Sie heißen Buzz, EasyJet oder schlicht Hapag Lloyd Express, und sie erobern den Himmel mit günstigen Preisen. Binnen weniger Jahre sind etliche Billigfluglinien entstanden, die ihren Kunden eine einfache Dienstleistung offerieren: nur fliegen.
JustFly lautet denn auch der Name einer weiteren Billigfluglinie, deren Manager ebenfalls versuchen, mit dieser neuen, einfachen Art des Fliegens erfolgreich zu sein. Das Besondere an JustFly: Jeder darf auf dem Chefsessel Platz nehmen. Denn JustFly ist der Name einer virtuellen Fluggesellschaft, deren Aufbau bei einem aufwändigen Unternehmensplanspiel simuliert wird.
Die Beratungsgesellschaft McKinsey und "manager magazin" suchen auf diesem Wege die Managertalente von morgen, die "CEOs of the Future". Der Wettbewerb startete Ende September und stößt auf ein überwältigendes Interesse. Mehr als 18.000 Interessenten aus 60 Ländern haben das Starterkit mit der Programm-CD bereits angefordert. Auf der eigens für den Wettbewerb eingerichteten Homepage www.future-ceo.de reichten schon über 500 Teilnehmer ihre Spielstände ein und liefern sich auf der Rangliste ein hartes Rennen um den höchsten Aktienkurs der Billigfluglinie JustFly.
Ist Anstand im Manager-Job überhaupt gefragt?
Die besten Strategen erzielten Kurse um 500 Euro. Auf den Internetseiten des Wettbewerbs finden die Spieler auch Tipps zur Analyse der Firmendaten, Hintergrundinformationen zu Managementkonzepten und aktuelle Branchenartikel. Zudem bietet der Webauftritt des Wettbewerbs ein Diskussionsforum, in dem sich die Teilnehmer untereinander austauschen können. Zusätzlich können die Teilnehmer hier ihre Meinung zu Ethik und Moral im Berufsalltag von Spitzenmanagern äußern.
Begleitend zum Wettbewerb erstellt "manager magazin" eine Studie, in der die Ansichten der potenziellen Nachwuchsmanager gefragt sind: Muss man als Manager ein Schwein sein, oder sollten sich gerade Topmanager besonders anständig und vorbildlich verhalten?
Bislang unentdeckte Managementtalente, die Lust verspüren, sich der Herausforderung des Wettbewerbs zu stellen, haben noch bis Ende Dezember die Möglichkeit, die kostenlosen Starterkits anzufordern.
Der frühe Vogel fängt den Wurm
Grundsätzlich steht der Wettbewerb jedermann offen. Die Initiatoren des Wettbewerbs wollen jedoch vorwiegend Studenten und Jungakademikern die Gelegenheit geben, ihre Managementfähigkeiten zu testen. Deshalb haben nur Teilnehmer dieser beiden Gruppen die Chance, zu einem zweitägigen Workshop der Besten eingeladen zu werden und schließlich einen der Hauptpreise zu gewinnen.
Als Lohn der Mühe winkt für die fünf Erstplatzierten ein Karrierecoaching inklusive wertvoller Kontakte in die Wirtschaft. Die drei Sieger erhalten darüber hinaus ein Budget in Höhe von 8000 Euro, 4000 Euro und 2000 Euro, das sie für Seminare ihrer Wahl verwenden können, etwa für einen Kompaktkurs an einer renommierten Business School.
Auf welche Weise ein Sieg bei diesem Wettbewerb die Karriere beschleunigen und den eigenen Horizont erweitern kann, zeigen die Erfahrungen der drei Gewinner aus dem ersten Wettbewerb 2000.
Mathematikstudent Stefan Heinrichs, 24, lernte bei einem Praktikum in der Advance Bank an der Seite des ehemaligen Vorstandssprechers Martin Blessing den Unterschied zwischen akademischer Theorie und betrieblicher Wirklichkeit kennen. Kurz darauf ergatterte er beim Göttinger Softwareunternehmen Sycor einen Nebenjob als Vorstandsassistent.
Rat von Spitzenmanagern
Stefan Güldenberg, 33, ebenfalls Gewinner des Wettbewerbs 2000, bekam die Gelegenheit zu einem intensiven Gedankenaustausch mit McKinsey-Berater Wilhelm Rall, einem renommierten Experten für globale Strategien. Ein unschätzbarer Kontakt für jemanden wie Güldenberg, der sich als Dozent an der Wirtschaftsuniversität Wien mit genau solchen Fragen beschäftigt. "Durch Rall bin ich in Kreise gekommen, die sonst verschlossen sind", sagt Güldenberg.
Das gilt erst recht für den dritten Gewinner des ersten "CEO of the Future"-Wettbewerbs, den 23-jährigen Simon Peter, der in Witten Wirtschaftswissenschaft studiert. Peter sprach in Berlin mit Ex-General-Electric-Chef und Managerlegende Jack Welch bei einer Podiumsdiskussion über die Geheimnisse erfolgreicher Unternehmensführung. In Düsseldorf traf er sich mehrere Male mit McKinsey-Chef Jürgen Kluge und konnte während eines zweimonatigen Praktikums Beraterluft schnuppern.
Derzeit studiert Peter neun Monate mit einem Fulbright Stipendium in den USA. Wenn er zurück in Deutschland ist, will er einen der Ratschläge von McKinsey-Chef Kluge beherzigen: "Arbeiten Sie mal eine Weile in einem Museum, um ein völlig neues Gebiet kennenzulernen", hatte der Top-Berater ihm empfohlen.
CEO of the Future: So funktioniert der Wettbewerb
CEO-Begleitumfrage: Sagen Sie uns Ihre Meinung
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik UniSPIEGEL | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Job & Beruf | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH