Der Fall Marco Weiss
Der 17-jährige Realschüler Marco Weiss aus Uelzen wird 2007 während des Osterurlaubs in der Türkei von den Eltern eines 13 Jahre alten britischen Mädchens bei den örtlichen Behörden in Antalya angezeigt. Der Vorwurf: sexueller Missbrauch. Die türkische Polizei nimmt ihn am 12. April in Untersuchungshaft, in der er mehrere Monate bleiben wird.
Über die Ereignisse der Nacht, die zu Marcos Verhaftung führten, gibt es verschiedene Versionen. Marco beteuert, er habe am 11. April 2007 mit dem britischen Mädchen in deren Hotelzimmer lediglich "gekuschelt". Außerdem habe sie sich als 15-Jährige ausgegeben. Die 13-Jährige hingegen sagte aus, dass sie ihn zwar in ihr Zimmer gelassen habe, damit er sich für einen Streit entschuldigen könne. Dann sei sie eingeschlafen. Als sie aufgewacht sei, habe Marco "auf ihr gelegen".
Nachdem er bereits zehn Wochen in Haft ist, wird der Fall Mitte Juni 2007in den deutschen Medien bekannt. Besonders die Berichte über die Haftbedingungen im baufälligen Gefängnis in Antalya lösen Bestürzung aus: Marco muss sich eine Zelle mit 30 Gefangenen teilen, darf mit seinen Eltern nur einmal pro Woche durch eine Glasscheibe sprechen. Die Bundesregierung fordert die sofortige Freilassung Marcos - vergebens. Derweil läuft in der Türkei das Verfahren an. Im schlimmsten Falle drohen Marco acht Jahre Gefängnis.
Nach langwierigem juristischen Hickhack darf Marco am 14. Dezember 2007 das Gefängnis acht Monate nach seiner Verhaftung verlassen und wird in einem Privatjet nach Deutschland ausgeflogen. Zuvor war der Prozess immer wieder vertagt worden, weil die Aussage des Mädchens nicht vorlag. Das Verfahren in der Türkei läuft jedoch weiter.
Ende November 2008 veröffentlicht der inzwischen 18-Jährige unter dem Titel "Marco W. - Meine 247 Tage im türkischen Knast" ein Buch. Auszüge erscheinen vorab in der "Bild"-Zeitung. Weil das Buch während des laufenden Verfahrens publiziert wird, legen Weiss' Anwälte aus Protest ihre Mandate nieder. Derweil wird das Urteil im türkischen Prozess immer wieder vertagt.
Anfang Mai 2009 wird das parallel laufende deutsche Verfahren wegen des Verdachts des sexuellen Kindesmissbrauchs eingestellt. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg findet keine Beweise, dass Weiss sich an der 13-Jährigen vergangen hat.