Frankfurter Zoo eine wichtige Rolle.
Um im Zoo eine möglichst artgerechte Haltung zu ermöglichen, geht der Trend zu einer immer größeren Spezialisierung. Man halte immer weniger Arten, erklärt Weinlig-Hagenbeck, um den einzelnen Tieren dafür mehr Pflege zukommen zu lassen. So hätten bei Hagenbeck etwa die Nashörner den Elefanten Platz machen müssen.
Die Elefanten sind das wichtigste Markenzeichen des Tierparks Hagenbeck. Derzeit beherbergt der Zoo eine zehnköpfige Herde Asiatischer Elefanten plus einen Bullen. Damit ist Hagenbeck einer der beiden europäischen Zoos mit den meisten Elefanten. Der andere ist der niederländische Dierenpark Emmen.
Seit 1992 kommen in Hamburg Elefantenbabys zur Welt. Bislang gab es zehn Geburten, darunter zwei Totgeburten. Dank dieser Bilanz rühmt sich Hagenbeck, der erfolgreichste Tierpark in der Elefantenzucht zu sein. In den neunziger Jahren unterzogen sich hier erstmals Elefanten einer Ultraschalluntersuchung. 2003 wurde erstmals ein Elefantenbaby im Kreise seiner Tanten geboren - wie in der freien Wildbahn.
Es ist allerdings ein Wettlauf gegen die Zeit. Elefanten pflanzen sich in Gefangenschaft nur recht widerwillig fort. Soll die Art in Zoologischen Gärten überleben, ist Zucht allerdings die einzige Möglichkeit. Infolge des Washingtoner Artenschutzabkommens von 1973 ist es Zoos heute nicht mehr möglich, seinen Elefantenbestand durch Wildfänge aufzufrischen.
Die Tiere leben auf einer Anlage von knapp 8000 Quadratmetern. Seit Ende 2006 gibt es außerdem eine geräumige Freilaufhalle, das heißt anders als in den meisten anderen Zoos werden die grauen Riesen auch nachts nicht mehr angekettet. Diese Art der Elefantenhaltung ist jedoch sehr personalintensiv. Allein acht Pfleger kümmern sich bei Hagenbeck ausschließlich um diese sehr gefährliche Tierart.
In Freiheit gibt es nur noch etwa 20.000 Asiatische Elefanten. Hagenbeck sieht die Zucht daher auch als Beitrag zum Artenschutz - obwohl manche Tierschützer der Ansicht sind, Elefanten könnten in Gefangenschaft niemals artgerecht gehalten werden und jegliche Elefantenhaltung in Zoologischen Gärten daher ablehnen.
Matthias Gretzschel, Klaus Gille, Michael Zapf:
"Hagenbeck"
Ein zoologisches Paradies
Edition Temmen, Bremen, 2007;
191 Seiten; 19,90 Euro.
Haug von Kuenheim:
"Carl Hagenbeck"
Ellert & Richter, Hamburg, 2007;
216 Seiten; 14,90 Euro.
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