Nach knapp drei Jahrzehnten sollen in
Kambodscha
die Massenmorde und Gräueltaten der
Roten Khmer
unter der Führung des
"Bruders Nummer eins", Pol Pot
, aufgearbeitet werden.
Das erste Verfahren vor dem Tribunal wurde gegen
Kaing Guek Eav alias Duch
eröffnet, der von März 1976 bis Anfang 1979 das berüchtigte
Gefängnis Tuol Sleng
, das auch "Sicherheitsbüro" (S-21) genannt wurde, leitete. Er wurde am 26. Juli 2010 zu 35 Jahren Haft verurteilt. Weil er lange Zeit inhaftiert war, wurden ihm 16 Jahre erlassen. In dem von ihm geleiteten Gefängnis kamen nur sieben der insgesamt 14.000 dort Inhaftierten mit dem Leben davon. Die anderen wurden gefoltert, misshandelt und nach erpressten Geständnissen auf den
Killing Fields
exekutiert.
Auf der Anklagebank des
Roten-Khmer-Tribunals
sitzen neben dem bereits zu 35 Jahren Haft verurteilten
Kaing Guek Eav alias Duch
noch folgende vier:
„Bruder Nummer zwei“, Nuon Chea
,
Ieng Sary, der Ex-Außenminister
, und seine Frau Ieng Thirith, die damalige Sozialministerin sowie
Khieu Samphan
, der Staatschef des Landes während der Khmer-Rouge-Zeit.
Abschließende Urteile sind erst bis 2011 zu erwarten. Für die geringe Zahl der angedachten Prozesse wurde die kambodschanische Regierung viefach kritisert: Auf Veranlassung des derzeitigen
Staatschefs Hun Sen
wurden sogar mehrere führende Khmer-Rouge-Politiker amnestiert. Zudem sind führende Köpfe der Bewegung, unter ihnen auch
Pol Pot
und sein Nachfolger
Ta Mok
aufgrund ihres hohen Alters inzwischen gestorben.
Die
Roten Khmer
waren ultramaoistische Revolutionäre, die in
Kambodscha
einen reinen Agrarstaat schaffen wollten. Ihre Schreckensherrschaft dauerte von 1975 bis 1979. Mindestens 1,7 Millionen Menschen kamen um, fast ein Viertel der Bevölkerung.
Das Regime unter
Pol Pot
, der wie andere Kader in Paris studiert hatte, wollte eine kommunistische Agrargesellschaft schaffen. Es scheuchte die Städter aufs Land, schaffte das Geld ab, und brachte jeden, der ein Buch oder eine Brille hatte, als verdächtigen Intellektuellen ins Umerziehungslager.
Das Land schottete sich völlig ab, im Innern begann für Millionen Menschen ein Überlebenskampf. Zwangsarbeit, Hungersnöte, Seuchen rafften Hunderttausende hin. Das paranoide Regime baute einen beispiellosen Spitzelapparat auf. Weitere Hunderttausende Verdächtige wurden als Feinde des Regimes gefoltert und ermordet.
Auch kommunistisch-maoistische Sektierergruppen in Europa unterstützten eine Zeitlang die Roten Khmer - ein Kapitel, das noch der Aufklärung harrt.