Von Anke Schwarzer
Ein allzu forsches Auftreten kann Kandidaten den Job kosten, hat die Chemnitzer Professorin Astrid Schütz herausgefunden. Ihren Untersuchungen zufolge machen sich Bewerber schnell unbeliebt, wenn sie in Vorstellungsgesprächen übergroßes Selbstvertrauen zur Schau tragen. Zwar hat auch Astrid Schütz kein Patentrezept für erfolgreiche Bewerbungsgespräche. Dennoch leitet sie aus ihrer Forschung acht Tipps ab, damit Bewerber am Ende eines Gespräches weder als graue Maus noch als eitler Pfau dastehen.
Eine Selbstdarstellung, die nicht zur Gesamtpersönlichkeit passt, wirkt aufgesetzt und verfehlt in aller Regel die gewünschte Wirkung. Inszenierungen sind daher äußerst riskant. Sie sammeln viel eher durch spontanes und authentisches Verhalten Pluspunkte.
Wer nur von sich prahlt, wirkt unsympathisch. Deshalb sollten Sie kleinere Schwächen offen eingestehen - wenn sie nicht gerade die eigene Kompetenz in Frage stellen. Empirische Studien haben gezeigt: Selbstlob kommt nur dann besser an als eine eher bescheidene Selbstdarstellung, wenn dem Gegenüber keinerlei Informationen über die tatsächlichen Leistungen des Bewerbers vorliegen.
Bringen Sie andere dazu, Sie zu loben. Das macht einen besseren Eindruck, als es ständig selbst zu tun. Untersuchungen haben bewiesen, dass positive Beurteilungen von Dritten glaubwürdiger wirken als positive Selbstbeschreibungen
Auch wenn zu viel Eigenlob stinkt: Stellen Sie nicht gleich Ihr Licht unter den Scheffel. Wer in einem Bewerbungsgespräch nicht sagt, was er kann, erweckt nicht unbedingt den Eindruck, dass er viel kann.
So ist das nun mal: Attraktive Bewerber kommen besser an. Achten Sie deshalb auf Ihre Kleidung. Wie empirische Studien belegen, wird eine Frau im Sakko in aller Regel kompetenter beurteilt als in anderer Kleidung.
Verbales und Nonverbales gehören zusammen. Es macht daher einen unglaubwürdigen Eindruck, wenn die Körpersprache dem Gesagten widerspricht. Im Zweifelsfall wird eher dem Nonverbalen geglaubt. Wer also gerade von der eigenen Kompetenz spricht und dabei nervös an der Kleidung herumzupft, wirkt nicht überzeugend.
Verstricken Sie sich nicht in widersprüchlichen Aussagen: Wer in unterschiedlichen Situationen oder gegenüber unterschiedlichen Gesprächspartnern immer etwas anderes behauptet, erweckt den Eindruck, sein Fähnchen nach dem Wind zu drehen.
Aggressive Angriffe auf Mitbewerber oder Konkurrenten verfehlen leicht die gewünschte Wirkung und führen stattdessen zu einem negativen Eindruck vom Angreifer. Studien zeigen, dass Kritiker oder Angreifer selbst negativ bewertet werden.
Wer sein eigenes Auftreten verbessern möchte, kann an der TU-Chemnitz spezielle Coaching-Programme nutzen. Im Videolabor analysieren Astrid Schütz und ihre Mitarbeiter das Bewerber-Verhalten während eines Vorstellungsgespräches und geben Vorschläge zur Verbesserung. Mehr Infos unter Tel. 0371/531-6366 oder per E-Mail: astrid.schuetz@phil.tu-chemnitz.de
Ihre Erkenntnisse hat Astrid Schütz auch in dem Buch "Psychologie des Selbstwertgefühls: Von Selbstakzeptanz bis Arroganz" (Stuttgart 2000) verarbeitet.
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