ThemaArbeitsplatz UniRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
14.09.2002
 

Historikertag

Zankapfel Juniorprofessur

Die Chancen der Nachwuchswissenschaftler wurden auf dem 44. Deutschen Historikertag in Halle besonders heftig diskutiert. Vor allem die Einführung der Juniorprofessur ist den Historikern ein Dorn im Auge.

Kein anderes Podium war bei den Historikern beliebter als das über die Zukunftschancen des wissenschaftlichen Nachwuchses. Deutlich war dabei die Unsicherheit wegen des Stellenmangels bei den Historikern zu spüren.

Geisteswissenschaftler: Juniorprofessur ist bei den Historikern unbeliebt
Zur Großansicht
DPA

Geisteswissenschaftler: Juniorprofessur ist bei den Historikern unbeliebt

Die junge Professorin Sylvia Paletschek aus Freiburg beurteilte die Lage kritisch: "Wir haben ein krasses Überangebot an Privatdozenten, Habilitierenden und bereits Habilitierten." Das Problem habe es schon vor dem Hochschulrahmengesetz (HRG) gegeben, aber dadurch werde die Situation noch verschärft.

Das HRG stößt bei den Geisteswissenschaftlern immer wieder auf Kritik. Besonders wehren sie sich gegen die Einführung der Juniorprofessur. Ein Vertreter des Historikerverbandes kritisierte die Juniorprofessur als "fast sozialdarwinistisch". "Wer da überlebt, ist der zähste, aber nicht unbedingt der beste Forscher." Der Verband fordert eine Kompensation für die wegfallenden C2-Professuren.

Die Regelung, wonach Wissenschaftler ohne feste Stelle nach zwölf Jahren die Universität einfach verlassen haben, müsse gestrichen werden. Der Verbandsvorsitzende Manfred Hildermeier befürchtet, dass viele Historiker sich sonst ihren Lebensunterhalt fachfremd verdienen müssten, was eine Verschleuderung von Ressourcen wäre.

Eine Übergangslösung fehlt

Besonders die Habilitierten, die lange an den Universitäten arbeiten, ohne fest angestellt zu sein, sind betroffen: Nach den Regelungen im HRG müssen sie nach zwölf Jahren die Hochschule verlassen. "Es fehlt an verbindlichen Übergangslösungen für jene, die unter anderen Bedingungen angetreten sind", kritisierte Sylvia Paletschek. Sie forderte Nachbesserungen der am 15. August in Kraft getretenen HRG-Novelle.

Insgesamt sind die Aussichten für Historiker, die habilitieren wollen, eher düster und das nicht nur wegen des neuen Gesetzes. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie über die historischen Nachwuchswissenschaftler, die bei der gleichnamigen Veranstaltung auf dem Historikertag vorgestellt wurde.

Neuere Geschichte: 13 Bewerber auf eine Stelle

Demnach gibt es einen Sockel von 280 Privatdozenten. 60 Habilitierte kommen jährlich dazu. Dabei ist der Konkurrenzdruck in der Neueren Geschichte mit 13 Bewerbern pro Professur am größten. Gute Chancen hat der wissenschaftliche Nachwuchs in den Bereichen außereuropäische und osteuropäische Geschichte. Hier kommen auf eine Stelle "nur" drei Bewerbungen. Ingesamt gibt es in diesen Bereichen aber auch weniger Stellen. Professor Detlef Junker hält die deutsche Geschichtswissenschaft im außereuropäischen Bereich für "provinziell". Gemäßigter beurteilt der Verbandsvorsitzende Manfred Hildermeier die Lage: Er sieht Nachholbedarf in einer globalisierten Welt.

Der Historikertag findet alle zwei Jahre statt. In Halle stand das dreitägige Treffen unter dem Motto "Traditionen-Visionen". Die Veranstaltung ging am Freitagabend zu Ende. Der nächste Historikertag wird im September 2004 voraussichtlich in Kiel stattfinden.

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik UniSPIEGEL
alles aus der Rubrik Job & Beruf
alles zum Thema Arbeitsplatz Uni

© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Social Networks

Entdecken Sie außerdem UniSPIEGEL auf...






TOP



TOP