Alles zur britischen Unterhauswahl 2010 erfahren Sie hier - klicken Sie auf die Überschriften!
Gordon Brown
, 59, ist seit Juni 2007 britischer Premier und Vorsitzender der Labour-Partei. Nach 13 Regierungsjahren ist die Wahl zu einer Abstimmung über die Gesamtbilanz seiner Partei geworden. Doch Labour wirkt ausgebrannt - und ist als Underdog in die Wahl gegangen.
David Cameron
, 43, ist seit 2005 Vorsitzender der Konservativen. Er hat den Tories nach langen Jahren der Hoffnungslosigkeit in der Opposition wieder Siegeswillen eingehaucht. So wie Blair einst die Labour-Partei modernisierte, präsentiert Cameron sich als Erneuerer der Tories. Er hat klassische linke Themen wie Schwulenrechte, Umweltschutz und das staatliche Gesundheitswesen in konservativen Kreisen salonfähig gemacht. Er war der heiße Favorit bei der Wahl.
Nick Clegg
, 43, ist seit 2007 Vorsitzender der Liberaldemokraten. Die Partei spielt im britischen Mehrheitswahlrecht traditionell nur eine untergeordnete Rolle. Sie profitierte jedoch von der Verdrossenheit über Labour und Konservative und schickt sich nun an, die Zwei-Parteien-Herrschaft aufzubrechen. Spitzenkandidat Clegg ist durch starke Auftritte in den Fernsehdebatten zur Überraschung des Wahlkampfs geworden. Da offenbar keine der beiden großen Parteien bei der Wahl eine eigene Mehrheit erzielt hat, liegt es an den Liberalen, entweder Cameron oder Brown zu unterstützen.
Der britische Premierminister hat das Recht, jederzeit innerhalb einer maximal fünfjährigen Legislaturperiode eine Unterhauswahl auszurufen. Brown hatte sich für den 6. Mai entschieden. An dem Tag fanden auch Kommunalwahlen statt.
Im britischen Unterhaus wurden 650 Sitze vergeben. Seit 1997 stellt Labour die Mehrheit. Vor der Wahl gab es 345 Labour-Abgeordnete, 193 Konservative und 63 Liberaldemokraten. Dazu kommen einige Vertreter kleiner Parteien (Sinn Fein, Schottische Nationalpartei) und Parteilose.
In der Regel produziert das britische Mehrheitswahlrecht einen klaren Sieger - es gibt in der Geschichte nur eine Handvoll Ausnahmen. Nun aber haben beide großen Parteien die absolute Mehrheit der 650 Sitze im Unterhaus verfehlt und Großbritannien hat ein "hung parliament".
Der amtierende Premierminister bleibt damit zunächst im Amt - selbst wenn seine Partei nicht die meisten Sitze hat. Er kann mit einer anderen Partei eine Koalition oder eine Tolerierung vereinbaren. Das hat der konservative Premier Edward Heath 1974 zunächst versucht, nach vier Tagen jedoch aufgegeben. Gordon Brown könnte es ähnlich ergehen - die Liberalen würden die Amtszeit des unpopulären Regierungschefs kaum verlängern wollen. Eine Tolerierung einer konservativen Minderheitsregierung erscheint wahrscheinlicher. Dafür müssten die Tories inhaltliche und personelle Zugeständnisse machen. Auch eine Koalition wäre möglich. Könnten sich die Parteien nicht einigen, käme es zu Neuwahlen.