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31.12.2001
 

Serie "Bizarre Berufe"

Die Info-Jäger im Dschungel der Daten

Von Kai Lehmann

Für ihre Kunden oder firmeninterne Abteilungen schlagen sie sich durch das Wissensdickicht im Daten-Dschungel: Information-Broker. Am Ende präsentieren die Info-Jäger ihre Beute am liebsten zerlegt und multimedial aufbereitet. Know-how ist dabei ebenso unabdingbar wie Spürsinn.

Auf der Suche nach den wichtigen Daten: Info-Broker schnüffeln vor allem online
DPA

Auf der Suche nach den wichtigen Daten: Info-Broker schnüffeln vor allem online

Wie entwickelt sich der Markt für Mäusefallen? Welche Kampagnen gab es in den letzten Jahren für Mineralwasser? Und welche Patente sind bei Tragflächen im Flugzeugbau vorhanden?

Schon einige Unternehmen standen ratlos vor solchen Fragen und engagierten deshalb professionelle Besserwisser: Information-Broker sind die Stand-by-Lösung für schwierige Fälle. "Wissen ist Macht", sagte einst der Philosoph Francis Bacon. "Wissen, wo es steht!", würden Info-Broker heute kontern. Denn mit der wachsenden Info-Flut durch Datenbanken und Internet wird es schwieriger, die Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen zu sortieren.

"Ergebnisse sinnvoll aufbereiten": Christine Fisch von der Gesellschaft für Info-Wissenschaft

"Ergebnisse sinnvoll aufbereiten": Christine Fisch von der Gesellschaft für Info-Wissenschaft

"Info-Broker beschaffen nicht nur Informationen, sie analysieren auch Problemstellungen, bewerten und selektieren das Gefundene und bereiten die Ergebnisse sinnvoll auf", umreißt Christine Fisch von der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) das Tätigkeitsprofil.

Besonders kommt es dabei auf die Kompetenz in den Fachgebieten und bei den Recherchemethoden an. Zudem sollten Info-Broker gute Englischkenntnisse, eine schnelle Auffassungsgabe und analytische Fähigkeiten mitbringen. Wenn sie dann das Gefundene auch noch grafisch aufbereiten und präsentieren können, ist alles im Lot.

Per Modem auf Schatzsuche

Auch wenn die Tätigkeit nicht neu ist und früher im Gewand des Dokumentars oder Archivars daher kam, sind die alltäglichen Arbeitsmittel der Info-Broker nicht von gestern: Computer und Internet sind nicht wegzudenken aus ihren Büros. Via Modem stehen dem Infospürhund weltweit etwa 9000 Datenbanken und etliche weitere Quellen zur Verfügung, in denen vielleicht der gesuchte Schatz liegt.

Aber auch menschliche Kontakte zählen, wie Edda Bhattacharjee von "Art + Data" erleben durfte: Um Informationen zur Einführung der Milchpumpe zu beschaffen, machte sich die Frankfurterin auf den Weg in die Pfalz, um einer alten, pensionierten Hebamme bei einem Gläschen Wein die benötigten Informationen zu entlocken.

Ulrich Kämper dagegen durfte sich einmal intensiv um Fußballprofi Mario Basler kümmern. Ein Internetportal forderte alle recherchierbaren Zitate des Kaiserslauterer Kickers an. Eine eher ungewöhnliche Aufgabe, denn der Geschäftsführer der "Wind GmbH" beschäftigt sich mit seinen fünf Kollegen in erster Linie mit Wirtschafts- und Patentinformationen aus dem Bereich der Chemie und des Flugzeugbaus.

"Man darf sich nicht zu fein sein, bei schwierigen Themen externe Experten um Rat zu fragen", erläutert Kämper eine wichtige Regel der Branche: Kompetenz sei unabdingbar. "Ein Info-Broker, der angeblich alles recherchieren kann, ist unseriös."

"Nicht auf die billige Tour machbar"

Kämper mag aber auch nicht jeden Auftrag annehmen. Recherchen zum Zweck, Experten abzuwerben, so genanntes Headhunting, verstoßen ebenso gegen sein Berufsethos wie Nachforschungen zu biologischen und chemischen Waffen.

Edda Bhattacharjee dagegen schreckt vor Anfragen von Firmen zurück, die sehr billig an die gewünschten Antworten kommen möchten: "Als Medizin- und Pharma-Spezialistin habe ich eine Marktnische, die ich qualitativ hochwertig beliefern möchte. Das ist nicht auf die billige Tour machbar."

Neben Wirtschaftsinformationen handeln Info-Broker oft mit medizinischen, pharmakologischen, biologischen oder technischen Informationen. Ein Fachstudium oder zumindest solides Know-how ist da unabdingbar.

So kommen viele Info-Spezialisten auch als Quereinsteiger in der Beruf. Nach einem natur- oder ingenieurswissenschaftlichen Studium verschaffen sie sich die Recherchekompetenz beim "training on the job" oder in einem der zahlreichen Weiterbildungsangebote.

Allein 65 solcher Info-Broker-Trainings verzeichnet das Arbeitsamt in seinen Datenbanken. "Sie reichen vom zweitägigen Wochenendkurs über eine zwölf Monate dauernde Fortbildung in Vollzeitform", sagt Bernhard Hohn von der Arbeitsmarktinformationsstelle in Bonn.

Gute Aussichten für gute Spürhunde

"Die Nase prüfen": Edda Bhattacharjee von "Art + Data"

"Die Nase prüfen": Edda Bhattacharjee von "Art + Data"

Einiges lässt sich lernen, eines wohl nicht: "Man braucht einen Spürsinn, der einen bei der Recherche auf die richtige Fährte lenkt", meint die langjährige Info-Expertin Bhattacharjee. "Berufseinsteiger sollten also selbstkritisch prüfen, ob sie eine solche Nase haben."

Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, jeder darf als Info-Broker auftreten. Erstaunlich wenige Datenspürhunde kommen aus den klassischen Ausbildungsberufen, wie ihn einige Universitäten und Fachhochschulen zum Beispiel mit der Ausbildung zum Informationswirt anbieten.

Als Mär entlarvt sich der Traum von der schnellen und einfachen Selbständigkeit des Info-Brokers: "Nur die wenigsten Info-Broker können allein von den Rechercheaufträgen leben", weiß Ulrich Kämper aus seiner Zeit als Vorsitzender der DGI. Von bis zu 10.000 Info-Brokern in Deutschland schätzt Kämper gerade 200 als selbstständig ein.

Millionen sind mit dem Job eines Info-Brokers in jedem Fall nicht zu verdienen. Schätzungen in der Branche gehen von einem Anfangsgehalt um die 63.000 Mark aus. Experten auf dem Gebiet des Informationshandels kommen danach auf bis zu 120.000 Mark.

Immerhin können sich die Datenbankspezialisten auf eine rosige Zukunft freuen. Der Markt der Informationsentwicklung wächst stetig, und auch in Deutschland lernen die Firmen mit der Zeit gut recherchierte und schnell erhältliche Informationen zu schätzen - und zu bezahlen.

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