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28.04.2003
 

Chefs von morgen

Manager mit Moral statt Raffzähne

Von Claus G. Schmalholz

Ein 24-jähriger Wirtschaftsstudent aus Witten ist der "Chef der Zukunft". Bei einem Wettbewerb von "manager magazin" und McKinsey setzte er sich gegen harte Konkurrenz durch. Den heutigen Chefs stellen die Nachwuchsmanager verheerende Noten aus: zu raffgierig, skrupellos, korrupt.

Wie sehen die potenziellen Chefs von morgen aus? Dieser Frage sind "manager magazin" und die Unternehmensberatung McKinsey zum zweiten Mal mit dem Nachwuchswettbewerb "CEO of the Future" nachgegangen. Über 21.000 Interessenten aus aller Welt hatten die kostenlose CD mit dem aufwändigen Computer-Strategiespiel angefordert.

Abflug zum "CEO of the future": Den Himmel erobern
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Abflug zum "CEO of the future": Den Himmel erobern

Am Computer mussten die Teilnehmer zunächst zeigen, dass sie die virtuelle Billigfluglinie JustFly zum Erfolg führen können. Die 20 besten Spieler wurden zu einem zweitägigen Workshop eingeladen. Dort mussten sie vor einer hochkarätigen Jury aus Topmanagern und Beratern beweisen, dass sie tatsächlich das Zeug zum Chief Executive Officer haben.

Den besten Eindruck hinterließ der 24-jährige Christoph Hamann, Student der Wirtschaftswissenschaften an der privaten Universität Witten/Herdecke. Hamann gewann ein Trainingsbudget in Höhe von 8000 Euro und ein einjähriges Karrierecoaching durch McKinsey-Chef Jürgen Kluge.

Die Moral nicht dem Erfolg opfern

Angesichts der harten Konkurrenz hatte sich Hamann anfangs wenig Chancen auf einen Sieg ausgerechnet: "Viele meiner Mitstreiter hatten ein Doppeldiplom oder trugen einen Doktortitel. Und in der Vorstellungsrunde fielen die Namen renommierter Institute wie Harvard oder MIT". Letzten Endes gelang es Hamann dennoch am besten, die Jury mit der Präsentation eines Businessplans zu beeindrucken.

Parallel zum Wettbewerb erfragte "manager magazin" die Einstellung der Wettbewerbsteilnehmer zu Moral und Ethik im Berufsleben: Wie werden die potenziellen Chefs von morgen ihre Mitarbeiter behandeln? Wie wollen sie den Standesdünkel zügeln? Wie beurteilen sie die Raffgier vieler amtierender Spitzenmanager?

Die Antworten ergeben das Bild einer neuen Managergeneration, die sich klaren ethischen Wertmaßstäben verpflichtet fühlt. Kurz: Die künftigen Chefs wollen die Moral nicht dem Erfolg opfern. Mit den heutigen Führungskräften gehen sie dagegen hart ins Gericht. Von den amtierenden Managern zeichnen die Befragten das Bild einer reichlich skrupellosen Elite, die sich in vielen Fällen mehr ums eigene Wohl sorgt als um den Erfolg des Unternehmens und den Zustand der Gesellschaft insgesamt.

Bill Gates bleibt Vorbild

McKinsey-Chef Kluge: Coacht den Gewinner
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DDP

McKinsey-Chef Kluge: Coacht den Gewinner

So lehnen es die Befragten zum Beispiel ab, Schmiergelder zu Gunsten ihres Unternehmens einzusetzen. Den amtierenden Managern trauen sie dies durchaus zu. Dass viele deutsche Führungskräfte nach amerikanischem Vorbild Gehälter in ein- bis zweistelliger Millionenhöhe fordern, versteht der Nachwuchs überhaupt nicht. Dieses Ansinnen halten die Befragten für völlig unangebracht.

Bei der Verfolgung ihrer eigenen persönlichen Ziele streben die heute 20- bis 30-Jährigen ein ausgewogenes Verhältnis von Beruf und Privatleben an. Bei der Frage nach ihren Berufswünschen zeigen sich die jungen Leute deutlich realistischer als in früheren Untersuchungen.

Bill Gates: Bigger than life
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DPA

Bill Gates: Bigger than life

Zwar möchte der eine oder andere immer noch am liebsten CEO eines Autokonzerns werden. In der Mehrzahl orientieren sich die Träume der Befragten jedoch an der Wirklichkeit, was sich in Berufswünschen wie Fondsmanager, Sportvermarkter oder Grundlagenforscher niederschlägt.

Unverändert bleiben hingegen die unternehmerischen Vorbilder der künftigen Führungskräfte. Diese Rangliste führt nach wie vor ein Mann an, der im trauten Familienkreis lebt, finanziell unabhängig ist und sich mit weltweiten Gesundheitsprojekten als globaler Wohltäter präsentiert: Microsoft-Gründer Bill Gates.

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