Im Herbst 1941 beauftragte der Reichsführer-SS,
Heinrich Himmler
, den SS- und Polizeiführer des Distrikts
Lublin
im
Generalgouvernement
,
Odilo Globocnik
, im Rahmen der
Endlösung der Judenfrage
mit der Ermordung der dort lebenden Juden. Als
Belzec
, das erste
Vernichtungslager
der
Aktion Reinhardt
, zur Erfüllung des Mordprogramms nicht ausreichend erschien, begann die
SS
im Frühjahr 1942 mit dem Bau eines zweiten Vernichtungslagers in der Nähe von
Sobibor
. Seit Juli 1943 betrieb Himmler die Umwandlung von
Sobibor
in ein
KZ
. Am 14. Oktober 1943 wagten die Häftlinge einen Aufstand, der niedergeschlagen wurde, aber die Auflösung des Lagers zur Folge hatte. 47 der ausgebrochenen Häftlinge überlebten das Kriegsende und konnten Zeugnis ablegen vom Massenmord in Sobibor – einer von ihnen ist
Thomas Blatt
.
Im
Vernichtungslager Sobibor
töteten zwei Dutzend
SS
-Männer und ihre Schergen zwischen April 1942 und November 1943 etwa 250.000 Juden – unter anderem aus dem Distrikt
Lublin
, dem Deutschen Reich, der Slowakei sowie Frankreich und den Niederlanden. Häufig wurden in Sobibor mehr als 2000 Menschen am Tag ermordet, Zehntausende im Monat.
Kommandant des
Vernichtungslagers Sobibor
war
SS
-Obersturmführer
Franz Stangl
. Ihm waren etwa 30 deutsche oder österreichische SS-Männer unterstellt – meist Organisatoren und Mitarbeiter der
Aktion T 4
. Als Wach- und Sicherheitspersonal setzte die SS rund 120
Trawniki
-Männer ein, ehemalige sowjetische Kriegsgefangene überwiegend ukrainischer Herkunft. Vermutlich war einer dieser Trawniki
John Demjanjuk
.
Das
Vernichtungslager Sobibor
nahm etwa eine Fläche von 600 x 400 Meter ein, die von Stacheldraht umzäunt und gut getarnt war. Das Lager lag an der Station Sobibor der Bahnlinie Chelm-Wlodawa und war in drei verschiedene Bereiche eingeteilt, die jeweils durch einen Zaun voneinander getrennt waren.
Die erste Zone umfasste das Vorlager mit der Eisenbahnrampe und den Unterkunftsbaracken für das deutsche und ukrainische Personal sowie das Lager I mit Unterkünften für die jüdischen Häftlinge und mehrere Werkstätten.
Das Lager II diente als Aufnahmebereich für die eintreffenden Juden. Hier mussten sie ihren Besitz und ihre Kleider abgeben. Im Lager III wurden die Juden getötet, in Massengräbern verscharrt und dann von jüdischen Sonderkommandos ab Sommer 1943 auf Scheiterhaufen verbrannt. An den
Gaskammern
prangten Blumen, ein Davidstern und die Inschrift „Badehaus“.
Die Lager II und III waren über einen schmalen, von Stacheldrahtzaun gesäumten Weg („Schlauch“) verbunden. Über diesen trieben die
Trawnikis
täglich mehrere hundert nackte Menschen in die Gaskammern. Im Motorraum sorgte ein 200-PS-Motor für die kohlenmonoxydhaltigen Abgase, die durch ein Leitungssystem in die Kammern strömten. Anfangs waren drei Gaskammern in Betrieb, ab September 1942 sechs.
Den deportierten Juden wurde nach ihrer Ankunft in
Sobibor
in einer beruhigenden Ansprache ihre Umsiedlung angekündigt. Vor der Weiterreise müssten sie jedoch ein Bad nehmen, ihre Haare schneiden lassen und sollten ihre Kleidung und Wertsachen abgeben, hieß es.
Unter diesem Vorwand wurden die Juden gruppenweise in die mit kohlenmonoxydhaltigen Abgasen eines Dieselmotors betriebenen, jedoch als Duschen getarnten
Gaskammern
getrieben. Der Todeskampf der Opfer dauerte bis zu einer halben Stunde.
Vernichtungslager
sind von der
SS
während des Zweiten Weltkrieges errichtete Lager, die im Unterschied zu den
Konzentrationslagern (KZ)
von vornherein für die Massentötung der europäischen Juden als letzte Konsequenz der nationalsozialistischen Judenverfolgung bestimmt waren. Aus Geheimhaltungsgründen wurden sie im besetzten Polen eingerichtet. Zwischen Ende 1941 und 1944 bestanden Vernichtungslager in
Chelmno
,
Belzec
,
Sobibor
,
Treblinka
,
Auschwitz-Birkenau
und
Lublin-Majdanek
, wobei Auschwitz und Majdanek gleichzeitig als Konzentrationslager dienten. Mehr als die Hälfte der nahezu sechs Millionen
Holocaust
-Opfer kamen in Vernichtungslagern um.