Der
Völkermord in Ruanda
entstand aus dem Jahrzehnte schwelenden Konflikt zwischen den Volksgruppen der
Hutu
und
Tutsi
. Als Auslöser für den Genozid an der Tutsi-Minderheit gilt das Attentat auf den Hutu-Präsidenten
Juvenal Habyarimana
, dessen Flugzeug am 6. April 1994 beim Landeanflug auf
Kigali
von einer Rakete abgeschossen wurde. Radikale Hutu-Milizen lasteten den Mord der Tutsi-Minderheit an und riefen zu Vergeltung auf. Sie töteten mindestens 800.000 Tutsi und gemäßigte Hutu. Viele Opfer wurden mit
Macheten
in Stücke gehackt, andere bei lebendigem Leib in Kirchen verbrannt, in denen sie Zuflucht gesucht hatten.
Der damalige Völkermord war nach drei Monaten beendet worden, nachdem die
Patriotische Front (RPF)
des heutigen ruandischen Präsidenten
Paul Kagame
, ein Tutsi, von Uganda aus einmarschiert war und die Hutu-Milizen verjagt hatte.
Nach Angaben von Menschenrechtlern und Helfern war der Völkermord geplant. Ziel der Gräueltaten sei die Ausrottung der Tutsi gewesen, die etwa elf Prozent der ruandischen Bevölkerung ausmachten.
Seit Generationen prägen die Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen der
Hutu
und der
Tutsi
die Geschichte des kleinen, aber bevölkerungsreichen Staates
Ruanda
im Zentrum
Afrikas
. Traditionell beherrschte das Hirtenvolk der Tutsi die Mehrheit der bäuerlichen Hutu. Seit der Unabhängigkeit 1962 dominierten dagegen die Hutu. Als sich deren Regime 1994 von einer Exilarmee der Tutsi bedroht sah, begingen die Hutu den
Genozid
.
Infolge des Bürgerkriegs, der dem Völkermord folgte, flohen weit mehr als zwei Millionen
Ruander
, mehrheitlich
Hutus
, nach
Burundi
,
Tansania
,
Uganda
und in den
Kongo
(damals
Zaire
).
Seit 1996 befasst sich ein von den
Vereinten Nationen
eingerichteter
Strafgerichtshof (ICTR)
im tansanischen Arusha mit dem
Genozid
.