Jehovas Zeugen berufen sich auf eine
"Neue Welt"-Übersetzung der Bibel. Die Bezeichnung Jehova für Gott bezieht sich auf die Bibelworte Jesaja 43:10 und 12. Charles Taze Russell gründete die Vereinigung 1881 in den USA, seit 1897 erscheint das
Zeugen-Zentralorgan "Wachtturm" auch auf Deutsch. Unter den Nazis wurden die "Bibelforscher" verfolgt. In der DDR waren sie verboten. Nach eigenen Angaben gibt es heute
165.000 Zeugen in Deutschland in 2227 Versammlungen. Weltweit sollen sieben Millionen Menschen Zeugen sein.
Sex vor der Ehe ist tabu ("Hurerei"). Um seine Triebe zu kontrollieren, wird empfohlen: "Haltet euch nicht zu lange beim Verabschieden auf" und "In gefährlichen Situationen: Beten". Auch Selbstbefriedigung ist der Satan. "Masturbation ist ganz und gar nicht harmlos", es sei "eine unreine Gewohnheit". Darum ist auch jegliche Pornografie verboten: "Pornografie ist Anti-Liebe. Sie ist hässlich, grausam und zerstörerisch."
Im Buch "Fragen junger Leute. Praktische Antworten" haben die Zeugen Jehovas auf 320 Seiten zusammengetragen, wie sich junge Gläubige zu verhalten haben. Die Autoren ermuntern dazu, Freunde an die Versammlung zu verraten, wenn diese gesündigt hätten ("Die Sünde ist eine fäulniserregende und zerstörerische Kraft"). Sie rufen dazu auf, sich von Gleichaltrigen loszusagen ("Es ist besser, ein wenig unter Einsamkeit zu leiden, als sich durch Gruppenzwang geistig und moralisch niederreißen zu lassen"). Auch Mode ist eine Verdammnis ("Trage keine extravagante oder sexbetonte Kleidung. Sei lieber etwas konservativer").
Wer nicht mehr Zeuge sein will, kann zwar aus der Gemeinschaft austreten. Da aber alle
sozialen Kontakte zurückbleiben, führt ein Ausstieg oft zu "vollkommener sozialer Isolation", sagte der Psychologe Dieter Rohmann dem "SZ-Magazin". Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland 40.000 Aussteiger der Zeugen Jehovas. Der
Verein Netzwerk Sektenausstieg informiert und hilft Aussteigewilligen.