Der erste
Nobelpreis für Literatur
wurde 1901 an den französischen Poeten und Philosophen
Sully Prudhomme
verliehen. Seitdem erhielten Autoren und Autorinnen unterschiedlichster Nationen und Kulturen den renommierten Preis. In den Jahren 1914, 1918, 1935 sowie von 1940 bis 1943 wurde kein Literaturnobelpreis vergeben. Viermal - 1904, 1917, 1966 und 1974 - mussten sich zwei Schriftsteller die Auszeichnung teilen. Zwei Autoren lehnten den Nobelpreis bisher ab, einmal wurde er postum verliehen. Er wird jeweils am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters
Alfred Nobel
, in Stockholm überreicht.
Bislang haben 13 deutschsprachige Autoren den Literaturnobelpreis erhalten. Neun von ihnen sind gebürtige Deutsche.
2009
Herta Müller
(Deutschland, in Rumänien geboren)
2004
Elfriede Jelinek
(Österreich)
1999
Günter Grass
(Deutschland)
1981
Elias Canetti
(Großbritannien, geboren in Bulgarien)
1972
Heinrich Böll
(Westdeutschland)
1966
Nelly Sachs
(Schweden, in Deutschland geboren)
1946
Hermann Hesse
(Schweiz, in Deutschland geboren)
1929
Thomas Mann
(Deutschland)
1919
Carl Spitteler
(Schweiz)
1912
Gerhart Hauptmann
(Deutschland)
1910
Paul Heyse
(Deutschland)
1908
Rudolf Eucken
(Deutschland)
1902
Theodor Mommsen
(Deutschland)
Seit der ersten Preisverleihung 1901 herrscht ein Ungleichgewicht zwischen Literaturnobelpreisträgern und -preisträgerinnen. Nur zwölf Frauen haben die begehrte Trophäe bisher erhalten. Ihnen stehen 94 Männer gegenüber. Die Literaturnobelpreisträgerinnen im Überblick:
2009
Herta Müller
(Deutschland, in Rumänien geboren)
2007
Doris Lessing
(Großbritannien)
2004
Elfriede Jelinek
(Österreich)
1996
Wislawa Szymborska
(Polen)
1993
Toni Morrison
(USA)
1991
Nadine Gordimer
(Südafrika)
1966
Nelly Sachs
(Schweden, in Deutschland geboren)
1945
Gabriela Mistral
(Chile)
1938
Pearl S. Buck
(USA)
1928
Sigrid Undset
(Norwegen)
1926
Grazia Deledda
(Italien)
1909
Selma Lagerlöf
(Schweden)
Als
Heinrich Böll
1972 den Nobelpreis für Literatur erhielt, stand auch
Günter Grass
schon auf der Liste der möglichen Kandidaten. Erst 27 Jahre später ist ihm die Ehre zuteilgeworden. Auch der im November 2007 verstorbene amerikanische Schriftsteller
Norman Mailer
gehörte lange Zeit zu den üblichen Verdächtigen. Die Daueranwärter:
Philip Roth
(geboren 1933, USA)
Don Delillo
(geboren 1936, USA)
Thomas Pynchon
(geboren 1937, USA)
Ian McEwan
(geboren 1948, Großbritannien)
Antonio Lobo Antunes
(geboren 1942, Portugal)
Haruki Murakami
(geboren 1949, Japan)
Joyce Carol Oates
(geboren 1938, USA)
Louis Begley
(geboren 1933, USA, geboren in Polen)
Milan Kundera
(geboren 1929, Tschechische Republik)
Cees Nooteboom
(geboren 1933, Niederlande)
Margaret Atwood
(geboren 1939, Kanada)
Assia Djebar
(geboren 1936, Algerien)
Bob Dylan
(geboren 1941, USA)
Salman Rushdie
(geboren 1947, Großbritannien, in Indien geboren)
Ismail Kadaré
(geboren 1936, Albanien)
Antonio Tabucchi
(geboren 1943, Italien)
Amos Oz
(geboren 1939, Israel)
Claudio Magris
(geboren 1939, Italien)
Ernesto Cardenal
(geboren 1925, Nicaragua)
Luis Goytisolo
(geboren 1935, Spanien)
Alice Munro
(geboren 1931, Kanada)
Péter Nádas
(geboren 1942, Ungarn)
Adonis
(geboren 1930, Syrien)
Cormac McCarthy
(geboren 1933, USA)
Bei der Auswahl der Kandidaten hat es nach Ansicht vieler Kritiker im Laufe der Jahre viele Versäumnisse gegeben. Die Bedeutung der Werke von Autoren wie
Franz Kafka
,
Robert Musil
,
Marcel Proust
oder
Fernando Pessoa
zu Lebzeiten richtig einzuordnen, hätte für die Jury der schwedischen Akademie sicher eine enorme Leistung bedeutet. Die Liste der Namen von Schriftstellern, die den Preis verdient hätten, aber nicht bekommen haben, ist lang:
Anton Tschechow
(1860-1904, Russland)
Rainer Maria Rilke
(1875-1926, Österreich)
James Joyce
(1882-1941, Irland)
Henrik Ibsen
(1828-1906, Norwegen)
Leo Tolstoi
(1828-1919, Russland)
August Strindberg
(1849-1912, Schweden)
Bertolt Brecht
(1898-1956, Deutschland)
Arthur Schnitzler
(1862-1931, Österreich)
Gottfried Benn
(1886-1956, Deutschland)
Vladimir Nabokov
(1899-1977, USA, in Russland geboren)
Ossip Mandelstam
(1891-1938, Russland)
Virginia Woolf
(1882-1941, Großbritannien)
Anna Achmatowa
(1889-1966, Russland)
Joseph Conrad
(1857-1924, Großbritannien, in Polen geboren)
Max Frisch
(1911-1991, Schweiz)
Thomas Bernhard
(1931-1989, Österreich, geboren in den Niederlanden)
Ezra Pound
(1885-1972, USA)
Paul Celan
(1920-1970, Deutschland, geboren in Rumänien)
Émile Zola
(1840-1902, Frankreich)
Maxim Gorki
(1868-1936, Russland)
Jorge Luis Borges
(1899-1986, Argentinien)
Alberto Moravia
(1907-1990, Italien)
Arthur Miller
(1915-2005, USA)
Graham Greene
(1904-1991, Großbritannien)
John Updike
(1932-2009, USA)
J. D. Salinger
(1919-2010, USA)
Harry Mulisch
(1927-2010, Niederlande)
Zwei Schriftsteller haben bisher den Literaturnobelpreis aus unterschiedlichen Gründen ausgeschlagen.
Boris Pasternak
nahm den
Nobelpreis 1958
auf Druck der sowjetischen Regierung und Medien nicht an. Im Hinblick auf den Sinn, der der Auszeichnung in der Gesellschaft, zu der er gehöre, gegeben werde, so Pasternaks Begründung, müsse er den unverdienten Preis
ablehnen
. Der Preis wurde ihm 1989 postum in Stockholm verliehen. Pasternaks Sohn nahm dort die goldene Medaille entgegen.
1964 lehnte der französische Schriftsteller und Philosoph
Jean-Paul Sartre
die Auszeichnung mit der
Begründung
ab: "Ein Autor, der politisch, sozial oder literarisch Stellung bezieht, darf das nur mit dem geschriebenen Wort tun. Alle Auszeichnungen, die er erhält, setzen seine Leser einem Druck aus ... Es ist nicht das gleiche, ob ich mit Jean-Paul Sartre unterzeichne oder mit Nobelpreisträger Jean-Paul Sartre."
Und: "Ich bin nicht in der Lage, irgendwelche Auszeichnungen, die von bedeutenden Kulturorganisationen des Ostens oder des Westens verliehen werden, anzunehmen, obwohl ich ihre Existenz sehr gut verstehe... Ich würde auch den Lenin-Preis ablehnen."
Im Jahr 1926 hatte
George Bernard Shaw
den Nobelpreis erst abgelehnt, die Ehrung dann aber doch angenommen. Er kritisierte das Alter der Preisträger: Das Geld sei ein Rettungsanker, der einem Schwimmer zugeworfen werde, nachdem er das rettende Ufer erreicht habe.