Agententausch im Kalten Krieg
In Zeiten des Kalten Krieges haben Ost und West mehrfach enttarnte Agenten des anderen Lagers gegen eigene Leute ausgetauscht. Spektakuläre Übergaben wurden an der Glienicker Brücke zwischen dem damaligen West-Berlin und Potsdam organisiert. Die von der DDR "Brücke der Einheit" genannte Stahlkonstruktion an der Nahtstelle der verfeindeten Blöcke wird mehrfach als "Brücke der Agenten" Schauplatz filmreifer Szenen. Klicken Sie auf die Überschriften, um mehr zu erfahren!
Am 10. Februar 1962 um 5 Uhr früh überschreitet - von Scheinwerfern in gespenstisches Licht getaucht - Gary Powers einen auf die Brücke gemalten weißen Strich in Richtung Freiheit. Der Pilot des 1960 über der Sowjetunion abgeschossenen US-Spionageflugzeugs U2 hatte sich damals mit dem Fallschirm retten können und war von einem sowjetischen Militärgericht zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde in der Nacht-und-Nebel-Aktion gegen den in den USA gefassten und zu 30 Jahren Gefängnis verurteilten sowjetischen Spitzenspion Rudolf Iwanowitsch Abel ausgetauscht.
Der größte Agenten-Ringtausch während der Block-Konfrontation erfolgt "High Noon" am 11. Juni 1985. An dem nur sowjetischen Militärs und westlichen Militärmissionen vorbehaltenen Grenzübergang stehen sich um 12 Uhr mittags Agenten der Nachrichtendienste und Diplomaten gegenüber, darunter der DDR-Vermittler, Rechtsanwalt Wolfgang Vogel.
Auf DDR-Gebiet sitzen gefangene West-Spione in einem Bus und wissen nicht, was mit ihnen passiert. Auf der anderen Seite der Brücke warten ihre Ost-"Kollegen" in einem blauen Kombiwagen. Dann überschreitet der Unterhändler und spätere US-Botschafter in der Bundesrepublik, Richard Burt, die weiße Grenzlinie, steigt in den Bus und verkündet den nun jubelnden West-Agenten ihre Freilassung.
Danach fahren die insgesamt 25 in der DDR aufgeflogenen CIA-Agenten mit dem Bus nach West-Berlin. Im Gegenzug steigen vier Ost-Spione aus dem Kombi und gehen zu Fuß über die Brücke. Nach jahrelanger diplomatischer Vorarbeit geht der spektakuläre Austausch in nur einer halben Stunde über die Bühne.
Am 11. Februar 1986 gelangt auch der sowjetische Bürgerrechtler Anatoli Scharanski im Austausch gegen sechs Ost-Agenten über die Brücke nach West-Berlin. Der jüdische Computerspezialist am Moskauer Institut für Erdölforschung hatte 1973 einen Ausreiseantrag nach Israel gestellt. In den Jahren danach verlor Scharanski nach seinem Einsatz für Menschenrechte in der UdSSR erst seinen Job und dann seine Freiheit. Als angeblicher US-Spion landete er in einem Arbeitslager im Ural.
Nach Jahren hinter Stacheldraht wird die Symbolfigur des Widerstandes nun 1986 auf der Glienicker Brücke bei klirrender Kälte und Schneetreiben von zahlreichen Journalisten aus aller Welt erwartet. Auch DDR-Rechtsanwalt Wolfgang Vogel fährt vor - in einem goldfarbenen Mercedes - und eskortiert die Kleinbusse mit den Ost-Agenten in die DDR.
Der Begriff "Kalter Krieg" bezeichnet die Konfrontation von Staaten oder Blöcken - ohne dass geschossen wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand der Begriff für den Konflikt der Supermächte USA und Sowjetunion. Höhepunkte waren die Blockade Berlins und die Kuba-Krise. Die Auseinandersetzung spiegelte sich vor allem in einem kostenintensiven Wettrüsten wider.
Als die DDR-Führung in Berlin 1961 die Mauer errichten ließ, standen sich in der geteilten Stadt sowjetische und amerikanische Panzer mit nur wenigen Metern Abstand gegenüber. 1962 drohte der "Kalte Krieg" nach der Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba erneut in eine militärische Konfrontation zwischen der UdSSR und USA zu münden. Die Welt stand am Rande eines Atomkriegs.
In den siebziger Jahren löste die Entspannungspolitik zunehmend das ideologische und militärische Machtspiel ab. Bei allen politischen Meinungsverschiedenheiten entfernten sich Ost und West immer mehr vom Blockdenken. Mit dem Fall der Berliner Mauer 1989, dem Ende der Sowjetunion 1991 und der Auflösung des Warschauer Pakts im gleichen Jahr war der "Kalte Krieg" zu Ende.