Trotz E-Assessment: Ohne persönliche Begegnung keine Einstellung
Digitales Assessment anstelle schweißtreibender Bewerbungsmarathons scheint das Modell der Zukunft zu sein - die Eignung der Kandidaten wird online ermittelt. Der Unterschied zum herkömmlichen Verfahren: Im Elektronischen Assessment (E-Assessment) stützt sich die Beurteilung potentieller Mitarbeiter, anders als im herkömmlichen Verfahren, nicht auf das Urteil des Interviewers. Vielmehr wird ausgewertet, was der Bewerber direkt oder indirekt über sich selbst verrät.
Seine eigenen Einschätzungen, Aussagen und Urteile zum Fragenkatalog lassen ein treffendes Bild über gefragte Eigenschaften wie Flexibilität, Offenheit, Stressresistenz oder Lernbereitschaft zu. Vorteil für den Bewerber: Wer sich einen Eindruck von seinen Fähigkeiten verschaffen will, erhält bei den virtuellen Tests ein objektives Ergebnis, das nicht durch persönliche Empfindungen eines Gegenübers beeinträchtigt wird.
Billiger als herkömmliche Assessment Center
Was Bewerbern und Unternehmen zermürbende Tage zwischen Rollenspielen und Psychotests erspart, soll sich auch finanziell auszahlen. Kosten herkömmliche Assessment Center zwischen 1000 und 1500 Mark pro Bewerber, so sind es beim digitalen Recruiting nur knapp 200 Mark sinken. Zudem ist eine bessere Vorauswahl möglich.
Die Firmen müssen allerdings in Technik investieren. Doch das Beispiel Cisco Systems zeigt, dass Kostendämpfung möglich ist: Die amerikanische IT-Schmiede hat nach eigenen Angaben schon 1998 mehr als 15 Millionen Mark durch den Wechsel zum E-Recruiting gespart. Aber für die Unternehmen geht es nicht allein ums Geld. Denn weil sie schriftliche Bewerbungen oft für nichtssagend halten, setzen die Personalabteilungen zunehmend auf die Ergebnisse der E-Assessments.
Eine der Vorreiter im deutschen Internet ist die Career Site von Access.de. Zusammen mit dem Mannheimer Unternehmen Alpha-test bietet das Unternehmen eignungsdiagnostische Tests für jeden Interessenten an. User können so die Tests durchlaufen, die üblicherweise bei Bewerbungsrunden verwendet werden. Danach erhalten sie ein Profil mit Erläuterungen zu den eigenen Stärken und Schwächen im Vergleich zu anderen Bewerbern.
Tricks und Finten möglich
Martin Franz von Access sieht diese E-Assessments als klaren Wettbewerbsvorteil: "Wer sich selbst kennt, hat ganz klar die besseren Chancen," verrät er auf der Homepage, "darum helfen wir Bewerbern, sich selbst besser einschätzen zu können."
Bessere Karrierechancen also durch die E-Assessments? Ganz so einfach ist die Erfolgsformel dann doch nicht. Denn eines vergessen die Verfechter virtueller Recruiting-Welten gern: Weil sich beim Assessment ist jeder ohne Kontrolle nur selbst beurteilt, ist ein zutreffendes Ergebnis nicht sicher - das E-Assessment lädt dazu ein, mit Idealantworten zu tricksen. So findet man allerdings kaum Ansätze zur persönlichen Weiterentwicklung.
Als heikles Thema sehen viele Bewerber die Datensicherheit: Ohne absolute Sicherheit wird niemand diese Angebote nutzen, möchte doch schon jeder selbst dem Chef die Bewerbungsunterlagen zukommen lassen. Deswegen halten die meisten Tests die Bewerber-Identität vor den Unternehmen verborgen.
Noch unterstützen die digitalen Assessments die herkömmlichen Auswahlverfahren eher, als sie zu ersetzen. Auch im Internet bedeutet das nach wie vor: sich digital schneller und passender zu finden, und dann persönlich kennen zu lernen.
Von Oliver Mest, Jobpilot.de
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Job & Beruf | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH