Sir Thomas Stamford Raffles gründete 1819 für die Britische Ostindien-Kompanie eine Handelsniederlassung auf Singapur. Später wurde die Insel englische Kronkolonie. Noch heute herrscht daher Linksverkehr; Englisch ist eine der Amtssprachen. Nach der Besetzung durch japanische Truppen und der Rückgabe an die Engländer zum Ende des Zweiten Weltkriegs bekam Singapur 1959 eine eigene Regierung unter dem ersten Premierminister Lee Kuan Yew. Doch es kam zu massiven Unruhen zwischen den chinesischen und den nicht-chinesischen Bevölkerungsteilen. Singapur wurde deshalb aus der Föderation mit Malaysia ausgeschlossen und gewann 1965 seine staatliche Souveränität.
Singapurs erster Premierminister Lee Kuan Yew wird als Staatsgründer verehrt. Der Patriarch machte den Stadtstaat zu einem internationalen Handelsdrehkreuz und einem der reichsten Länder der Erde. Lee zog sich erst 1990 aus der Tagespolitik zurück, wacht aber als "Minister Mentor" nach wie vor über die Regierungsgeschäfte. Aktueller Premierminister ist sein Sohn Lee Hsien Loong. Singapur ist eine parlamentarische Republik mit Mehrheitswahlrecht. Der Regierung wird allerdings vorgeworfen, den Staat autoritär wie ein Familienunternehmen zu führen. Die People's Action Party dominiert seit 1965 und wird daher von Kritikern als Einheitspartei bezeichnet. Tatsächlich hat die Opposition einen schweren Stand. Singapurs Gesetze werden zum Teil mit drakonischen Strafen wie Prügel oder Todesurteilen vollstreckt.
Der kleine Stadtstaat hat keinen bedeutenden Binnenmarkt, dient aber als zentraler Handelsplatz für ganz Asien. Unzählige Unternehmen haben hier ihre regionalen Hauptquartiere errichtet, angelockt von den für südostasiatische Verhältnisse traumhaften Bedingungen: Hervorragende Infrastruktur, penible Hygiene, saubere Luft, kaum Kriminalität oder Korruption - die Insel ist ein wahres Wirtschaftsparadies. Die globale Vernetzung erweist sich aber auch als Achillesverse, die weltweite Wirtschaftskrise erwischt den Stadtstaat besonders heftig: Bis um neun Prozent könnte Singapurs Bruttoinlandsprodukt nach Schätzungen der Regierung in diesem Jahr schrumpfen - üppige Konjunkturhilfen sollen Jobs retten und das Schlimmste verhindern.
Drei Viertel der Singapurer haben chinesische Wurzeln. Der Rest der nur knapp fünf Millionen Einwohner stammt aus Indien, Malaysia und anderen Ländern. Mehr als eine halbe Million der in Singapur lebenden Menschen sind Ausländer. Wegen der äußerst geringen Geburtenrate ist das Land auf ständige Einwanderung angewiesen. Die Politik legt deshalb einen Schwerpunkt darauf, Talente anzulocken und zu halten. Besonders in der Krise könnten viele Ausländer wieder abwandern und das Ziel der Regierung gefährden, die Bevölkerung auf sechs Millionen Menschen zu steigern.