Kleine Geschichte des Ladenschluss
Die Tradition des heutigen Ladenschlusses geht auf das Markt- und Zunftrecht der mittelalterlichen Stadt zurück. "Angesichts hoher Transportkosten und geringer Anteile der gewerblich vertriebenen Güter war die räumlich und zeitliche Konzentration des Bedarfs eine rationale Antwort", erläutert der Historiker Uwe Spiekermann.
Ladenschlusszeiten selbst gibt es erst, seit es den Laden als solchen gibt. Bis weit in das 19. Jahrhundert war der Verkauf zur Straße hin üblich. Seit den 1860er Jahren wurden Verkaufszeiten dann ausgeweitet.
Zeitgenössische Erhebungen weisen für 1892 nach, dass fast die Hälfte der Geschäfte im Sommer mehr als 14 Stunden, im Winter länger als 13 Stunden geöffnet hatte. Dies ging zulasten der Gesundheit und Lebensqualität der Ladenbesitzer.
Ab 1892 wurde erstmals die begrenzte Sonntagsruhe eingeführt - sie wurde gemeinsam von Kirchen und der Mehrzahl der Ladenbesitzer getragen. Es gab aber Unterschiede zwischen einzelnen Branchen.
Während beider Weltkriege war ein striktes Vorgehen des Staates zu beobachten, die Läden offen zu halten - insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus.
Der Weg zum vielfach diskutierten Ladenschlussgesetz von 1956 ist ein Versuch gewesen, unterschiedliche Gesetze in Ländern und Kommunen zu vereinheitlichen, erläutert Historiker Uwe Spiekermann.
1989 begann die Phase zunehmender Flexibilisierung. Erst mit dem sogenannten Dienstleistungsabend ("langer Donnerstag"), dann mit der Ausweitung der Ladenschlusszeiten an allen Werktagen und schließlich auch mit der Freigabe des Sonntags.
sja/AP