Hochschulrankings: "Untauglicher denn je"

Die Hochschule Merseburg kam bei Rankings stets gut weg - und steigt trotzdem aus dem Ranglistensystem aus. Professor Wolfgang Berg, Dekan des Fachbereichs Soziale Arbeit, warnt Abiturienten davor, bei der Hochschulwahl auf die Listen zu starren.

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Peter Eichler

Dekan Wolfgang Berg: Abiturienten wählen auch ohne Rankings klug

UniSPIEGEL: Ihr Fachbereich will nicht mehr beim Hochschulranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) mitmachen. Dabei haben Sie bisher immer gut abgeschnitten. Haben Sie Angst, dieses Mal schlecht bewertet zu werden?

Wolfgang Berg: Überhaupt nicht, wir halten das Ranking mit Blick auf die aktuelle hochschulpolitische Landschaft nur für untauglicher denn je.

UniSPIEGEL: Warum? Es basiert doch nach wie vor auf den Bewertungen Tausender Studenten.

Berg: Ja, aber das sind doch Stimmungsbilder, abhängig von individuellen Erwartungen und Ansprüchen. Es ist zum Beispiel anzunehmen, dass Studierende, die Studiengebühren entrichten müssen, wie beispielsweise noch in Hamburg oder Baden-Württemberg, die Bedingungen an ihrer Uni kritischer sehen als die, die umsonst studieren dürfen wie hier bei uns in Sachsen-Anhalt. Wer zahlen muss, reagiert auf überfüllte Lehrveranstaltungen wahrscheinlich ungehaltener.

UniSPIEGEL: Andererseits haben Unis, die mit Studiengebühren hantieren, die Möglichkeit, ihre Studenten zu beschenken. Könnte deren Dankbarkeit nicht auch zu positiven Bewertungen führen?

Berg: Doch, absolut! Manche Unis wissen dank der Studiengebühren gar nicht mehr, wohin mit dem Geld, und haben den Studenten etwa Laptops finanziert. Wir sind uns sicher, dass auch so etwas eine Beurteilung beeinflussen kann - und schon ist sie fachlich nicht mehr angemessen.

UniSPIEGEL: Und nun - gar kein Ranking mehr?

Berg: Methodisch ist es immer falsch, Einschätzungen einer Gruppe A zu B mit dem Urteil der Gruppe C zu D zu vergleichen. Man kann daraus nicht ableiten, ob B oder D besser ist. Übrigens schon gar nicht, wenn die Urteile mehrere Jahre alt sind. Befragungen von Oktober 2010 werden vom CHE ja noch bis 2013 veröffentlicht - auch wenn in dieser Zeit Studiengebühren eingeführt oder abgeschafft, Curricula verändert oder Labore eröffnet wurden.

UniSPIEGEL: Nach welchen Kriterien sollen Abiturienten ihre Wahl denn treffen?

Berg: Studierende sollten ihre Wunsch-Unis genau angucken und sich fragen, was ihnen besonders wichtig ist: zum Beispiel Praxisbezug, Tutorien, Internationalität, aber auch solche Dinge wie Heimatnähe oder Stadtgröße. Ich traue allen Abiturienten zu, auch ohne Rankings eine kluge Wahl zu treffen.

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1. Ausserdem
Dumme Fragen 16.05.2011
sollten die Studenten gucken, ob die Lehrkräfte aktuell publizieren (möglichst jährlich) und ob sie ihre Artikel in guten Journals unterbringen können. Auch wichtig ist die Einwerbung von Drittmitteln - wenn jemand seit 10 Jahren keine mehr bekommen hat, Finger weg von dem! (Für die Bachelor- und Masterarbeiten!) Um eine Uni vorher zu prüfen: eingeworbene Drittmittel pro Professor sowie Publikationen pro Professor beachten. Also nicht die Gesamtsumme an Drittmitteln, die eine Uni bzw. eine Fachrichtung eingeworben hat, sondern auf die Pro-Kopf-Summe achten. 100 Profs mit durchschnittlich 10.000 Euro kommen auf 1 Million, 10 Profs mit 90.000 Euro nur auf 90.000 Euro Drittmittel - man sollte die Uni mit den 10 Profs auswählen! Ähnlich ist es mit der Publikationsleistung. Man sollte sich nur Arbeitsgruppen suchen, wo man mit einer Publikation aus der Masterarbeit entlassen wird. Die Arbeit selbst nämlich verstaubt sonst nur in der Bibliothek.
2.
Hador 16.05.2011
Zitat von Dumme Fragensollten die Studenten gucken, ob die Lehrkräfte aktuell publizieren (möglichst jährlich) und ob sie ihre Artikel in guten Journals unterbringen können. Auch wichtig ist die Einwerbung von Drittmitteln - wenn jemand seit 10 Jahren keine mehr bekommen hat, Finger weg von dem! (Für die Bachelor- und Masterarbeiten!) Um eine Uni vorher zu prüfen: eingeworbene Drittmittel pro Professor sowie Publikationen pro Professor beachten. Also nicht die Gesamtsumme an Drittmitteln, die eine Uni bzw. eine Fachrichtung eingeworben hat, sondern auf die Pro-Kopf-Summe achten. 100 Profs mit durchschnittlich 10.000 Euro kommen auf 1 Million, 10 Profs mit 90.000 Euro nur auf 90.000 Euro Drittmittel - man sollte die Uni mit den 10 Profs auswählen! Ähnlich ist es mit der Publikationsleistung. Man sollte sich nur Arbeitsgruppen suchen, wo man mit einer Publikation aus der Masterarbeit entlassen wird. Die Arbeit selbst nämlich verstaubt sonst nur in der Bibliothek.
Publikationen alleine sagen auch nicht viel aus. Bei der Flut von Publikationen, die inzwischen durchs Internet schwappt, kann man auch mit 08/15 Leistungen viele Publikationen erreichen. Interessanter ist da WO publiziert wird und wie oft die Artikel zitiert werden. Übrigens: Die Abschlussarbeit selbst verstaubt in 90% aller Fälle so oder so in der Bibliothek. Im Normalfall wird das Teil höchstens in der eigenen Arbeitsgruppe und vielleicht von einigen wenigen außerhalb gelesen. Sollte aber auch niemanden überraschen, bei der gigantischen Zahl von Hochschulabsolventen pro Jahr kann nicht jeder ein Standardnachschlagewerk als Masterarbeit verfassen.
3. Nein, keinen Titel....
Hador 16.05.2011
Zitat von sysopDie Hochschule Merseburg kam bei Rankings stets gut weg - und steigt trotzdem aus dem Ranglistensystem aus. Professor Wolfgang Berg, Dekan des Fachbereichs Soziale Arbeit, warnt Abiturienten davor, bei der Hochschulwahl auf die Listen zu starren. http://www.spiegel.de/unispiegel/heft/0,1518,756200,00.html
Der Professor hat prinzipiell Recht, aber leider sind seine Vorschläge in der Praxis gar nicht so einfach umzusetzen. Einige der von ihm angesprochenen Punkte sind nämlich für Aussenstehende gar nicht einfach zu beurteilen. Nehmen wir die Tutorien: Welche Uni verspricht denn bei Schnupperveranstaltungen oder auf Nachfragen nicht das Blaue vom Himmel? Welche Uni gibt schon zu, dass 90% der Tutorien von Studenten geleitet werden, die den Job bloß machen weil sie Geld brauchen, deren Kentniss des Stoffes oft nur unwesentlich besser ist als die der Tutoriumsteilnehmer und die oftmals die pädagogischen Talente von einem Stück Holz haben? Und welche Uni wuchert nicht mit ihren Pfründen beim Praxisbezug? Welche Uni schiebt hier nicht einige tolle Kooperationen mit Topfirmen in den Vordergrund und lässt das Groß der Praktia ausser Acht? Welche Uni gibt schon zu, dass tolle Praktikumsstellen meist auf Eigeninitative der Studenten zurückgehen und nicht auf die tolle Hilfe der Uni? Mit das Beste was man noch machen kann ist zu versuchen sich bei älteren Studenten zu informieren, aber auch da muss man aufpassen, denn wie der Herr Professor schon schreibt: Die sind meist auch wieder nicht objektiv und ausserdem fehlt in deren Erfahrungen der Vergleich zu anderen Unis. Insofern gibts da keinen Königsweg. Man muss sich halt, wie auch schon in der Vergangenheit immer, seinen Weg sogut es geht selbst suchen und schauen, dass man im Uni-Dschungel irgendwie zurecht kommt.
4. Irrelevant
Prinzentaler 16.05.2011
Zitat von Dumme Fragensollten die Studenten gucken, ob die Lehrkräfte aktuell publizieren (möglichst jährlich) und ob sie ihre Artikel in guten Journals unterbringen können. Auch wichtig ist die Einwerbung von Drittmitteln - wenn jemand seit 10 Jahren keine mehr bekommen hat, Finger weg von dem! (Für die Bachelor- und Masterarbeiten!) Um eine Uni vorher zu prüfen: eingeworbene Drittmittel pro Professor sowie Publikationen pro Professor beachten. Also nicht die Gesamtsumme an Drittmitteln, die eine Uni bzw. eine Fachrichtung eingeworben hat, sondern auf die Pro-Kopf-Summe achten. 100 Profs mit durchschnittlich 10.000 Euro kommen auf 1 Million, 10 Profs mit 90.000 Euro nur auf 90.000 Euro Drittmittel - man sollte die Uni mit den 10 Profs auswählen! Ähnlich ist es mit der Publikationsleistung. Man sollte sich nur Arbeitsgruppen suchen, wo man mit einer Publikation aus der Masterarbeit entlassen wird. Die Arbeit selbst nämlich verstaubt sonst nur in der Bibliothek.
Diese Dinge halte ich für ein Bachelorstudium für nahezu völlig irrelevant. Bei einem Master sieht das natürlich anders aus.
5. So einfach ist das nicht.
solarfighter 16.05.2011
Zitat von Dumme Fragensollten die Studenten gucken, ob die Lehrkräfte aktuell publizieren (möglichst jährlich) und ob sie ihre Artikel in guten Journals unterbringen können.
Kann ein Abiturient wirklich beurteilen, was „gute Journals“ sind? Es gibt viele Fachpublikationen, die sich außenstehenden überhaupt nicht erschließen. Wie soll ein Forscher, der in Forschungbereich A arbeitet und im Fachblatt a publiziert, mit einem anderen Forscher vergleichbar sein, der im Forschungsgebiet B arbeitet und in Fachblatt b publiziert. Selbst die reine Anzahl an Publikationen sagt wenig aus. Es kommt viel mehr auf die Gewichtigkeit der Artikel an. Das gilt auch nur für eher praxisnahe Fachgebiete. Manche kommen auch ganz ohne Drittmittel aus, weil diese für den eigenen Bereich überhaupt nicht benötigt werden.
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