Ostgebiete und Vertriebene
Auf der
Potsdamer Konferenz
im Sommer 1945 einigten sich die Mächte der
Anti-Hitler-Koalition
auf das
Potsdamer Abkommen
. Die Gebiete östlich von Oder und Lausitzer
Neiße
wurden der Verwaltung Polens, das nördliche
Ostpreußen
der
UdSSR
unterstellt. Die Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus Polen (einschließlich der bisherigen deutschen Ostgebiete), der Tschechoslowakei und Ungarn sollte "in humaner Weise" erfolgen. Über zehn Millionen Menschen waren aus ihrer Heimat geflüchtet oder wurden vertrieben. 473.000 Todesfälle bei Flucht oder Vertreibung sind belegt. Die DDR erkannte 1950 die
Oder-Neiße-Linie
im
Görlitzer Vertrag
als ihre Grenze zu Polen an. Der
Zwei-plus-Vier-Vertrag
war eine Voraussetzung und machte den Weg frei für die
Wiedervereinigung
. 1990 gab die Bundesrepublik im Rahmen des
Deutsch-Polnischen Grenzvertrags
jegliche Gebietsansprüche auf die ehemaligen Ostgebiete auf.
Bis 1950, als die Hauptwelle verebbte, waren aus den größten Siedlungsgebieten mehrere Millionen Deutsche vertrieben worden: 2,1 Millionen aus Schlesien, 1,9 Millionen aus der Tschechoslowakei, 1,3 Millionen aus Ostpreußen, 891.000 aus Ostpommern, 410.000 aus Polen, 225.000 aus Danzig, 178.000 aus Ungarn, 158.000 aus der Sowjetunion, den baltischen Staaten und dem
Memelland
, 149.000 aus Rumänien, 148.000 aus Jugoslawien und 131.000 aus Ostbrandenburg. Mehrere hunderttausend Menschen starben während der beschwerlichen Reisen oder fielen Racheakten der Roten Armee zum Opfer.
Der Bund der Vertriebenen (BdV) ist der Dachverband der deutschen
Vertriebenenverbände
in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins. Er erhebt den Anspruch, die Interessen der von Flucht, Vertreibung und Aussiedlung betroffenen Deutschen, unabhängig von einer Mitgliedschaft, wahrzunehmen. Präsidentin des BdV ist seit 1998 die
Politikerin Erika Steinbach
(CDU). Der BdV ist zweigliedrig in 21
Landsmannschaften
, welche die Herkunftsgebiete der Vertriebenen repräsentieren, und in 16 Landesverbände für die Bundesländer organisiert. Insgesamt sollen rund zwei Millionen Mitglieder im BdV organisiert sein.
Ostpreußen
war bis 1945 der östlichste Landesteil Deutschlands. 1945 wurde es unter vorläufige polnische Verwaltungshoheit gestellt und gehört seit 1990 auch völkerrechtlich zu Polen bzw. Russland. Als die Front des
Zweiten Weltkrieges
Ostpreußen erreichte, wurde die Evakuierung durch das Militär behindert und dadurch ein Großteil der Zivilbevölkerung unmittelbar in Kampfhandlungen verwickelt. Die Bevölkerung floh in Flüchtlingstrecks Richtung Westen, bis ihnen die
Rote Armee
bei
Elbing
am
Frischen Haff
den Landweg abschnitt. Tausende wichen auf das Eis aus und ertranken oder wurden ohne jegliche Deckung leichte Opfer von Jagdflugzeugen. Ein anderer Teil wurde über den
Ostseehafen Pillau
evakuiert. Insgesamt forderte die Flucht unter Kriegsbedingungen und der Winterwitterung sehr viele Tote. Es wird geschätzt, dass von den bei Kriegsende ca. 2,4 Millionen Bewohnern Ostpreußens ca. 300.000 unter elenden Bedingungen auf der Flucht ums Leben gekommen sind.
Marion Gräfin Dönhoff
,
Armin Mueller-Stahl
und
Heinz Sielmann
kamen ursprünglich aus Ostpreußen.
Die Provinz
Pommern
gehörte zum preußischen Staat, der bis zum Ende des
Zweiten Weltkriegs
als solcher existierte. 1945 wurde
Hinterpommern
einschließlich des Gebietes um Stettin von den Russen unter vorläufige polnische Verwaltung gestellt. Die deutsche Bevölkerung in den an Polen gefallenen Gebieten wurde aus ihrer Heimat vertrieben oder ausgesiedelt. Diese Maßnahmen wurden durch die Beschlüsse der
Potsdamer Konferenz
im August 1945 bestätigt. Aus dem bei Deutschland verbliebenen Teil
Vorpommerns
wurde zusammen mit dem ehemaligen
Freistaat Mecklenburg
Anfang Juli 1945 auf Befehl der
SMAD
das Land Mecklenburg-Vorpommern gebildet, welches ab März 1947 nur noch Land Mecklenburg hieß. Nach der Verwaltungsreform in der
DDR
1952 wurde das Gebiet Vorpommerns auf die Bezirke Rostock und Neubrandenburg und zu einem kleinen Teil auf den Bezirk Frankfurt (Oder) verteilt.
Ostbrandenburg (Neumark)
ist eine östlich der Oder in Polen gelegene historische Landschaft. Sie gehörte bis 1945 zur preußischen
Provinz Brandenburg
. Im Frühjahr 1945 unterstellte die
UdSSR
das Gebiet der polnischen Zivilverwaltung. Durch die Beschlüsse der
Potsdamer Konferenz
(Potsdamer Abkommen) vom Juli/August 1945 wurde das Gebiet offiziell Polen zugesprochen. Die noch ansässige deutsche Bevölkerung wurde bis 1947 fast vollständig vertrieben und per Dekret vom 6. März 1946 enteignet. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, zumeist technische Spezialisten, wurde zurückgehalten und musste Zwangsarbeit leisten. Diese Personengruppe durfte Ostbrandenburg Anfang der fünfziger Jahre verlassen. An die Stelle der deutschen Bevölkerung traten zu etwa zwei Dritteln Zuwanderer aus Zentralpolen sowie zu etwa einem Drittel ebenfalls aus ihrer Heimat vertriebene Ostpolen und Ukrainer.
Schlesien ist eine historische Landschaft in Mitteleuropa beiderseits der Oder. Die preußische
Provinz Schlesien
war seit der deutschen Reichsgründung bis 1945 der südöstlichste Landesteil Deutschlands. Der größte Teil Schlesiens wurde von Russland nach dem Krieg unter vorläufige polnische Verwaltungshoheit gestellt und gehört heute völkerrechtlich zu Polen. Nur ein kleiner Teil Schlesiens gehört zum Freistaat Sachsen und ein weiterer zur Tschechischen Republik. Nach 1945 wurden in Schlesien überwiegend Polen aus Zentralpolen und aus den
ehemals ostpolnischen Gebieten
neu angesiedelt. 1947 kamen mehrere zehntausend Menschen im Rahmen der
Aktion Weichsel
aus Südostpolen nach Schlesien. Die DDR erkannte die
neue Grenze zu Polen
bereits 1950 diplomatisch an, die Bundesrepublik Deutschland erst indirekt 1972 und endgültig mit dem
Deutsch-Polnischen Grenzvertrag
.
Joseph von Eichendorff
und
Dietrich Bonhoeffer
waren Schlesier.
Das
Sudetenland
ist eine vorwiegend nach 1918 gebrauchte Hilfsbezeichnung für ein Gebiet im tschechischen Teil der damaligen Tschechoslowakei, in dem überwiegend Deutsche nach Sprache und Herkunft lebten. Davon abgeleitet ist der Begriff
"Sudetendeutsche"
für die ehemaligen deutschsprachigen Bewohner des Sudetenlandes, der an die Stelle der älteren Begriffe
"Deutschböhmen"
und "Deutschmährer" trat. Insgesamt wurden nach Kriegsende drei Millionen der knapp über 3,2 Millionen Sudetendeutschen vertrieben. In die geräumten Regionen zogen überwiegend Tschechen aus dem Landesinnern und vorher von den Deutschen Vertriebene sowie Slowaken und
Roma
. Die meisten erhielten den Zuschlag auf die jeweilige zuvor von Sudetendeutschen oder Ungarn enteignete Immobilie unentgeltlich über ein Auslobungsverfahren, welches die Regierung unter der tschechischen und slowakischen Bevölkerung durchführte.