Dienstag, 24. März
Ich bin verliebt, aber ihr Vater ist dagegen. Ich bin nicht jüdisch, und dass ich aus Deutschland komme, hilft nicht gerade. Sie heißt Liat, wir haben uns beim Purim-Fest kennengelernt. Wir gehen ins Kino, "Der Baader Meinhof Komplex". 150 Minuten Straßenkampf, Geballer, Bomben und Gefluche. Als die RAF-Leute im Film in einem Palästinenser-Guerilla-Camp in Jordanien sind, fragt sie: "Ist das wahr? Ist das wirklich passiert?" Ist es.
"Was ist los mit euch Deutschen?", sagt sie vor dem Kino. "Müsst ihr immer alle umbringen?" Spät in der Nacht schleichen wir uns in ihr Zimmer. "Morgen früh warten wir, bis alle zur Arbeit gegangen sind und die Wohnung leer ist."
Nach dem Aufwachen sitze ich auf Liats Bett, unter dem Fenster. Die erste Frühlingswärme zieht herein. Liat ist in der Küche, Papa ist doch nicht so früh zur Arbeit gegangen. Sie diskutieren. Ich fühle mich, als wäre ich wieder 15, und der Vater findet, dass es noch zu früh ist, den Freund mit nach Hause zu bringen. Ich warte. 10 Minuten, 20 Minuten. Ich döse ein. Als ich wieder aufwache, liegt Liat neben mir. Sie schaut traurig. Sie sagt: "Hierher können wir so schnell nicht wieder."
Freitag, 27. März
Das Spiel geht 1:1 aus.
Sonntag, 5. April
Matthias ist aus Deutschland zu Besuch, wir gehen zur Palmsonntag-Prozession. An diesem Tag zog Jesus laut Bibel in Jerusalem ein, seine Anhänger begrüßten ihn mit Palmwedeln, die sie in der Luft schwenkten und dann auf den Boden legten. Wir stehen am Ölberg östlich der Altstadt, am Rand einer schmalen Gasse. Junge Palästinenser in bunten Uniformen sind um uns herum, es sind christliche Pfadfinder. Sie haben ein Barett auf und ein Halstuch um. Sie marschieren im Gleichschritt. Ein wenig sehen sie aus wie Polizei oder Militär.
Hinter ihnen läuft eine Pilgergruppe aus Südkorea, die lauthals Kirchentagslieder singt. Dann kommen Franziskaner-Mönche. Einige von ihnen haben sich den Palmzweig als Sonnenschutz auf den Kopf gebunden. Matthias macht Fotos. Ich denke an den Straßenkarneval im Rheinland, die Blaskapellen, die Funkenmariechen, die Mottowagen. Matthias sagt: "Da hinten kommen Messdiener, das siehst du an den Gewändern. Und da, da wo es lila wird, läuft der Klerus." Ich glaube, Matthias könnte gut am Rosenmontag aus Mainz, Köln oder Düsseldorf kommentieren. Vielleicht schlage ich ihm das mal vor.
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