Die Gefahr des Rauchs
Bei den Wald- und Torfbränden in Russland verbrennt organisches Material. Dabei werden mehrere Gase freigesetzt, vor allem Kohlendioxid (CO2) und das weitaus giftigere Kohlenmonoxid (CO). Eine Vergiftung mit Kohlenmonoxid kann im Extremfall zum Erstickungstod führen.
Das Gas bindet sich dabei an roten Blutkörperchen, die eigentlich für den Transport von Sauerstoff zuständig sind. Bei der Vergiftung wird also CO statt Sauerstoff in die Organe transportiert. Die Zellen ersticken dadurch. "Es ist, als wenn man sich bei laufendem Motor in einer geschlossenen Garage ins Auto setzt", sagt Bundesfeuerwehrarzt Hans-Richard Paschen.
Vergiftungen durch Rauchgas sind immer Mischvergiftungen, nahezu alle Todesfälle werden aber durch CO verursacht.
In Russland kommen die starke Hitze und Rußpartikel hinzu. In der Lunge können Rußpartikel zu einer chemischen Schädigung der Schleimhaut führen. Diese kann wieder ausheilen, bei intensiverer Belastung aber auch das Lungengewebe verändern und verhärten.
Für die meisten Menschen in Moskau besteht bisher keine Gesundheitsgefahr. Wer aber unter Vorerkrankungen der Lunge leidet, sollte sich am Besten nur in geschlossenen Räumen aufhalten.
Feuchte Tücher vor dem Mund sowie vor Fenstern und Türen helfen nur bedingt. Sie schützen hauptsächlich vor Rußpartikeln, helfen aber nicht gegen die giftigen Gase in der Atemluft. Dasselbe gilt für häufiges Duschen und Mundschutz.
Bei den Bränden werden große Mengen an Treibhausgasen frei, wie Kohlendioxid, Methan und Stickoxide. Die Emissionen sind bei Torfbränden noch viel höher als bei Waldbränden, da sich im Torf über Jahrtausende Biomasse, und damit Kohlenstoff, angesammelt hat. Beim Feuer wird auf einmal sehr viel CO2 freigesetzt. "Wie viel genau, können die Satelliten erst messen, wenn sich der Rauch verzogen hat", sagt Florian Siegert, Biologieprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
Die Gase bleiben in der Atmosphäre. Wald und Torf müssten auf der gleichen Fläche wieder wachsen - bei Torfbeständen dauert dies jedoch bis zu 10.000 Jahre.