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Als Häftling an die Uni Kleine Freiheit

Gefangener Student Sebastian: Wie viele Freigänger es den Unis gibt, weiß niemandZur Großansicht
Frank Boxler

Gefangener Student Sebastian: Wie viele Freigänger es den Unis gibt, weiß niemand

3. Teil: Kommilitone Knacki - Wie Sebastian sich den Studienplatz erkämpfte

Die Haft habe ihn verändert, sagt Sebastian. Das Leben im geschlossenen Vollzug sei hart. Wer Gefühle oder Schwäche zeige, werde gemobbt. Drastisch schilderte ihm ein Psychologe die Langzeitfolgen der Drogen, mit denen er sein schnelles Geld gemacht hatte. Er gewann Abstand von den alten Freunden. Die Beziehung zur Familie wurde enger, sie gab ihm Halt, unterstützte seine Pläne.

Denn daran hält er auch in Haft fest: so schnell wie möglich ein Studium zu beginnen. Das naheliegende, ein Fernstudium, ist ohne Internetzugang kaum möglich - den gibt es bundesweit aber nur in zwei speziellen Studienzentren für Häftlinge, in Freiburg und Berlin. Nicht in Bayern. Sebastians Anliegen geht bis in den Bayerischen Landtag, Erfolg hat es nicht. Schließlich überzeugt er den Bayreuther Anstaltsleiter Dieter Waas. "Sebastian hatte sehr klare Vorstellungen und ist uns geschildert worden als zugänglicher und fleißiger Mann, der viel Energie auf sein Ziel verwandt hat."

Dann galt es noch, die Uni für den Plan zu gewinnen. Es gibt eine Klausel, wonach die Uni einen Bewerber ablehnen kann, der zu mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt ist und dessen Straftat den Studienbetrieb stören könnte. "Wir haben große Bedenken gehabt, denn Drogenhandel ist eine kritische Sache", sagt Helmut Übelhack, Leiter der Studentenkanzlei.

Einen Euro Lohn gibt's pro Semesterwochenstunde

Es gibt einen Gesprächstermin. Übelhack, die Abteilungsleiterin für akademische Angelegenheiten und eine Studienberaterin befragen Sebastian. Eine der Frauen sagt: "Wie soll ich reagieren, wenn eine Mutter zu mir kommt und fragt, warum ein Drogenhändler im Hörsaal neben ihrem Kind sitzen darf?" Sebastian weiß keine Antwort. Er fürchtet, dass seine Studienpläne geplatzt sind. Doch die Uni gibt ihm eine Chance: Drei Tage später kommt die Zusage.

Sebastian beantragt Urlaub, um von seinen Eltern Kleidung zu holen - bloß nicht im Anstaltspulli in den Hörsaal! Keine Woche später wird er aus dem geschlossenen Vollzug in Niederschönenfeld bei Augsburg nach Bayreuth verlegt, am Montag darauf geht er zum ersten Mal zur Uni. Seine Eltern, der Vater ein selbständiger Handwerker, bezahlen die Studiengebühren. Das Gefängnis gibt ihm einen guten Euro Lohn pro Semesterwochenstunde, Bildung gilt als Arbeit. Von dem Geld bezahlt Sebastian das Mensa-Essen.

"Mehr Bildung ist immer ein Gewinn", sagt JVA-Leiter Waas. Ob ein im Gefängnis nachgeholter Hauptschulabschluss oder ein Studium, beides mache ein straffreies Leben nach der Haft wahrscheinlicher.

Seine Entscheidung, straffrei zu leben, sei längst gefallen, sagt Sebastian, schon vor dem Studium. Aber natürlich helfe es, diesen Entschluss umzusetzen. "Ich habe jetzt mit Leuten zu tun, für die Leben etwas anderes bedeutet, als jeden Tag auf der Straße rumzuhängen und Blödsinn zu machen."

Bisher sind alle Prüfungen gut gelaufen. Die nächsten acht Semester seines Studiums wird Sebastian, wenn seine Vorsätze halten, in Freiheit verbringen. Bald wird er zwei Drittel der Strafe verbüßt haben - und kommt frei.

Er will mit einer Kommilitonin eine Wohngemeinschaft gründen, keinesfalls in einem Studentenwohnheim leben. "Lange, dunkle Gänge und graue Türen", sagt Sebastian. "Da käme ich mir vor wie im geschlossenen Vollzug."

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insgesamt 16 Beiträge
papp-kopp 14.12.2009
Na klasse. Abgesehen von dem löblichen Ehrgeiz des jungen Mannes und seiner neu gewonnen Lauterkeit: Hätte er sich ja vorher überlegen können. 3 Jahre Haft sind als Strafe ok für 'n Dealer. Und Strafe ist Strafe. Studieren kann [...]
Na klasse. Abgesehen von dem löblichen Ehrgeiz des jungen Mannes und seiner neu gewonnen Lauterkeit: Hätte er sich ja vorher überlegen können. 3 Jahre Haft sind als Strafe ok für 'n Dealer. Und Strafe ist Strafe. Studieren kann er ja dann meinetwegen hinterher. Kann sich jeder popelige Anstaltsleiter über ein Richterurteil hinwegsetzen? Echt toll, wie Justitia hierzulande mit Füßen getreten wird.
1976er 14.12.2009
Was mir nicht in den Kopf geht ist folgendes: Dieser Mann begeht eine Straftat, stürzt andere in die Drogensucht und als "Belohnung" darf er nicht nur studieren, nein, die Anstalt zahlt im auch noch Geld für jede [...]
Was mir nicht in den Kopf geht ist folgendes: Dieser Mann begeht eine Straftat, stürzt andere in die Drogensucht und als "Belohnung" darf er nicht nur studieren, nein, die Anstalt zahlt im auch noch Geld für jede gelistete Studierstunde!!! Also, da frage ich mich doch allen ernstes warum andere Studenten neben dem Studium arbeiten gehen müssen um sich Geld für Wohnung, Mensa etc zu verdienen. Das deutsche Rechtssystem, bist Du ehrlich bist Du der gelackmeierte! Wundervoll!!!
baiatul 14.12.2009
So ist das eigentlich richtig. Warum nicht? Er hat niemanden umgebracht. Überhaupt sollte in Gefängnissen den Leuten viel mehr Bildung beigebracht werden. Bildung aller Art. Heutzutage kommen die meisten Verurteilten blöd [...]
Zitat von sysopSebastian sitzt wegen Drogenhandels im Gefängnis, doch für ein paar Stunden am Tag darf er raus, an die Uni Bayreuth. Als Freigänger studiert er nebenbei Ingenieurwesen - ein Neuanfang, seine große Chance. Sich die zu erkämpfen, war gar nicht so leicht. http://www.spiegel.de/unispiegel/heft/0,1518,656753,00.html
So ist das eigentlich richtig. Warum nicht? Er hat niemanden umgebracht. Überhaupt sollte in Gefängnissen den Leuten viel mehr Bildung beigebracht werden. Bildung aller Art. Heutzutage kommen die meisten Verurteilten blöd dorthin. Und noch blöder, aber dafür obendrein auch noch brutaler und schön vorbestraft, wieder raus. Prost Neujahr also. Prost Neuanfang.....
eximius 14.12.2009
Sebastian - deine Studienvoraussetzungen sind garnicht mal so schlecht! Im offenen Vollzug kannst Du dich wenigstens konsequent auf dein Studium konzentrieren. Andere Studenten haben nicht die Möglichkeit, sich so konzentriert dem [...]
Sebastian - deine Studienvoraussetzungen sind garnicht mal so schlecht! Im offenen Vollzug kannst Du dich wenigstens konsequent auf dein Studium konzentrieren. Andere Studenten haben nicht die Möglichkeit, sich so konzentriert dem Studium zu widmen. Mach was draus, nutze deine Zeit und schätze die Situation! Dies soll natürlich kein Vorschlag für verschärfte Studienbedingungen sein ;) Alles Gute!
citizenkane 14.12.2009
Nur durch Schulische Bildung und beruflicher Weiterbildung haben Häfltline eine hance nach der Entlassung in unserer harten Gesellschaft zu bestehen. Es sollte für alle Häftlinge Pflicht sein sich auf der eine oder anderen [...]
Nur durch Schulische Bildung und beruflicher Weiterbildung haben Häfltline eine hance nach der Entlassung in unserer harten Gesellschaft zu bestehen. Es sollte für alle Häftlinge Pflicht sein sich auf der eine oder anderen Weise weiterbilden zu müssen. Nur so können wir dafür sorgen das Häftling nicht sofort wieder nach ihrer Entlassung straffällig werden und die Kosten der Justiz in die Höhe treiben. Nicht vergessen, wir reden hier von Kleinkriminellen und nicht von Mördern und Sexualstraftätter. Jeder Antrag muss natürlich genaustens geprüft werden denn die Sicherheit der Bevölkerung geht natürlich vor.
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