Kein anderes Podium war bei den Historikern beliebter als das über die Zukunftschancen des wissenschaftlichen Nachwuchses. Deutlich war dabei die Unsicherheit wegen des Stellenmangels bei den Historikern zu spüren.
Die junge Professorin Sylvia Paletschek aus Freiburg beurteilte die Lage kritisch: "Wir haben ein krasses Überangebot an Privatdozenten, Habilitierenden und bereits Habilitierten." Das Problem habe es schon vor dem Hochschulrahmengesetz (HRG) gegeben, aber dadurch werde die Situation noch verschärft.
Das HRG stößt bei den Geisteswissenschaftlern immer wieder auf Kritik. Besonders wehren sie sich gegen die Einführung der Juniorprofessur. Ein Vertreter des Historikerverbandes kritisierte die Juniorprofessur als "fast sozialdarwinistisch". "Wer da überlebt, ist der zähste, aber nicht unbedingt der beste Forscher." Der Verband fordert eine Kompensation für die wegfallenden C2-Professuren.
Die Regelung, wonach Wissenschaftler ohne feste Stelle nach zwölf Jahren die Universität einfach verlassen haben, müsse gestrichen werden. Der Verbandsvorsitzende Manfred Hildermeier befürchtet, dass viele Historiker sich sonst ihren Lebensunterhalt fachfremd verdienen müssten, was eine Verschleuderung von Ressourcen wäre.
Eine Übergangslösung fehlt
Besonders die Habilitierten, die lange an den Universitäten arbeiten, ohne fest angestellt zu sein, sind betroffen: Nach den Regelungen im HRG müssen sie nach zwölf Jahren die Hochschule verlassen. "Es fehlt an verbindlichen Übergangslösungen für jene, die unter anderen Bedingungen angetreten sind", kritisierte Sylvia Paletschek. Sie forderte Nachbesserungen der am 15. August in Kraft getretenen HRG-Novelle.
Insgesamt sind die Aussichten für Historiker, die habilitieren wollen, eher düster und das nicht nur wegen des neuen Gesetzes. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie über die historischen Nachwuchswissenschaftler, die bei der gleichnamigen Veranstaltung auf dem Historikertag vorgestellt wurde.
Neuere Geschichte: 13 Bewerber auf eine Stelle
Demnach gibt es einen Sockel von 280 Privatdozenten. 60 Habilitierte kommen jährlich dazu. Dabei ist der Konkurrenzdruck in der Neueren Geschichte mit 13 Bewerbern pro Professur am größten. Gute Chancen hat der wissenschaftliche Nachwuchs in den Bereichen außereuropäische und osteuropäische Geschichte. Hier kommen auf eine Stelle "nur" drei Bewerbungen. Ingesamt gibt es in diesen Bereichen aber auch weniger Stellen. Professor Detlef Junker hält die deutsche Geschichtswissenschaft im außereuropäischen Bereich für "provinziell". Gemäßigter beurteilt der Verbandsvorsitzende Manfred Hildermeier die Lage: Er sieht Nachholbedarf in einer globalisierten Welt.
Der Historikertag findet alle zwei Jahre statt. In Halle stand das dreitägige Treffen unter dem Motto "Traditionen-Visionen". Die Veranstaltung ging am Freitagabend zu Ende. Der nächste Historikertag wird im September 2004 voraussichtlich in Kiel stattfinden.
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