UniSPIEGEL: Wie soll man da rauskommen?
Pauer: Vielleicht muss erst der Kollaps kommen, damit dann der Neustart gelingt. Wer den Kollaps verhindern will, ist schon mal gut damit beraten, zu checken, dass er nicht allein ist, dass nie irgendwer je perfekt klarkommt. Und das Handy mal eineinhalb Stunden ausschalten! Dann mit freierem Kopf Energien sammeln und gucken, was einen interessieren könnte.
Haaf: Man sollte immer genau wissen, warum man etwas tut. Dann verweigert man wahrscheinlich an der richtigen Stelle und engagiert sich an der richtigen.
UniSPIEGEL: Ihr beiden kritisiert in euren Büchern, dass diese Generation unpolitisch sei. Dabei bescheinigt die jüngste Shell-Studie jungen Menschen ein durchaus gestiegenes politisches Interesse.
Pauer: Alle bezeichnen sich als politische Menschen, nur äußert sich das so gut wie gar nicht. So ist es bei mir ja auch, ich bin politisch, aber meine politischen Energien finden keinen Kanal. Man merkt nur: Zu den etablierten Parteien findet man keinen richtigen Zugang mehr.
Haaf: Ich finde es schlimm zu sagen, mit den Parteien funktioniert es nicht mehr so. Aber alle Studien zeigen das ja: Es gibt nur noch eine sehr schwache Identifikation mit der parlamentarischen Demokratie. Wir stehen nicht mehr zu dem System. Wir sind nicht mehr dabei, es hat nichts mit uns zu tun.
Pauer: Es ist unsexy. Leute, die in Parteien eintreten, haben keine Ansteckungskraft. Sie sind nicht sichtbar. Und sie reden nicht mit unserer Generation oder wir nicht mehr mit ihnen. Dabei sind wir politisch noch zu haben!
UniSPIEGEL: Wie sollen uns die Politiker denn erreichen?
Pauer: Es geht darum, die Leute anzuticken, die sich nur um sich selber drehen. Da ist aber keine Partei, die wirbt und uns an unsere politische Energie erinnert. Warum kriegen die Parteien das eigentlich nicht gebacken, Facebook richtig zu nutzen?
Haaf: Das stimmt schon. Andererseits bin ich mir nicht sicher, ob ich von Angela Merkel auf Facebook angequatscht werden will. Vielleicht würde ich dann mein Profil löschen.
Das Gespräch führten Lena Greiner und Daniel Sander
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