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Mini-Master mit nur zwei Studenten: Zu zweit ist man weniger allein

Studenten Katharina und Michael: "Am Handy rumspielen oder schwänzen fällt sofort auf"Zur Großansicht

Studenten Katharina und Michael: "Am Handy rumspielen oder schwänzen fällt sofort auf"

Verkatert zur Uni? In der Vorlesung dösen? Heimlich mit dem Nachbarn tuscheln? Katharina Häringer, 24, und Michael Nützel, 23, müssen sich das verkneifen. Sie studieren Musikjournalismus in München - und sind die einzigen Studenten. Ihnen gefällt ein Studium zu zweit. Meistens.

UniSPIEGEL: Okay, Massenuni ist auch blöd. Aber ein Studiengang mit nur zwei Leuten stellen wir uns schon irgendwie trostlos vor.

Katharina: Ich erinnere mich noch an die erste Vorlesung. Ich saß schon mit dem Dozenten im Seminarraum, und dann kam Michael zur Tür rein, und der Dozent meinte zu ihm: "Mach doch die Tür zu, wir sind komplett." Da haben wir beide uns verblüfft angeschaut und waren erst mal fertig. Aber das hat sich gelegt. Mittlerweile fühlen wir uns eigentlich ganz wohl so.

UniSPIEGEL: Man kommt sich natürlich sehr nahe in den Veranstaltungen.

Katharina: Wenn jemand unpässlich, verkatert oder irgendwie unglücklich ist, kriegt der andere es auf jeden Fall sofort mit. Mit den Dozenten ist es ähnlich. Die wissen sehr genau, wo wir herkommen, wer unsere Partner sind und wo der nächste Urlaub hingeht.

Michael: Wir duzen auch alle Dozenten. Alles andere wäre in dieser kleinen Gruppe absurd.

UniSPIEGEL: Lernt man nicht auch viel mehr, wenn die Gruppe so klein ist?

Katharina: Uns kommt es schon zugute. Wir werden sehr individuell betreut, wenn einer von uns etwas nicht versteht, wird es ihm direkt noch mal erklärt. Wir können hier also eigentlich gar nicht durchfallen. Aber manchmal ist es auch ein wenig wie in der Schule. Am Handy rumspielen oder schwänzen fällt sofort auf. Deshalb machen wir das gar nicht erst.

Michael: Genau, man kann sich nicht verstecken! Ich hätte zum Beispiel auch ein brutal schlechtes Gewissen gegenüber den Dozenten, wenn ich mal die Hausaufgaben vergessen würde. Darauf bauen die Seminare ja auf, und ohne ist gar kein Unterricht möglich.

UniSPIEGEL: Was ist denn, wenn einer von euch ausnahmsweise nicht kommen kann?

Michael: Wenn einer von uns beiden krank ist, fällt meistens die Uni aus.

UniSPIEGEL: Sehnt ihr euch nicht manchmal nach größeren Veranstaltungen?

Katharina: Im Wahlfach können wir zu den Vorlesungen der Kulturmanagementstudenten gehen, da sind 18 Leute. Mega-anonym (lacht). Da sitzen wir dann nie in der ersten Reihe, sondern ganz hinten und fühlen uns studentisch.

UniSPIEGEL: Und wie finden es eure Partner, dass ihr den ganzen Tag mit einer anderen Person verbringt?

Michael: Als ich meiner Freundin erzählt habe, dass wir nur zu zweit sind, hat sie schon gefragt "Mädchen oder Junge?" Klar, Katharina und ich sind zwangsläufig sehr eng miteinander, es ist ja niemand anderes da. Da ist es gut, dass wir uns auch ohne diesen äußeren Zwang gut verstanden hätten, da bin ich mir sicher. Aber eifersüchtig ist meine Freundin nicht.


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REUTERS; DPA; dapd; AP

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insgesamt 33 Beiträge
Björn Borg 25.04.2013
Was für ein Wahnsinn! Was für eine unsinnige Verschwendung von Steuergeldern! Weiß jemand hier noch, was UNIVERSITAS bedeutet?! Die beiden wären mit einem Volontariat bei einem größeren Radiosender und einem Praktikum [...]
Zitat von sysopVerkatert zur Uni? In der Vorlesung dösen? Heimlich mit dem Nachbarn tuscheln? Katharina Häringer, 24, und Michael Nützel, 23, müssen sich das verkneifen. Sie studieren Musikjournalismus in München - und sind die einzigen Studenten. Ihnen gefällt ein Studium zu zweit. Meistens. Musikjournalismus in München: Zu zweit studieren - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/unispiegel/heft/musikjournalismus-in-muenchen-zu-zweit-studieren-a-894823.html)
Was für ein Wahnsinn! Was für eine unsinnige Verschwendung von Steuergeldern! Weiß jemand hier noch, was UNIVERSITAS bedeutet?! Die beiden wären mit einem Volontariat bei einem größeren Radiosender und einem Praktikum bei einer Zeitung wohl ausreichend gut ausgebildet. Ein Studium - beinahe egal, welcher Fächer - sollte ihnen den Horizont für größere Zusammenhänge öffnen. Genau dies unterbleibt aber: Das zeigt den ganzen Irrsinns unseres Bildungssystems auf. Die jetzt gemachten Fehler werden sich in zwei Generationen bitterböse rächen.
MoQ 25.04.2013
Über die Qualität und Inhalte des genannten Studiums "Musikjournalismus" weiß ich nicht Bescheid, daher würde ich es mir nicht anmaßen, über die Sinnhaftigkeit zu urteilen. Warum können Sie das? Und ein solcher [...]
Zitat von Björn BorgWas für ein Wahnsinn! Was für eine unsinnige Verschwendung von Steuergeldern! Weiß jemand hier noch, was UNIVERSITAS bedeutet?!
Über die Qualität und Inhalte des genannten Studiums "Musikjournalismus" weiß ich nicht Bescheid, daher würde ich es mir nicht anmaßen, über die Sinnhaftigkeit zu urteilen. Warum können Sie das? Und ein solcher Studiengang ist die absolute Ausnahme. Es gibt genug überlaufene Studiengänge mit mehr Studenten als Sitzplätze im Hörsaal. Ich finde es gut, dass das Studium angeboten und auch mit nur 2 Studenten durchgeführt wird. Das macht doch gerade die Bildungslandschaft aus: Vielfalt.
ernada 25.04.2013
Fänd ich super wenn's beim Bwl studium so zugehen würde
Fänd ich super wenn's beim Bwl studium so zugehen würde
Björn Borg 25.04.2013
Sie finden das gut, weil Ihnen bereits der Überblick (UNIVERSITAS) darüber fehlt, wieviel hundert oder gar tausend solcher überflüssigen Mini-Studiengänge inzwischen bundesweit geschaffen wurden. Spezialisten auszubilden, [...]
Zitat von MoQIch finde es gut, dass das Studium angeboten und auch mit nur 2 Studenten durchgeführt wird. Das macht doch gerade die Bildungslandschaft aus: Vielfalt.
Sie finden das gut, weil Ihnen bereits der Überblick (UNIVERSITAS) darüber fehlt, wieviel hundert oder gar tausend solcher überflüssigen Mini-Studiengänge inzwischen bundesweit geschaffen wurden. Spezialisten auszubilden, ist aber nicht die Aufgabe der Universitäten. An Universitäten sollen Menschen SICH ausbilden, und zwar breit - was Sie gut finden, gehört an Fachhoch- oder gar an Berufsschulen. Solch ein Studiengang hätte daher niemals akkreditiert werden dürfen: Er trägt dazu bei, unsere Universitätslandschaft zu zerstören.
hermes69 25.04.2013
würde das sicher sehr gut tun! Mein ich nur halb sarkastisch ;)
Zitat von ernadaFänd ich super wenn's beim Bwl studium so zugehen würde
würde das sicher sehr gut tun! Mein ich nur halb sarkastisch ;)
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  • Donnerstag, 25.04.2013 – 08:40 Uhr
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Heft 2/2013 Das große Schummeln Warum so viele Studenten bei anderen abschreiben



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