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Von Beruf Controller Die Zahlen-Kolonne

2. Teil: Waum ewige Zauderer nicht mehr gefragt sind, Dotcom-Unternehmen dringend Controller gebräucht hätten und der kaholischen Kirche ein "Prälat C" fehlt

Den eigentlichen Impuls bekam der Beruf allerdings viel später und aus dem US-amerikanischen Militär. Dort überlegte man sich nach dem Zweiten Weltkrieg, dass ein Panzer nicht nur Geld in der Anschaffung kostet, sondern auch noch in der Wartung, Pflege, Lagerung, Verschrottung. Eine Rechnung, die dem Öffentlichen Dienst im Deutschland der siebziger Jahre noch nicht in den Sinn kam. Da wurden Schwimmbäder gebaut, ohne daran zu denken, dass man sie in Stand halten, die Bademeister bezahlen, das Wasser wechseln, Chlor kaufen und Umkleidekabinen reparieren muss.

"Heute kann sich kein Betrieb mehr leisten, mit Woher-soll-ich-wissen-ob's-im-Mai-regnet-Zauderern zu arbeiten", sagt Rövekamp.

Flüge: Fragwürdige Einsparungen schaden der Kundenzufriedenheit
DPA

Flüge: Fragwürdige Einsparungen schaden der Kundenzufriedenheit

Für Controller ist die Zeit also ideal. Professor Vikas, seit über 30 Jahren als beratender Betriebswirt tätig, nennt für diese Entwicklung mehrere Gründe: Spartenorganisation und Dezentralisierung erforderten ein Kontrollinstrumentarium, vor allem bei immer größer werdenden Unternehmenseinheiten. Dabei ist die nahe liegende nicht immer die beste Lösung.

Bei der Lufthansa zum Beispiel seien in der Economy Class bei den Inlandsflügen Erfrischungstuch und Snack eingespart worden, sagt Vikas. Stattdessen könne sich der Kunde einen Schnellimbiss mitnehmen, der am Eingang bereitliegt. "Eine rein pekuniäre Maßnahme, die sicher nicht der Kundenzufriedenheit dient - und deshalb fragwürdig ist." Nun ja, mittlerweile haben die Lufthansa-Controller auch die Fresstüten gestrichen.

Was aber aus Unternehmen wird, die Controlling nicht ernst nehmen, sehe man "an den ganzen Dot.com-Unternehmen, die mit einem Riesen-Hype aufstiegen und genauso schnell auch wieder verglühten", sagt Vikas kühl.

Störfall Mensch: Vom Umgang mit Mitarbeitern

Die Hauptschwierigkeit für Controller liegt nicht im Umgang mit Planabweichungen, Kostendeckungsbeiträgen und Soll-Ist-Vorstellungen, sondern im ganz normalen, täglichen Umgang mit Mitarbeitern. "Der extrovertierte Marketing-Leiter will anders angesprochen sein als der techniklastige Produktionsingenieur", sagt Rövekamp, "bei beiden ist nur eines gleich: Vermeide als Controller immer die Frage: Wie kommt diese Abweichung zu Stande? Sonst fühlen die sich angegriffen, mauern, meckern."

Autoindustrie
DPA

Autoindustrie

Welches kranke Hirn, so war Rövekamp vor Jahren einmal ganz freundlich und leise gefragt worden, welches kranke Hirn hat sich denn das ausgedacht? ",Wir beide gehen jetzt mal Kaffee trinken, ohne Handy und Stress', hab ich dem geantwortet; man ist als Controller immer auch Verkäufer seiner Ideen. Und wenn man vorn rausfliegt, kommt man hinten wieder freundlich rein."

Mit Penetranz hat er es so geschafft, dass bei Hutschenreuter nicht mehr der Umsatz die absolute Größe für Verkäufer war. Doch nicht immer sind Controlling-Maßnahmen so sinnvoll.

Im Schweizer Bankverein saßen einst Controller, die die Akzeptanz der Geldautomaten unter den Kunden erhöhen wollten. Die Herren ließen, teuer, teuer, Glashäuschen rund um die Geldautomaten bauen. Dass so ein Ort ein geradezu ideales Übernachtungsquartier für Obdachlose ist, wurde nicht mit einkalkuliert. Es folgten: Kundenrückgang, Umsatzeinbußen, Imageverlust.

Katholische Kirche als Controller-Traum

Die Controller eines Ölmultis errechneten, dass kürzere Schläuche an den Tankstellen-Zapfsäulen weniger kosten als lange, und schafften, teuer, teuer, kürzere an. Dass die Kunden deshalb mehr rangieren mussten, länger zum Tanken brauchten und weniger zufrieden wieder abfuhren, wurde nicht einkalkuliert. Folge: höhere Kundenverweildauer an der Zapfsäule, Bedienerfrust, Umsatzeinbußen, Imageverlust.

Tankstelle: Das Zapfen falsch kalkuliert
DPA

Tankstelle: Das Zapfen falsch kalkuliert

Aber es gibt auch Unternehmen, die einen Controller dringend brauchen: "Die katholische Kirche", sagt Rövekamp, "die wäre ein Traum." Kein anderes Unternehmen habe so wenig Ahnung von seinen Besitzverhältnissen, würde deswegen so an seiner Kapazität und Kompetenz vorbei leben. "Die haben ein dreistelliges Milliardenvermögen und wissen das nicht."

Fünf bis zehn Jahre müsste man für Planung, Berechnung und Umsetzung investieren, rechnet er vor, dann könne man die ersten Erfolge sehen: eine gemeinsame Zielvereinbarung, eine gemeinsame Sprache, eine differenzierte Ressourcenkontrolle. Religion - rein rechnerisch.

Dass Rövekamp dabei seine Berufsbezeichnung verlieren würde, stört ihn nicht. "Die würden mich ja nie Controller nennen, sondern höchstens Prälat C oder so."

KATRIN WILKENS

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