Ob "Lindenstraße", "Tatort" oder "Titanic", alle größeren Produktionen für Fernsehen und Kino haben eines gemeinsam: Sie wären nicht möglich ohne einen umfangreichen Mitarbeiterstab hinter den Kulissen. In der Öffentlichkeit sind meist nur die Namen der Schauspieler bekannt. Ihre Kollegen für Kamera, Ton, Licht und Maske, die Location Scouts oder die Cutter haben aber ebenso Anteil am Erfolg - oder Misserfolg - einer Produktion. Und einen zentralen Platz im Film- oder Fernseh-Team nimmt der Regisseur ein.
Er trägt bei der Entstehung eines Films von der Vorbereitung über die Dreharbeiten bis zum fertigen Werk eine besondere Verantwortung: "Der Regisseur muss schon vor Beginn der Dreharbeiten eine sehr konkrete Vorstellung vom fertigen Film und allen seinen Details haben", erklärt Peter Carpentier vom Bundesverband der Fernseh- und Filmregisseure in Deutschland (BVR) in München. Das gelte für alle Bereiche der Filmregie - also Kino, Fernsehen und Video.
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Regisseure brauchen nach Einschätzung des BVR vor allem die Fähigkeit, künstlerische und technische Mitarbeiter zu motivieren, zu leiten und ihre Beiträge zu einem stimmigen Gesamtwerk zu koordinieren. "Wenn das ganze Team mit ehrlicher Begeisterung an einem bestimmten Projekt arbeitet, sieht der Zuschauer das dem Endprodukt an, und der Funke springt über."
Manchmal sind die krummen Wege die geraden
Peter Carpentier kennt sein Metier seit 25 Jahren und darf sich über einige Publikumserfolge freuen. So hat er zum Beispiel bei den Serien "Schwarz greift ein" mit Klaus Wennemann und "Kommissar Rex" mit Gedeon Burkhard Regie geführt. Bei vielen Fernsehzuschauern unvergessen sind auch seine "Tatort"-Folgen mit Götz George als Kommissar Schimanski.
Regie-Star Steven Spielberg: Langer Weg für den Nachwuchs
Für Regie-Assistenten gibt es allerdings keine Garantie, später tatsächlich als Regisseur zu arbeiten. Es bleibt außerdem dem Fleiß und der Initiative des Einzelnen überlassen, sich das Rüstzeug eines Regisseurs anzueignen. Um das Filmgeschäft realitätsnah kennen zu lernen, kann es helfen, sich um Praktika bei Sendern oder Produktionsfirmen zu bewerben.
Vor allem bei jüngeren Regisseuren verstärkt sich jedoch der Trend zum Filmstudium: "Man erhält eine umfassende Ausbildung, knüpft wichtige Kontakte und darf relativ schnell eigene Produktionen machen, die von der Hochschule finanziert werden", sagt Oliver Dommenget. Der Jungregisseur aus Hamburg hat einige Jahre als Kameramann gearbeitet, bevor er sich für den zweijährigen Aufbaustudiengang "Film" an der Universität Hamburg entschied.
Für Dommenget hat sich der Entschluss gelohnt: Er gewann den Deutschen Filmschulpreis und den Studio Hamburg-Nachwuchspreis. Zudem führte er bei der ARD-Serie "Drei mit Herz" und dem ZDF-Fernsehspiel "Wilder Hafen Ehe" Regie. Im Herbst 2002 läuft sein erster Kinofilm, die Fantasy-Komödie "Hilfe, ich bin ein Junge", in Deutschland an.
Der Jungregisseur freut sich über den schnellen Erfolg in seinem Traumberuf. Doch er weiß, es hätte auch anders kommen können: "Es gibt viele talentierte junge Kollegen, die sehr lange auf die ersten Aufträge warten müssen. Außerdem kann man nie ganz sicher sein, dass der nächste Job auch wirklich kommt."
Möglichst schnell einen Namen machen
Für Hatto Kurtenbach, Werbe- und Dokumentarfilmregisseur aus München, vereint der Beruf des Regisseurs handwerkliches Können mit künstlerischer Vision: "Unabhängig vom Ausbildungsweg sollte es das Ziel eines jeden Jungregisseurs sein, möglichst schnell eigene Filme zu drehen." In der Branche hänge sehr viel von einem guten Namen ab. Den könne man sich aber nur mit eigenen Produktionen erarbeiten.
Auch talentierte Nachwuchs-Regisseure sollten daher Kurtenbach zufolge auf eine Zeit des Klinkenputzens gefasst sein und finanzielle Durststrecken einkalkulieren. Beides kann ihnen allerdings auch während ihrer Karriere immer wieder passieren. Denn die Mehrheit der Regisseure arbeitet freiberuflich oder mit Zeitverträgen auf Produktionsdauer.
Der Verdienst eines Regisseurs hängt häufig vom Gesamtetat der jeweiligen Produktion ab. Ein 90-minütiges Fernsehspiel kostet derzeit zum Beispiel etwa anderthalb Millionen Euro. Das Honorar des Regisseurs beträgt bei diesen Größenordnungen nach Angaben des BVR zwischen 25000 und 50.000 Euro brutto. Der Arbeitsaufwand für eine Produktion mit 90 Minuten Sendezeit liegt bei etwa vier Monaten.
Von Stefanie Dorn, gms
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