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11.03.2003
 

Von Beruf Museumspädagoge

"Ich bin kein Archäoclown!"

Reihen sich mehrere "Berühren verboten"-Schilder in einer Ausstellung aneinander, hat bestimmt kein Museumspädagoge Hand angelegt. Denn sie machen Geschichte lebendig - durch anfassen und zündeln.

Museumspädagogen machen es möglich: Leben wie vor 5000 Jahren
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Museumspädagogen machen es möglich: Leben wie vor 5000 Jahren

Thorsten Helmerking, Museumspädagoge im Helms-Museum in Hamburg-Harburg, weiß nie genau, wie sein Tag ablaufen wird. Vielleicht wird er mit Kindergartenkindern Brot backen, ein zweitägiges Seminar zum frühgeschichtlichen Bronzeguss halten oder auf einem Kindergeburtstag neugierigen Siebenjährigen Geschichten über die Höhlenmalerei erzählen. "Natürlich habe ich mein Programm, aber ich muss sehr flexibel damit umgehen", sagt Helmerking.

Viel Zeit bleibt ihm dafür meist nicht. Heute hat er 90 Minuten. Helmerking soll Schülern die "Werkzeugherstellung in der Steinzeit" beibringen. Statt einen drögen Vortrag zu halten, diskutiert Helmerking lieber mit seinen Zöglingen - und macht praktische Übungen. Schließlich will der Museumspädagoge Wissenschaft spannend vermitteln. Nach der Einführung setzen die Kinder Schutzbrillen auf. Mit Feuer und Schlagstein versuchen sie Klingen zu hämmern. Am Ende des Kurses bringt Helmerking ihnen bei, wie sie eine Flamme ohne Streichhölzer anzünden. Manchmal geht es dabei auch lustig zu. Doch Helmerking betont: "Ich bin kein Archäoclown."

Nur das Publikum zählt

Sammeln, bewahren, präsentieren sind die traditionellen Funktionen der Museen. In den siebziger Jahren kam die Vermittlung hinzu - und damit die wachsende Bedeutung der Museumspädagogen. Sie sind heute für das Überleben der Museen von zentraler Bedeutung. Die Vorsitzende des Bundesverbandes Museumspädagogik in Bergisch Gladbach Beatrix Commandeur sagt: "Das Publikum ist das, worauf ein Museum achten muss." Der Besucher zählt - und zwar von der Konzeptionsphase an: "Wenn man in einer Ausstellung nichts machen kann und darf, dann war vermutlich auch kein Museumspädagoge dabei."

Pädagogik allein reicht aber nicht: "Es geht weit über Führungen hinaus", so Commandeur, die als Museumspädagogin im Rheinischen Industriemuseum in Bergisch Gladbach arbeitet. Museumspädagogen sind auch an der Planung und Konzeption neuer Ausstellungen beteiligt. Deshalb sind Kenntnisse in Geschichte, Volkskunde, Archäologie, Kunst oder auch Biologie gefragt. "Der Begriff der Museumspädagogik wird der Breite des Tätigkeitsfeldes gar nicht gerecht", bemängelt Julia Breithaupt von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Als "Bildungsarbeit im Museum" bezeichnet die Leiterin der Abteilung Bildung und Kommunikation ihren Job. Und das bedeutet: Jede Menge Arbeit.

Feste Stellen sind rar

"Die Arbeit der Museumspädagogik hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen", sagt Monika Hagedorn-Saupe, stellvertretende Leiterin am Institut für Museumskunde in Berlin. Allerdings gelte das in jüngster Zeit nicht für die Zahl der festen Stellen, sondern eher für die Honorarkräfte und ehrenamtlichen Helfern - Studenten, Rentner und Frauen in Erziehungszeit. Bei einer Untersuchung des Instituts für Museumskunde im Jahre 1998 wurden 3140 Museen befragt, wie viele hauptamtliche Museumspädagogen sie beschäftigen. Das Ergebnis war ernüchternd: Nicht einmal jeder fünfte Museumspädagoge hatte eine feste Stelle.

Die Erhebung macht deutlich: Museumspädagogik ist kein geschützter Beruf. Ob Studenten nach ihrem Abschluss einen Job finden, ist ungewiss: "Wir sitzen erst einmal auf unseren Stellen", sagt Beatrix Commandeur. Der Start erfolgt meist über Praktika und Vertretungsjobs. Berufsbegleitende Qualifizierungsangebote runden das "Learning by doing" ab. Wer freiberuflich als Museumspädagoge leben will, braucht mehrere Standbeine: Die durchschnittliche Bezahlung für eine Führung liegt bei 27,50 Euro pro Stunde. Da sei schon eine Menge Idealismus gefragt, sagt Thorsten Helmerking.

Von Deike Uhtenwoldt, gms

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