Manipulationsskandale im Fußball
Vor dem Landgericht Bochum beginnt im August der erste Prozess im Zusammenhang mit den Spielmanipulationen. Den vier Angeklagten wird vorgeworfen, 370.000 Euro aufgewendet zu haben, um Spieler, Trainer, Schiedsrichter oder Funktionäre zu bestechen und anschließend Wetten auf vereinbarte Spielausgänge zu platzieren. Zwei der Angeklagten zeigten sich teilgeständig.
Der Prozess ist nur der Auftakt der juristischen Aufarbeitung des Wettskandals. Es geht in Bochum lediglich um 32 Partien in Deutschland, Belgien, Slowenien, Ungarn, Kroatien und der Schweiz.
Vor einer anderen Institution gibt es bereits eine Entscheidung: Der ehemalige Osnabrücker Zweitligaspieler Marcel Schuon wurde vom DFB-Sportgericht wegen unsportlichen Verhaltens mit einer Sperre von zwei Jahren und neun Monaten belegt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Schuon sich bereit erklärt hat, Spiele zu manipulieren.
Laut Angaben von Ermittlern stehen europaweit rund 270 Partien im Verdacht, manipuliert worden zu sein. Darunter 53 Partien in Deutschland von der Zweiten Liga bis in den Juniorenbereich. In keinem anderen Land ist die Zahl derart hoch. Außerdem sollen Begegnungen in Österreich, Belgien, Kroatien, Slowenien, Ungarn, Bosnien, der Türkei und der Schweiz betroffen sein. Zudem drei Spiele der Champions und zwölf der Europa League. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bochum belaufen sich die bislang für all diese Partien ermittelten Wetteinsätze auf rund zwölf Millionen Euro, die Gewinne werden mit 7,5 Millionen Euro angegeben.
Eine Manipulationsaffäre um Juventus Turin weitet sich zu einem der größten Skandale in der Geschichte des italienischen Fußballs aus. 29 von 38 Meisterschaftsspielen soll Juve-Manager Luciano Moggi nach Vermutungen der Staatsanwaltschaft Neapel mit Hilfe von korrupten Schiedsrichtern, Spielern und Funktionären in der Saison 2004/2005 zugunsten des Meisters manipuliert haben. Außer zahlreichen Funktionären geraten neun Erst- und Zweitligisten ins Visier der Staatsanwaltschaften in Neapel, Turin, Rom und Parma. Das Sportgericht des italienischen Fußballverbandes verurteilt Juventus Turin zum Zwangsabstieg in die 2. Liga, Moggi und seine Komplizen werden mit langjährigen Berufsverboten und Geldstrafen belegt.
Im größten Wettskandal in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) geht es um 23 Spiele im DFB-Pokal, der Zweiten Bundesliga und in den Regionalligen. Sie waren so manipuliert worden oder sollten so beeinflusst werden, dass die kroatischen Brüder Ante, Milan und Filip Sapina Hunderttausende Euro verdienten. Das Trio hatte auf den Ausgang bestimmter Partien gewettet. Schiedsrichter Robert Hoyzer war einer ihrer Handlanger. Hoyzer und Drahtzieher Ante Sapina erhalten Haftstrafen, die anderen Beteiligten kommen mit Bewährungsstrafen davon.
In Brasilien kommt ein Wett- und Schiedsrichterskandal ans Licht. Unter anderem sollen Unternehmer bei Schiedsrichtern Ergebnisse "bestellt" haben, um bei Internet-Fußballwetten zu gewinnen. Die Wettmafia habe so Gewinne von insgesamt mehr als einer Million Real (375 000 Euro) erzielt, lässt die Staatsanwaltschaft wissen. Die Schiedsrichter hätten pro Spiel ein "Entgelt" von umgerechnet 4000 bis 6000 Euro erhalten. Elf Begegnungen der laufenden Landesmeisterschaft werden annulliert und neu angesetzt. Dabei handelt es sich um Begegnungen, die Fifa-Schiedsrichter Edilson Pereira de Carvalho geleitet hat.
Eine Bestechungsaffäre in der Bundesliga entsetzt nicht nur die deutschen Fußballfans. 18 Spiele der Saison 1970/71 sind betroffen, mit Hertha, Bielefeld, Frankfurt, Offenbach, Oberhausen, Duisburg, Stuttgart, Schalke, Braunschweig und Köln zehn Bundesliga-Vereine in den Skandal verstrickt. Nach mühevoller Kleinarbeit der Gerichte und des DFB-Chefanklägers Hans Kindermann werden 50 Spieler mit teilweise harten Strafen belegt, sechs Funktionäre und zwei Trainer gesperrt. Arminia Bielefeld wird 1972 die Lizenz entzogen und in die Regionalliga zurückgesetzt, den Offenbacher Kickers die Lizenz für zwei Jahre entzogen. (dpa)