Schulreform in Hamburg
Lange haben CDU und Grüne mit der Initiative "Wir wollen lernen" verhandelt, am Ende vergeblich - es kommt zum Volksentscheid: Hamburgs Bürger stimmen im Juli 2010 ab, welches Schulsystem es künftig in der Hansestadt gibt.
Die Hamburger Schulreform ist ein Kompromiss aus zwei Modellen: Auf der einen Seite die CDU mit der Forderung nach dem Erhalt der Gymnasien, auf der anderen Seite die Grünen mit ihrem Ideal der Gemeinschaftsschule für alle. Wird das Koalitionsmodell umgesetzt, bleibt keine Schulform wie bisher.
In den neuen Primarschulen sollen Schüler künftig sechs statt nur vier Jahre lang gemeinsam lernen (sieben Jahre, wenn man die Vorschule einrechnet). Ab der vierten Klasse unterrichten auch Lehrer aus weiterführenden Schulen, zum Teil auch in Räumen dieser Schulen, weil die bisherigen Grundschulgebäude nicht ausreichen. Um die Schüler möglichst individuell fördern zu können, sollen die Klassen höchstens 25, in sozialen Brennpunkten höchstens 20 Schüler umfassen.
Zunächst sollte nach der Primarschule allein die Zeugniskonferenz entscheiden, welcher Schüler nach der sechsten Klasse welche weiterführende Schule besucht - ob Gymnasium oder Stadtteilschule. Doch das hat die schwarz-grüne Regierungskoalition inzwischen geändert: Das letzte Wort haben fortan doch die Eltern, sie bekommen ein Vetorecht.
In den Zeugnissen sollen künftig nicht nur Fachnoten, sondern auch Kompetenzen der Schüler stehen. Dafür werden vor allem Gymnasiallehrer in Diagnostik fortgebildet.
Räumlich getrennte Hauptschulen gab es in Hamburg ohnehin nicht mehr. Bisher wurden Schüler nach der Beobachtungsstufe (Klassen 5 und 6) in Real- und Hauptschulklassen getrennt. Künftig werden sie bis zur 9. bzw. 10. Klasse gemeinsam unterrichtet.
Die Einrichtung von Stadtteilschulen hatte die damalige CDU-Alleinregierung bereits 2007 beschlossen. Dort sollen jetzt Haupt-, Real-, und Gymnasialschüler bis zum jeweiligen Abschluss gemeinsam lernen. Das Abitur können sie nach Klasse 12 oder 13 ablegen; an den Gymnasien, die erhalten bleiben, ist dagegen nach 12 Jahren Schluss. Wie die Primarschulen sollen die Stadtteilschulen 2010 starten, sofern die Schulreform im Volksentscheid besteht.
Hamburg wurde in 22 Schulregionen unterteilt. Bis Mai 2009 fanden in jeder Region Konferenzen statt. Dabei berieten Vertreter der staatlichen Schulen, der Lehrer, Eltern und Schüler sowie der Bezirksämter über die künftigen Standorte aller Schulen. Einen Großteil der Empfehlungen nahm Senatorin Christa Goetsch in ihrem Entwurf für einen Schulentwicklungsplan auf.
Gemeinsames Lernen bis Klasse sechs? Das geht der Initiative "Wir wollen lernen" zu weit. Sie will das Gymnasium ab Klasse vier vor den Koalitionsplänen und der Gegeninitiative "Eine Schule für alle" retten. Der Rechtsanwalt Walter Scheuerl hat "Wir wollen lernen" gegründet, unterstützt wird die Initiative vom Deutschen Lehrerverband und dem Deutschen Philologenverband. Der Volksentscheid soll Mitte Juli 2010 durchgeführt werden - kurz vor dem geplanten Start der Primar- und Stadtteilschulen.